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St. Kitts and Nevis

St. Kitts and Nevis
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Fotos © Carribean Tourism Organisation (www.karibik-info.de)




 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kurzportrait

Schon auf seiner ersten Amerikareise (1492/93) vertraute Kolumbus seinem Diario de a Bordo (Bordbuch) an: „Ich habe so viele Inseln gesehen, dass ich mich nicht zu einem Besuch der einen oder anderen entschließen konnte.“ Damals ahnte er nicht, welchen karibischen Inselwelten er noch begegnen sollte, etwa anlässlich seiner zweiten Reise 1493/96, als er in das Insellabyrinth der Kleinen Antillen vorstieß und mit Puerto Rico und Jamaika auch die ersten Inseln der Großen Antillen zu Gesicht bekam. Dominica tauchte als erste Insel am 3. November 1493 am Horizont auf, dann Guadeloupe, Montserrat, Antigua, schließlich am 11. November St. Kitts und Nevis. Dass er hier einen Fuß an Land setzte, ist nicht überliefert, wohl aber, dass er St. Kitts den Namen Sant Jago (Heiliger Jakob) gab, von nachfolgenden spanischen Kundschaftern in San Cristóbal verfälscht, französisch Saint-Christoph und St. Christopher im Englischen. Besonders die englische Namensversion taucht noch heute in manchen Veröffentlichungen und Gesprächen auf. Wie aber aus St. Christopher St. Kitts werden konnte, erschließt sich nicht so ohne weiteres und bleibt wohl ein Fall für gewiefte Etymologen. Bei Cristóbal/Christopher stand nicht der Name des Entdeckers Pate, sondern der volkstümliche Heilige Christophorus, der Christusträger, einer der „Vierzehn Heiligen Nothelfer“, Schutzpatron aller Reisenden, Fähr- und Seeleute.

St. Kitts

Von der Entdeckung zur Kolonie

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Für die Spanier gab es auf St. Kitts und Nevis keine Reichtümer zu holen. Sie überließen die Inseln sich selbst. Glaubensflüchtlinge gingen als erste Siedler 1538 an Land, französische Hugenotten aus Dieppe, die sich für kurze Zeit in ihrer gleichnamigen Siedlung im Norden von St. Kitts halten konnten, ehe sie von Spaniern deportiert wurden. 1607 schaute Captain John Smith für ein paar Tage vorbei, segelte dann weiter und gründete die englische Kolonie Virginia. Eine dauerhafte Entwicklung setzte erst 1623 unter dem englischen Kapitän und Forscher Thomas Warner ein. Mit dem geschulten Blick eines strategischen Kolonisten erkannte er die günstige Lage der Inseln als Ausgangspunkt künftiger britischer Expansion, schätzte er die Eingeborenen als friedfertig ein und registrierte er fruchtbare Böden und Frischwasser im Überfluss. 1624 kam eine zweite, etwas größere Siedlergruppe auf Warners Initiative ins Land, darunter Samuel Jefferson, ein Vorfahr des dritten amerikanischen Präsidenten Thomas Jefferson. An der Old Road Bay, an St. Kitts Westküste, entstand die erste englische Siedlung, Urzelle des britisch-karibischen Kolonialimperiums. 1625 erreichten französische Siedler, von Warner bereitwillig aufgenommen, die Insel und machten sich an den Wiederaufbau von Dieppe. Die Franzosen kamen Warner nicht ungelegen, konnten sie doch die schwachen englischen Kräfte bei dem geplanten Ausrottungsfeldzug gegen die einheimischen Kariben unterstützen. An einem Ort, der heute Bloody Point heißt, ließen 2.000 Kariben ihr Leben. Hier wurde fortgesetzt, was die Spanier schon Jahrzehnte zuvor auf Nevis vorgemacht hatten.

Die wachsenden Spannungen zwischen den konkurrierenden Kolonialmächten Frankreich und Großbritannien warfen ihre Schatten voraus: Eine kuriose Dreiteilung der Insel wurde verabredet, die den Norden (Capisterre) und den Süden (Basseterre) zu französischen Territorien erklärte und die Mitte von St. Kitts für die Briten reservierte. Von ihren Brückenköpfen aus betrieben die Franzosen die Kolonisierung von Martinique, Guadeloupe, St. Barthélemy, St. Martin, während die Engländer sich 1628 Nevis einverleibten und wenig später Antigua, Montserrat, Anguilla, Tortola. Eine erste Atempause in den nachfolgenden englisch-französischen Kriegen um die Vorherrschaft auf St. Kitts verschaffte 1713 der Vertrag von Utrecht, der den Briten die gesamte Insel zusprach.

Von Basseterre rund um die Insel

Sie handelten entschlossen und verlegten die Verwaltung von der Old Road Bay in das ehemals französische Basseterre, früheres französisches Territorium wurde anglikanischen Kirchengemeinden zugeordnet. Die Spuren der Franzosen in Basseterre waren schnell getilgt, georgianische Architektur und luftiger Kolonialstil hielten Einzug und prägen noch manche Straßenzüge dieser ganz ansehnlichen, lebhaften Kleinstadt mit ihren farbenprächtigen Märkten, den guten Restaurants und einem pompösen Anleger für die Kreuzfahrtschiffe, die das große Geld bringen und viele Neugierige in bunten, übergroßen Shorts. Das National Heritage Museum, untergebracht im historischen Zollgebäude (Treasury Building) am Hafen, gibt zuverlässig Auskunft über das Geschehen auf der Insel, seit Arawak- und Kariben-Indianer, Entdecker und erste europäische Siedler hier Fuß fassten. Romney Manor, etwas außerhalb von Basseterre an der Westküste, ein Tausend Morgen großes Gelände, gehörte einst Sam Jefferson. Tabak wurde angebaut, dann das profitablere Zuckerrohr. Werkzeuge und Arbeitsstätten aus jener Zeit sind zu besichtigen und im angeschlossenen Botanischen Garten lässt es sich im Schatten üppiger Tropenflora angenehm umherschlendern.

St. Kitts



Vom Rande des Gartens hat man einen phantastischen Blick auf das Juwel unter den vielen historischen Stätten der Insel, auf Brimstone Hill Fortress. Die restaurierte Festung thront 250 m über dem Meer am Hang eines Nebenvulkans des Mount Liamuiga. „Gibraltar Westindiens“ nannte man sie wegen ihrer Ausmaße und der strategischen Bedeutung. Seit den 1690er Jahren wurde ununterbrochen ein ganzes Jahrhundert an der Anlage gebaut, zunächst von englischen Ingenieuren und einem gewaltigen Aufgebot an Sklaven, nach dem Machtwechsel in gleicher Weise von französischer Seite. Seit 1999 zählt Brimstone Hill Fortress zum UNESCO-Weltkulturerbe als ein „außergewöhnliches und gut erhaltenes Beispiel der Militärarchitektur des 17. und 18. Jahrhunderts in einem karibischen Kontext…ein Beleg für die europäische koloniale Expansion und für den Handel mit afrikanischen Sklaven.“ Zu besichtigen sind u. a. das Munitionslager, die Krankenstation und die Räume der Artillerieoffiziere sowie das Museum im Fort George. Wer schon mal hier ist, aber wenig mit militärischer Kraftmeierei anzufangen weiß, sollte die herrlichen Ausblicke auf Nevis und Montserrat, Saba und Sint Eustatius in vollen Zügen genießen.

Weiter die Westküste hinauf, kreuzen die Gleise der Scenic Railway die Straße. Die einzige intakte Schmalspurbahn der Karibik verkehrt auf den alten Schienen, die früher von den Zuckerrohrzügen befahren wurden. Eine Tour auf dem 48-km-Rundkurs (die letzten 19 km im Sightseeing-Bus) an Bord komfortabler Aussichtswaggons wird zu einem unvergesslichen Erlebnis, wozu die kundige Reisebegleitung nach Kräften beiträgt. Viel Interessantes aus der Inselgeschichte wird zur Sprache gebracht, die Zuckerrohrkultur erklärt, Neugier auf die Regenwaldvegetation geweckt. Im Norden der Insel, am Ende einer Stichstraße, versteckt sich Rawlins Plantation Inn, ein Paradebeispiel für die gelungene Synthese von Alt und Neu, der mutigen Umnutzung historischer Gebäude einer Zuckerrohrplantage aus dem 17. Jahrhundert als stilvoller Hotelbetrieb, harmonisch eingepasst in die Tropennatur. Nirgendwo sonst in der Karibik wurde die Umwandlung ehemaliger Herrenhäuser und ihrer Nebengebäude in exquisite Landhotels so überzeugend ins Werk gesetzt wie auf St. Kitts und ganz besonders auf Nevis, worüber noch zu berichten ist.

Zuckerrohr war die Quelle des Reichtums der beiden Inseln. Hatte man anfangs noch Tabak angepflanzt bis der Virginiatabak das Geschäft vermieste, es dann mit Baumwolle und der Indigopflanze versucht, wurde der Einstieg in die Zuckerrohrwirtschaft um 1640 zum Beginn einer Erfolgsstory, die auf der Zwangsarbeit afrikanischer Sklaven basierte. Das brutale Plantagensystem geriet folgerichtig unter Druck, als die Sklaverei im alten Stil 1834/38 abgeschafft wurde. Eine alte Statistik verrät, dass allein auf dem Independence-Platz, dem früheren Sklavenmarkt in Basseterre, gegen Ende des 18. Jahrhunderts in einem Zeitraum von 15 Jahren 7.000 afrikanische Sklaven den Besitzer wechselten.

St. Kitts



Seit der Ausstieg aus der Zuckerwirtschaft 2005 verkündet wurde, gesellen sich immer mehr aufgegebene Gebäude zu den schon im Gelände dahindösenden Schornsteinen, Siedehäusern oder Windmühlen, den Überresten einstiger Zuckerrohrherrlichkeit.
Von den schwarzen Vulkanstränden an der Dieppe Bay zu den Black Rocks. Die eindrucksvollen schwarzen Felsformationen an der Nordostküste hinterließ ein pyroklastischer Lavastrom, der vor vielleicht 1.800 Jahren die Hänge des Mount Liamuiga (1.156 m) herunter gerast und auf dem flachen Küstensaum erstarrt war und sich nun den mächtigen heranrollenden Atlantikwellen entgegenstemmt. Der gerade „schlafende“ Mount Liamuiga zählt zu den Riesen unter den Vulkanen der Kleinen Antillen. Von seiner Basis mit 10 km Durchmesser streben perfekt konisch geformte Hänge in die Höhe und bilden einen offenen Gipfelkrater von 1 km Durchmesser. Vom Kraterrand bis auf 900 m hinunter bedeckt niedriger Nebelwald den Hang, darunter, bis in etwa 450 m Höhe, gedeiht dichter tropischer Regenwald, in dem sich farbenprächtige Vögel und Schmetterlinge tummeln und Horden von Grünen Meerkatzen herumstromern. Wer den Vulkan besteigen will, wird es schaffen, gute Kondition vorausgesetzt. Aber ohne einheimischen Führer geht nichts – und schon gar nicht sollte man ohne Guide die 130 m der Kraterinnenwand bis zum Kraterboden hinabklettern! 
        
Das nahe gelegene Ottley`s Plantation Inn steht für das Geschick der „Kittitians“, historisches Ambiente einer Zuckerrohrplantage mit einem anspruchsvollen Hotelbetrieb zu kombinieren, in diesem Fall angelegt auf einem Hügel, den die Atlantikbrise umweht, mit spektakulären Ausblicken und umgeben von weiten Rasenflächen und altem Baumbestand.

Je weiter die Küstenstraße in den Süden der Insel vordringt, umso heller werden die Sandstrände. Das geht los mit Hermitage Bay über Conaree Bay bis Half Moon Bay auf der Atlantikseite, wo es stürmischer zugeht als auf der karibischen. Dort sind South Frigate, South Friar`s und White House Bay die populärsten Strände. Und ganz am Ende der südöstlichen Halbinsel, mit Blick auf die Schwesterinsel Nevis, warten Turtle Beach, Cockleshell Bay und Banana Bay auf Strandbesucher.

 

Unterwegs auf Nevis

Nur 3 km jenseits der Meeresenge ist manches anders als auf St. Kitts. Man pflegt hier einen zurückhaltenden Lebensstil in friedvoller, ruhiger Atmosphäre bei kaum spürbaren Zugeständnissen an den internationalen Tourismus. Der Flughafen ist kleiner, die Zahl der Gäste geringer, die Landschaft erscheint grüner, die Luft  prickelnd und unvergleichlich rein und klar. Selbst der Hauptort Charlestown weist besucherfreundliche Dimensionen auf. Nach einem gemütlichen Stadtrundgang kann man von hier, dem „Nevis Heritage Trail“ folgend, die Umrundung der Insel in Angriff nehmen.

Charlestown wurde 1671 nach dem britischen König Charles II. benannt, der schon zu Lebzeiten als „The Merry Monarch“ die Öffentlichkeit amüsierte und manchen Zeitgenossen vermutlich auch empörte. Seine Zeugungskraft war es, die alle Gemüter bewegte. Zwar hinterließ er keinen legitimen Erben, zeugte aber mit seinen zahllosen offiziellen und noch mehr inoffiziellen Mätressen schätzungsweise 350 Kinder. Aus diesem soliden Fundament erwuchs eine stattliche Nachkommenschaft, zu der in unserer Zeit Lady Diana zählte (die übrigens im „Montpelier“ auf Nevis urlaubte) und eine andere Vertraute des ewigen Thronfolgers: Camilla Parker Bowles.
Charlestown hat viele Kolonialbauten vor dem Abriss bewahren können, massive zweistöckige Steinhäuser im georgianischen Stil und ihre Tropenvariante mit einem luftigen, leichten Obergeschoß aus Holz. In einem der alten Steinhäuser erblickte Alexander Hamilton 1757 das Licht der Welt. Seine Kindheit verbrachte er auf Nevis, mit 15 ging er nach Nordamerika, wo er später eine politische Karriere begann. Er wurde einer der Väter der amerikanischen Verfassung, diente als Finanzminister unter George Washington und war der Begründer der „Federalists“, aus denen die Republikanische Partei hervorging. Sein Geburtshaus beherbergt das besuchenswerte Museum of Nevis History.   
In den 50er und 60er Jahren des 17. Jahrhunderts wurde der damals winzige Ort Zufluchtsstätte für sephardische Juden aus Brasilien. Ihr Friedhof an der Government Road erinnert an das jüdische Intermezzo auf Nevis. 19 Grabsteine mit hebräischen, englischen und portugiesischen Inschriften aus der Zeit zwischen 1679 und 1730 blieben erhalten. Die Erfahrungen der jüdischen Flüchtlinge in der Kultivierung und Verarbeitung von Zuckerrohr gab der nevisischen Wirtschaft wichtige Impulse.

Und noch etwa Historisches:  Neben dem 1788 entstandenen Bath-Hotel, dem ersten Hotel in der Karibik, erinnert das Horatio Nelson Museum an den britischen Seehelden, der in den karibischen Gewässern eine militärische Mission zu erfüllen hatte, die nicht den Beifall der „Nevisians“ fand, sollte er doch den Warenaustausch zwischen den britischen Karibikkolonien und den abtrünnigen nordamerikanischen Provinzen unterbinden, an dem britische Autoritäten wie auch nevisische Kaufleute nicht schlecht verdienten. Sein riskantes Agieren ließ ihm sogar noch Zeit, der jungen Witwe Frances „Fanny“ Nisbet aus Nevis fünfzehn Monate den Hof zu machen. Im März 1787 war die Hochzeit. Als Brautvater fungierte Prince William Henry, Nelsons langjähriger Freund und Zechgenosse. 1830 übernahm er als King William IV. – man nannte ihn wegen seiner rüden Seemannsmanieren „Sailor-King“ – die britische Krone. Das Original der Heiratsurkunde kann in der nahe gelegenen Fig Tree Church bestaunt werden.
Hamilton Estate heißt die 1951 aufgegebene Zuckerrohrplantage eine kurze Strecke landeinwärts. Der einst von Alexander Hamiltons Vater im 18. Jahrhundert aufgebaute Betrieb ist eine der am besten erhaltenen Anlagen in der Karibik. Vom Siedehaus bis zur Windmühle und von der Zisterne bis zum Herrenhaus ist alles noch vorhanden und lohnt einen Besuch.

Wenn man von Charlestown aus die Insel entgegen dem Uhrzeigersinn umrundet, liegt Montpelier Plantation Inn am Weg, eines der reizvollen Landhotels mit Plantagenvergangenheit, von denen es auf Nevis gleich ein halbes Dutzend gibt. Ob Montpelier, Hermitage, Old Manor, Golden Rock oder Nisbet, gemeinsam ist ihnen die Verbindung von „old-world elegance“ mit modernem Komfort und eine auf 25 bis höchstens 75 Gäste beschränkte Kapazität, was viel Privatsphäre verspricht. Die Weitläufigkeit der Anlagen wirkt entspannend, die zurückhaltende „Rundum-Betreuung“ sympathisch. Einige der Häuser liegen rund 250 m hoch an den südlichen Hängen des Nevis Peak, „Nisbet“ ist das einzige „Plantation Inn“ am Meer, an einem von Palmen bestandenen schneeweißen Korallensandstrand, den ein vorgelagertes Korallenriff gegen Wellenschlag schützt.

New River und Coconut Walk Estates sind alte, verlassene Produktionsstätten, wo noch bis 1958 eine antiquierte Dampfmaschine Power für die Zuckerrohrverarbeitung lieferte. Die Ruinen der Cottle Church von 1824 erinnern an den damaligen nevisianischen Präsidenten John Cottle, der es gewagt hatte, ein anglikanisches Gotteshaus für seine Familie  u n d  für seine Sklaven zu bauen. Sie wurde nie geweiht, da gemeinsame Gottesdienste seiner Zeit nicht erlaubt waren. Wenn man sich nach der Rundtour von Norden wieder Charlestown nähert, grüßt von einem Hügel die 1643 errichtete St. Thomas Curch. Sie gilt als älteste anglikanische Kirche im karibischen Raum.

Und alles überragt der „schlafende“ Nevis Peak, dessen letzte Eruption wohl an die 100.000 Jahre zurück liegt. Doch mit dem Ausstoß heißer Gase (Fumarole) und heißer Quellen gibt er unmissverständlich zu verstehen, dass er sich noch nicht endgütig zur Ruhe gesetzt hat. Seine dicht bewachsenen Flanken sind ein beliebtes Wandergebiet. Wo sie richtig steil werden, sind Fauna und Flora noch intakt. Je nach Höhenlage durchqueren Hiker Trocken-, Regen- oder Nebelwald, begegnen dabei winzigen Orchideenarten und riesigen Baumfarnen, können unzählige Vogelarten beobachten und sich über die unvermeidlichen Grünen Meerkatzen ärgern. Der 985 m hohe Gipfelkrater ist meistens von Wolken verhüllt, wie auch am 11. November 1493, als Kolumbus die Insel auf den Namen „Nuestra Señora de las Nieves“ (Unsere Liebe Frau vom Schnee) taufte, weil ihn – so die gängige Erklärung – die weiße Wolkenkappe an die schneebedeckten Gipfel der Sierra Nevada im Hinterland Granadas erinnert habe. Andere setzen dagegen, die ungewöhnliche Namensgebung könne sich auf ein wundersames Ereignis beziehen, das sich im frühchristlichen Rom des 4. Jahrhunderts zugetragen haben soll. Damals rief ein Paar die Jungfrau Maria an, die ihm auch im Traum erschien. In der gleichen heißen Augustnacht fiel Schnee auf den Esquilin-Hügel, was das Paar als schwerwiegendes Zeichen deutete . . .

 

Eckart Fiene

Adressen, Links und Bücher



Reiseinfos

Naturraum: Gebirgsketten vulkanischen Ursprungs bestimmen das Landschaftsbild des ostkaribischen Inselstaats. Die momentan ruhenden Vulkankegel erheben sich bis in Höhen von 1.156 m, so der Mount Liamuiga in der North West Range, der 1692 letztmalig aktiv war und dabei einen 972 m tiefen Krater hinterließ. Die Central Range erreicht mit dem Verchild`s Mountain 976 m und Olivees Mountain ist mit 900 m der höchste Gipfel der South East Range. Eine nur drei Kilometer breite Wasserstrasse trennt den Südosten St. Kitts` von der kleineren Schwesterinsel Nevis, die von dem gleichnamigen Peak, einem erloschenen Schichtvulkan von 985 m Höhe, geprägt wird.
Tektonisch hochaktiv ist der ostkaribische Inselbogen, zu dem neben den stark erdbeben- und vulkangefährdeten Inseln Montserrat, Martinique und Guadeloupe auch St. Kitts und Nevis gehören. Die vulkanischen Ursprünge haben aber auch ihr Gutes, bescheren sie doch fruchtbare Böden, die eine Intensivlandwirtschaft ermöglichen und schwarze Vulkansandstrände entstehen lassen, die mit den weißen Korallensandstränden kontrastieren.
Das wechselfeucht-tropische Klima
wird durch den Nordostpassat angenehm gemildert. Bei sehr geringen jahreszeitlichen Schwankungen liegen die Höchsttemperaturen in Küstennähe im Mittel zwischen 27 und 30, hin und wieder steigen sie auch auf etwa 33 Grad. Die Luftfeuchtigkeit erreicht dank der stetigen Passatbrise erträgliche 75 bis 80 %. St. Kitts und Nevis verzeichnen geringere Niederschlagsmengen als die anderen Inseln der Karibik. An der Atlantikküste fallen 1.200 – 1.500 mm, in den Gipfellagen der Gebirgsketten bis 3.800 mm, im Windschatten an der Karibikküste nur etwa 750 mm. Verlässlich ist die Regenperiode im August/September, ebenso die Trockenperiode von Januar bis April. Hurrikans sind relativ selten und wenn sie auftreten, dann zumeist zwischen August und Oktober.   
  
Ursprünglich bedeckte eine dichte Vegetation die Inseln. In den flachen Landstrichen war es regengrüner Trockenwald, auf den Hängen gedieh immergrüner Regenwald und in den gebirgigen Zonen, in Höhen über 900 m, wuchs montaner Nebelwald. Besonders die Ebenen wurden großflächig für den Anbau von Kulturpflanzen gerodet (Zuckerrohr, Tabak, Baumwolle). Der Kahlschlag ist seit Jahren gestoppt, Schutzmaßnahmen sorgen für die Ausbreitung der Baumbestände, auch der Dorn- und Sukkulenten-Vegetationsformen und der Mangrovengehölze an der Ostküste.
An den regenwaldbedeckten Hängen des Mount Liamuiga wachsen zahlreiche Orchideenarten. Man stößt auf meterhohe Baumfarne und andernorts auf Bambusfelder, Mango- und Papayapflanzungen, wilde Kaffeebüsche, Baumwolle, auf den Brotfruchtbaum, der wegen seiner stärkehaltigen Frucht als billiger Nahrungsquelle für die Sklaven einst ins Land geholt wurde. Üppig gedeihen die grünen Chayote-Früchte aus der Familie der Kürbisgewächse und die wilden Süßkartoffeln, Aloe, Zitronengras und Ingwer. Doch alle übertrifft der feurig-rot blühende Flammenbaum, die Royal Poinciana, die den Namen des ersten französischen Gouverneurs trägt. Philippe de Poincy führte die Nationalpflanze der Föderation aus Madagaskar ein und er war es auch, der eine afrikanische Affenart, die Grüne Meerkatze, auf den Inseln heimisch machte. Aus den Haustieren der frühen Siedler wurde im Laufe der Zeit eine unübersehbare Horde vagabundierender Zeitgenossen, die, so will es eine Story, sich schon mal in den Beach Bars zum Sundowner einfinden. Noch ein anderes Tier wurde im späten 19. Jahrhundert von Jamaika nach St. Kitts und Nevis verpflanzt, um auf den Zuckerrohrfeldern die Schlangen zu bekämpfen und das mit Erfolg: Die Mangusten, auch Mungos genannt, rotteten die Schlangen aus, verschmähten aber die Tausendfüßler, die unter ahnungslosen Besuchern für Schrecksekunden sorgen, wenn sie sich, gut einen Fuß lang, durchs Gelände schlängeln. Nationalvogel ist der Braunpelikan, nicht weniger beeindruckend: der häufig zu beobachtende Prachtfregattvogel mit einer Flügelspannweite von mehr als zwei Metern. Auch Fledermäuse sind zahlreich und riesige Falter und giftgrüne Baumfrösche kündigen mit ihrem Quaken Regenschauer an. Eine Unmenge Lebewesen tummeln sich in den Küstengewässern des Archipels, darunter Rochen und Barrakudas und als Besonderheit die seltenen Schwarzen Korallen.

Geld/Währung: Offizielle Währung ist der East Caribbean Dollar, seit 1976 zum Kurs von 1 USD = 2,70 ECD an den US-Dollar gebunden, der überall auf den Inseln als Zweitwährung akzeptiert wird. Gängige Währungen können in Banken und auch in Hotels getauscht werden. Die Zahlung mit Kreditkarten (AE, MC, Visa) ist allgemein üblich.

Einreisebestimmungen: Für die Einreise ist ein Reisepass notwendig, der bei Ankunft noch mindestens ein Jahr gültig sein muss. Kinderausweise werden anerkannt, sofern sie mit Lichtbild versehen sind.

Medizinische Hinweise: Als „unzureichend“ wird die medizinische Versorgung beschrieben. Auch bei Kurzreisen ist ein Impfschutz gegen Hepatitis A, Tetanus und Diphtherie empfehlenswert, bei längeren Reisen auch gegen Hepatitis B und Typhus. Malaria tritt nicht auf, wohl aber die durch Mücken übertragene Dengue-Virus-Infektion. Für Mückenschutz sollte deshalb unbedingt gesorgt werden. Es ist ratsam, vor Reiseantritt eine Auslandsreise-Krankenversicherung abzuschließen, die einen Rücktransport im Notfall einschließt.

  

Statistik

Lage: Die Föderation von St. Kitts und Nevis liegt im Norden des ostkaribischen Inselbogens der Kleinen Antillen, der das Karibische Meer vom Atlantischen Ozean trennt. Die niederländisch verwalteten Inseln Saba und Sint Eustatius sowie die zwischen Frankreich und den Niederlanden geteilte Insel Saint-Martin/Sint Maarten und das französische Überseegebiet St. Barthélemy sind die nördlichen Nachbarn, östlich und südöstlich liegen Redonda, Barbuda und Antigua der Inselrepublik Antigua und Barbuda sowie das englische Überseegebiet Montserrat.

Fläche: 269,4 km², davon entfallen 176,1 km² auf St. Kitts und 93,3 km ² auf Nevis. Zwei europäische Inseln zum Vergleich: Das ostägäische Ikaría umfasst 255 km², das kroatische Korčula 279 km².

Staat: Laut Verfassung ist die Föderation eine parlamentarische Demokratie im Commonwealth mit der britischen Königin als Staatsoberhaupt, vertreten durch einen Generalgouverneur. Das Einkammerparlament (National Assembly) besteht aus dem Generalgouverneur und elf Abgeordneten. Acht der Representatives kommen aus St. Kitts, drei aus Nevis. Außerdem gehören drei Senatoren, auf Vorschlag des Premierministers und des Oppositionsführers vom Generalgouverneur ernannt, zum Parlament.
Auf Nevis gibt es starke Sezessionsbestrebungen. Eine eigene Regionalregierung (Nevis Island Administration) trägt dem Rechnung und besteht auf erweiterten Autonomierechten. Die in der Verfassung anheim gestellte Auflösung der Föderation per Referendum mit Zweidrittelmehrheit wäre 1998 beinahe Wirklichkeit geworden, als die Befürworter einer Trennung von St. Kitts mit 61,8 % der Stimmen nur knapp scheiterten. Regionale Bündnisse wie die OECS (Organisation of Eastern Caribbean States) und die einflussreiche CARICOM (Caribbean Community and Common Market) haben sich in letzter Zeit wiederholt gegen Sezessionsforderungen ausgesprochen.

Hauptstadt: Basseterre. Angaben über die Einwohnerzahl schwanken zwischen gut 13.000 und knapp 20.000

Bevölkerung: Von 1960 bis 1991 verringerte sich die Einwohnerzahl von 51.000 auf
etwas über 40.000. Der Census vom 14. Mai 2001 bestätigte nicht den gefürchteten
weiteren Rückgang, sondern überraschte mit einem Anstieg auf 46.111 Einwohner.
Noch im Herbst 2004 wurde diese Zahl von Regierungsseite als vorläufig bezeichnet,
im Juli 2005 sprach sie von geschätzten 38.958 Einwohnern.
Schätzungen verschiedener Quellen für 2007 spiegeln die Unsicherheit wider: Sie
bewegen sich zwischen 39.129 und 49.500. Das deutsche Auswärtige Amt notierte
im Oktober 2008 46.710 Einwohner.
Die Föderation weist eine ethnisch relativ homogene Bevölkerung auf. 86 % sind Nachfahren (west)afrikanischer Sklaven, 11 % gelten als Mulatten (Mischlinge aus Schwarzen und Weißen), ca. 2 % sind europäischer, zumeist britischer Herkunft, mit etwa 1 % bilden die Nachkommen muslimischer und hinduistischer Inder, die nach Aufhebung der Sklaverei in den 1830er Jahren als Plantagenarbeiter angeworben wurden, die kleinste Minderheit.
Nicht weniger als 38 Religionsgemeinschaften sind auf den beiden Inseln vertreten, angeführt von der anglikanischen Kirche (34 %) und der zu den protestantischen Freikirchen zählenden Methodistengemeinde (31 %), gefolgt von den Anhängern der Herrnhuter Brüdergemein(d)e mit 9 % und acht Prozent Katholiken.

Amtssprache ist Englisch. Im Alltag wird jedoch ein Kreolenglisch gesprochen, auf St. Kitts das Kittitian Creole English, auf Nevis das Nevisian Creole English.

Verkehr/Transport: In der Föderation wird links gefahren! Küstenstraßen umrunden beide Inseln. Das Straßennetz ist gut ausgebaut, aber nicht alle Verbindungen sind asphaltiert. Seit 2003 verkehrt auf einer 29 km langen Schmalspurstrecke im Nordosten St. Kitts` ein Touristenzug. Die angeschlossene Sightseeing-Bus-Strecke macht die Tour zu einem 48 km langen Rundkurs.
Schnellfähren und weniger schnelle Gefährte überqueren im Stundentakt die Meerenge („The Narrows“) zwischen den beiden Inseln. Ausgangspunkt auf St. Kitts ist Major`s Bay an der südöstlichen Halbinsel, Ankunft auf Nevis in der Cades Bay. Fahrzeit etwa 20 Minuten. 45 – 60 Minuten dauert die Reise zwischen den beiden Inselhauptstädten Basseterre (St. Kitts) und Charlestown (Nevis).
Einige amerikanische Fluglinien fliegen den „Robert Llewellyn Bradshaw Airport“ auf St. Kitts direkt an, seit Januar 2009 ein Mal wöchentlich auch British Airways von London-Gatwick. Die meisten Airlines aus Nordamerika und Europa steuern jedoch einen „hub“ an (San Juan/Puerto Rico, Antigua, Trinidad, Sint Maarten, St. Croix und St. Thomas/US Virgin Islands). Von dort geht es weiter mit kleineren Maschinen regionaler Fluggesellschaften wie LIAT (Leeward Islands Air Transport), Winair, Carib Aviation, Caribbean Star, Caribean Sun Airlines, die auch den „Vance Winkworth Amory Airport“ auf Nevis mit seinem 1.218 m-Runway bedienen können. Zahllose Kreuzfahrtschiffe machen am großzügig ausgebauten Anleger in Basseterres Tiefwasserhafen fest. Selbst die „Queen Mary 2“ war hier schon zu Gast.

Wirtschaft: 2005 beschloss die Regierung, die unrentabel gewordene Zuckerproduktion langsam auslaufen zu lassen. Die heute noch existierenden Pflanzungen gehören dem Staat, eine staatseigene Fabrik verarbeitet die Ernten. Als Alternativen fördert man den Aufbau einer Leichtindustrie (Herstellung von  Elektronikbauteilen) und die Kultivierung von Obst und Gemüse, Erdnüssen, Kartoffeln, Maniok, Kokospalmen für den Eigenbedarf, auch für die Versorgung der Touristen und für den Export. Offshore-Finanzdienstleistungen (vor allem auf Nevis) und der Tourismus sind weitere Förderungsschwerpunkte. Elektrische Geräte und Bauteile sind inzwischen die wichtigsten Exportgüter, mit weitem Abstand gefolgt von Rohzucker und anderen Nahrungsmitteln. Bedeutender Devisenbringer ist der Tourismus, der ganz auf den nordamerikanischen und britischen Markt ausgerichtet ist. 350.000 bis 380.000 Besucher – 58 % von ihnen sind US-Amerikaner – reisen jährlich in die Föderation, davon zwei Drittel Kreuzfahrtpassagiere, die nur einige Stunden im Land bleiben. Flugreisende, also Übernachtungsgäste, stellen die zweitgrößte Besuchergruppe. Neben traditionellen Attraktionen (Strände, Gebirge, historische Stätten) sollen moderne Angebote wie Luxusresorts und Golfplätze St. Kitts und Nevis dem erklärten Ziel näher bringen, an die Spitze des high-end luxury segment des karibischen Tourismusmarktes zu rücken.