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Begegnung mit dem Weißen Hai

Haitauchen in Südafrika

Text und Fotos: Ralf Falbe

Kapstadt. Drehort unzähliger Heimatfilme des ZDFs. Aber auch kulturell-wirtschaftliche Achse des neuen Südafrikas und Ausgangspunkt für europäische Touristen, die hier ihre ganz persönliche „Jenseits von Afrika“ - Romantik suchen. Viele steigen zunächst in der Long Street ab, wo sich die preiswerten Backpackerherbergen angesiedelt haben und wo man auch zu später Stunde noch unbehelligt die Kantsteine und Spelunken unsicher machen kann. Ein weiterer Vorteil sind die vielen preiswerten Restaurants, der kurze Weg zum Busbahnhof und die hohe Dichte an Reisebüros, die sich auf die europäischen Rucksacktouristen spezialisiert haben. Das legendäre „Cage Diving“, das Tauchen mit dem Großen Weißen Hai, ist unser Ziel.

Südafrika - Weißer Hai
Ein Weißer Hai

Haie sind gefährlich. Haie töten Menschen. Wer hat nicht den Kinoreißer „Der Weiße Hai“ gesehen? Damals wurden Originalszenen in Südaustralien gedreht, obwohl gerade Gaansbai bei Kapstadt als weltbester Spot für die Sichtung des Großen Weißen gilt. Ein paar Fakten: Pro Jahr gibt es etwa sechs Tote durch Haiangriffe, aber pro Jahr werden auch mehr als 100 Millionen Haie durch Menschen getötet! Berüchtigt wurde das „Mexiko-Massaker“ in dem Schutzgebiet Islas las Revillagedos, wo profitgierige Fischer vor den Augen korrupter Beamter den kompletten Bestand wegfischten – nicht zuletzt, um die begehrten Haifischflossen nach Fernost zu exportieren. In Folge hat sich auch der Tauchsportverband PADI stark gemacht im Kampf für die Haie – Suppe, Flosse oder Gebiss sollen bald der Vergangenheit angehören. Der Australier Rodney Fox wurde 1963 Opfer eines Haiangriffs und gilt seitdem als Experte und vehementer Schützer des Großen Weißen: In dem Unterwasserstreifen „Deep Blue, White Death“ von 1968 filmte er bereits Weiße Haie aus einem Käfig heraus und war später auch bei der Verfilmung des Schockers „Der Weiße Hai“ als Berater tätig. Noch in den 80er Jahren war dieser spektakuläre Nervenkitzel, zusammen mit einem Großen Weißen im „Big Blue“ zu treiben, nur wenigen Auserwählten mit gestopftem Bankkonto zugänglich. Die Zeiten ändern sich: Heute spaziert man in ein Reisebüro in Kapstadt, zahlt umgerechnet zwischen 80 und 90 Euro, und findet sich am nächsten Morgen in der Bucht von Gaansbai wieder.

Auf zur Shark Alley

Südafrika - Haikäfig wird ins Wasser gelassen
Der Käfig für die Haibeobachter wird ins Wasser gelassen

Zunächst wird gemeinsam gefrühstückt, die Gruppe beschnuppert sich, etwa ein Dutzend ausländische Haifreunde sind zusammen gekommen. Das Geschäft mit den knorpeligen Räubern scheint zu brummen. Mit Traktoren werden draußen die hochseetauglichen Boote in den rauen Südatlantik gehievt, der Tidehub ist zuweilen gewaltig. Insgesamt sechs Boote laufen an diesem Morgen aus. Ziel: Der sechs Seemeilen entfernte, 100 Meter lange Kanal von Dyers Island, als „Shark Alley“ weltberühmt geworden. Heimat und Futterstelle von Pelzrobben und unzähligen Weißhaien, diesen monströsen Fressmaschinen mit perfekter Präzision. Die Stimmung an Bord ist gespannt, fast alle spähen angestrengt nach der berühmten Dreiecksflosse, wollen „ihn“ als erstes sichten. Es sind Haifreaks und Fotografen unter der Gruppe, aber auch normale Backpacker auf dem Wege nach Botswana oder Mosambik.

Südafrika - Haitauchen im Kafig
Direkte Begegnung zwischen Tauchern und Hai

Der Anker fällt, das Boot schaukelt in der Dünung. Die Crew beginnt mit ihrem Spiel: Es wird reichlich Fischblut und Thunfisch im Wasser verteilt, eine Robbenattrappe aus Holz treibt im Schlepp und der Käfig wird zu Wasser gelassen. Die ersten tauschen nervöse Blicke, andere können es kaum erwarten und springen über die Bordwand in den schaukelnden Käfig, der am Boot festgemacht ist. Es werden heute andere Zellen verwendet als in den alten Filmen, in denen einsame Taucher auf den Meeresgrund absacken und dabei von tollwütigen Bestien attackiert werden. Nein, in der Neuzeit verwenden die geschäftstüchtigen Südafrikaner Gehäuse, die bis zu sechs Personen auf einmal fassen und die nur noch an der Oberfläche neben dem Boot treiben. Der Vorteil ist offensichtlich: Der Adrenalinkick wird massentauglich, ist für Schnorchler auch ohne Tauchausbildung möglich, kostet den Veranstalter weniger bei mehr zahlenden Gästen. Ob die Haie das auch zu schätzen wissen?

Adrenalin pur

Endlich zieht ein grauer Schatten seine Bahnen um das Boot, das Adrenalin steigt. Mitten drin statt nur dabei. Die erste Gruppe im Käfig fuchtelt nervös mit beschlagener Taucherbrille und Unterwasserkameras herum, manch einer hat in der Aufregung glatt vergessen, die richtigen Batterien einzulegen. Nach dem Schichtwechsel schlägt das grünblaue Wasser über unseren Köpfen zusammen, dann das unbeschreibliche Gefühl, diesem gigantischen Räuber der Meere mit seinem beeindruckenden Riesenmaul einmal im unendlichen, diffusen Blau gegenüberzustehen – er ist plötzlich da, anscheinend aus dem grauen Nichts der unendlichen See aufgetaucht. Das Mekka der Haitaucher hat Wort gehalten. Der wuchtige Riese verharrt lässig vor den Aluminiumstäben und es scheint, als mustere er uns eine Unendlichkeit lang abschätzig mit seinen regungslosen, starren Augen. Dann dreht er gelangweilt ab, nicht ohne noch durch seinen kraftvollen Schwanzschlag dem schlingernden Käfig einen Abschiedshieb zu verpassen, und zeigt uns kurz seinen weißen Bauch.

Südafrika - Hai in Gaansbei
Hai in Gaansbai Robbenattrappe aus Holz

Oben bemüht sich die Crew, den Hai mit einem hölzernen Robbenköder aus der Reserve zu locken und der zahlenden Belegschaft eindrucksvolle Fotomotive zu bieten. Der Weißhai zeigt seine berühmten Zähne und die Kameras in der Runde klicken. Wir sind unter Profis. Man doziert über die Sippe der Weißhaie und wir erfahren, dass einige dieser bis zu sieben Meter langen Tiere regelmäßig zwischen Südafrika und Australien pendeln – einigen Exemplaren wurden Sender eingepflanzt. Die Ehrfurcht vor diesen beeindruckenden Kreaturen steigt ins Unermessliche.
Wir werden gut bedient, bekommen zwei Tauchdurchgänge für unser Geld, sind alle komplett „gestoked“ und fahren am Nachmittag wieder zurück nach Gaansbai. Wir haben ihn gesehen – den König der Meere.

Südafrika - Haibeobachter in Taucheranzügen



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