SPANIEN
Durch Avenidas aus Eichenfässern

Das Aroma von Sherry und Brandy in Jerez de la Frontera
Text: Volker Mehnert
Fotos : Volker Mehnert und Dirk Renckhoff
Kein Heiliger, kein Bischof steht auf dem Platz neben der Kathedrale von Jerez de la Frontera. Stattdessen die Statue von Manuel González, dem Begründer einer der ältesten Sherry-Dynastien Andalusiens. Der Mann des Weines ist in dieser Stadt ganz offensichtlich wichtiger als jeder Geistliche. Ein Sakrileg? Nicht hier, denn Jerez lebt seit Jahrhunderten vom Sherry, und das respektiert auch die Katholische Kirche.
![]() Gonzalez-Statue vor der Kathedrale (Foto: Renckhoff) |
![]() Sherry-Reklame in Jerez (Foto: Renckhoff) |
Hinter einer abgewetzten Holztheke steht der Wirt mit seiner grünen Schürze und zapft aus sechs Fässern verschiedene Sherry-Sorten: einfachen Fino, frischen Manzanilla, einen würzigen Oloroso, den gehaltvollen Amontillado, süßen Cream und sogar Pedro Ximenez, eine Rarität, die man kaum noch irgendwo findet. Der Sherry in der Bar „El Pasaje“ kommt selbstverständlich direkt aus der Bodega, er könnte besser nicht sein. Die Rechnung wird mit Kreide auf dem Tresen notiert, vor dem sich die Gäste drängeln, denn Tische gibt es nicht. Das Publikum ist überwiegend männlich, an der Wand hängt ein Bildnis der Jungfrau Maria neben dem vergilbten Foto eines barbusigen Hollywoodstars. Ein Zeitsprung in ein entrücktes Andalusien. Ein spanisches Andalusien.
Tradition und Brandy

Szenenwechsel in den vornehmen Salon einer Bodega: Die Teppiche mögen schon etwas abgewetzt sein, die schweren Holzmöbel etwas altmodisch, doch die hier versammelten Herren verkörpern selbstverständlich andalusische Tradition par excellence (Foto oben: in der Bodega Sandeman [Foto: Renckhoff]). Fast familiär ist der Ton, wenn sich die Herrschaften der Bodegas Osborne und Sanchez Romate, Domecq, Sandeman, Fernando de Castilla, Williams & Humbert und González Byass zur Verkostung ihrer Brandys treffen. Man lobt das eigene Produkt und erkennt die Tropfen der Konkurrenz an. Schließlich hat jeder seinen eigenen Stil, baut den Weinbrand in gebrauchten Fässern der unterschiedlichsten Sherry-Sorten aus. Und das gibt jedem Brandy seine unverwechselbare Note.
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