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Auf der Suche nach der inneren Ruhe

Stilvolles Übernachten in den Klöstern Mallorcas

Text und Fotos: Dominik Ruisinger

Es ist längst kein Geheimnis mehr: Mallorca ist nicht bloß Palma, Strand und „Ballermann“. Immer wieder reden Eingeweihte und Liebhaber vom anderen, traditionellen Gesicht der Insel. Aber haben Sie schon einmal von den sieben Klöstern gehört, in denen sich preiswert und in wundervoller Stille übernachten lässt?

Spanien / Mallorca / Sant Salvador

Das weithin sichtbare Kloster Sant Salvador

Es ist kurz nach Sonnenaufgang. Von der Dachterrasse des Klosters Bonany bietet sich ein weiter Blick auf das in Nebelschleier getauchte Tal. Nur die Gebirgsspitzen der Sierra de Tramuntana im Westen und der Sierra de Llevant im Osten stechen aus dem morgendlich weißen Kleid hervor. Zwischen aufgereihten Zypressen und raschelnden Zwergpalmen schleicht eine schwarze Katze die Treppen zur kleinen Kapelle empor, so vorsichtig, als wolle sie die Stille nicht stören. Erst allmählich lassen die Sonnenstrahlen die weite Landschaft sichtbar werden - mit den Ferienorten Alcúdia und Pollença am nördlichen Horizont und dem kleinen Städtchen Petra zu Füßen.

In Sonnenuntergängen baden

Bonany gilt vielen als schönste Wallfahrtskirche Mallorcas. Pilger zieht es jedes Jahr zum Berg des 'Guten Jahres', um der Madonna zu danken, die im Jahre 1600 bei einer Dürre das Flehen der Bürger erhöhte und Regen schickte.

Spanien / Mallorca / Bonany

Wallfahrtskirche des Klosters Bonany

Auch Ausflügler kommen, allein des Ausblicks wegen, um an Steintischen im Schatten der Aleppokiefern zu picknicken - oder gleich zu übernachten. Denn Bonany gehört zu den sieben Klöstern Mallorcas, die Besuchern schlichte, aber schöne Unterkünfte anbieten.

Auch wenn pro Jahr rund zehn Millionen Touristen Mallorca besuchen, greift nur eine winzige Minderheit auf die rund 170 Klosterzimmer zurück. Dabei sind diese Refugien der Stille eine preiswerte Alternative zu den 350.000 Betten in Bettenburgen, Apartments und auf Fincas. Hier schließt man sich noch heute dem enthusiastischen Urteil des Malers und Schriftstellers Santiago Rusiñol an, der 1922 schrieb: "Diese Insel ist eine Zuflucht, wo du dein volles Maß an Muße haben, dich im Licht duschen und in den Sonnenuntergängen baden kannst."

Die ehemaligen Mönchszellen in Bonany sind wie in fast allen Klöstern karg ausgestattet: Holztisch, Stuhl, Bett, auf dem Flur Bad und Toilette, ein Stockwerk tiefer die Gemeinschaftsküche. Ansonsten weder Heizung noch Bar noch Restaurant. Stattdessen Ruhe und Einsamkeit, die selbst auf gestresste Manager beruhigend wirken muss. Schon die französische Schriftstellerin George Sand schrieb 1842, dass auf Mallorca die Stille tiefer sei als anderswo: "Unterbrochen wird sie nur zuweilen, wenn Esel und Maultier ihre Glocken schütteln".

Von Mönchen geführt

Spanien / Mallorca / Ermita de Nostra Senyora de Cura

Ermita de Nostra Senyora de Cura

Von Bonany aus geht die Fahrt durch Es Pla, die zentrale Ebene Mallorcas. Hier, mitten im Zentrum der Windmühlen im Ostteil der Insel, ragt der mächtige Randa aus der Ebene. Hoch oben auf dem flachen Rücken des Tafelberges thront weithin sichtbar die Ermita de Nostra Senyora de Cura.

Als wir das 1275 gegründete Franziskanerkloster erreichen, empfängt uns ein aufgeplusterter, krähender Hahn und gurrende Tauben. Auch zahlreiche Besucher haben den Weg hierher gefunden. "Gerade am Wochenende verbringen Gruppen eine Nacht, um von hier aus ihre Tagestouren zu starten", erklärt uns Tomeo. Der Franziskanermönch gehört zu den drei Ordensbrüdern, die die Geschicke der Anlage heute leiten. Mitten auf dem Klosterhof fällt uns eine Statue ins Auge. "Ramon Llull, ein selig gesprochener Philosoph", klärt Tomeo auf. "Er hat diesen Ort im dreizehnten Jahrhundert zum Zentrum des mittelalterlichen Geisteslebens gemacht."

Schweigen im Klosterhof

Durch die fruchtbarste Inselgegend führt die Weiterfahrt vorbei an Mandel-, Johannisbrot- und Orangenbäumen, die auf dem weinroten Lehmboden wachsen. In der Sonne glitzert das Silbergrau der Olivenbaumblätter. Wenige Kilometer vor Porreres taucht auf der rechten Seite der Berg Zions auf, auf dem das ehemalige Jesuitenkloster Santuari de Monti Sion thront.

Spanien / Mallorca / Santuari de Monti Sion

Weiter Blick vom Jesuitenkloster Santuari de Monti Sion

Geräuschvoll schöpft ein älterer Mann frisches Wasser aus dem alten Ziehbrunnen, als wir durch das Tor den überdachten Kreuzgang betreten. Ansonsten ist im Klosterhof nur Schweigen zu vernehmen. Beim Blick über die weite Ebene fallen uns Weinbau-Parzellen an auf; aus dieser Region kommt der Löwenanteil des mallorquinischen Weißweines. In der Ferne begrüßt uns schon der nächste heilige Klosterberg: Sant Salvador.

Hochzeiten in der Kapelle

Es war ein guter Tipp, Sant Salvador nicht sonntags aufzusuchen, wenn Busladungen an Touristen in das Kloster einfallen. Bei seiner Lage kein Wunder. Nicht nur des weitschweifenden Blickes Kloster wegen. Auch die östliche Strandküste mit den Ferienorten Cala d’Or, Portopetro und Portocolom ist nur einen kurzen Ausflug entfernt. Große Beliebtheit genießt Sant Salvador bei Heiratswilligen. "Fast jeden Monat finden in der Kapelle Hochzeiten statt", weiß die Verwalterin Jacinta zu berichten, als sie uns in das Gewölbe hinabführt.

Spanien / Mallorca / Sant Salvador

Blick vom Kloster Sant Salvador

Knarrend öffnen sich die Türen zu den geräumigen Zellen. Ein paar Meter den langen Gang entlang finden wir das Bad. "Natürlich haben wir heißes Wasser", erklärt Jacinta, deren Augen bei jedem Lächeln zu blitzen scheinen. Als wir die Dusche aufdrehen, kommt warmes Wasser als Rinnsal. Auch dies gehört zum Alltagsleben im Kloster. Im einfachen Gasthof wird deftiges Essen serviert: Lammhaxe und Spanferkel, das typisch mallorquinische Vesperbrot Pa amb Oli und ein kühler Weißwein. Jetzt am Abend sind wir fast die einzigen Gäste. Nur wenige scheinen von dieser Unterkunft hoch oben zu wissen.

Auf dem Burgberg von Alaró

Spanien / Mallorca /Burgberg von Alaró

Auf dem Burgberg von Alaró

Vom lieblichen Südosten aus nähern wir uns dem archaischen Nordwesten. Schon aus der Ferne zeichnen sich die hohen Gipfel des mallorquinischen Hochgebirges, die Sierra de Tramuntana, am Horizont ab. Bei Alaró schlängelt sich eine schmale Schotterstraße den Burgberg hinauf. Keine zwei Wagen passen aneinander vorbei. Der Rest der steilen Auffahrt ist über Treppen und Steine nur noch per Fuß zu bewältigen.

Beim Blick nach oben hängen mächtige Mauern direkt über den Felsen. Viel mehr ist vom ehemaligen Castell d'Alaró nicht übriggeblieben, das früher als uneinnehmbar galt. Zu Füßen des Hochplateaus scheint sich die Insel bis zum Horizont auszubreiten. Nur der erfrischende Wind durchbricht die völlige Stille, als wir unter den Schatten spendenden Bäumen Kaninchenbraten und Paëlla genießen.

Spanien / Mallorca / Alaró

Dinieren mit Aussicht im Schatten der Bäume auf dem Berg Alaró

Zu Gast bei der Schwarzen Madonna

Abgeschieden inmitten eines weit geöffneten Tales der nördlichen Tramuntana liegt das Monastir de Lluc. Das bedeutendste Kloster der Insel ist ein wichtiges Touristenziel. Auch zahlreiche Wallfahrer pilgern dorthin, um die Schwarze Madonna zu verehren, die einst ein Hirtenjunge namens Lluc entdeckte. Im angegliederten Konservatorium wohnen rund sechzig Jungen im Alter von neun bis vierzehn Jahren, die wie im 16. Jahrhundert eine traditionelle Gesangsausbildung genießen.

Spanien / Mallorca / Monastir de Lluc

Monastir de Lluc

Francisco ist der Ansprechpartner für Neuankömmlinge. Der grauhaarige Endfünfziger liebt seine Insel: "Wo ist man denn sonst in einer Stunde vom Flughafen an einem Ort, wo man im Meer baden, am Strand liegen oder durch die Berge und Schluchten wandern kann?" Auf eine lange Tradition blickt Lluc als Pilgerherberge zurück. Dabei bietet die Unterbringung durchaus Hotelkomfort. Ausgebucht sind die Pilgerzellen jedoch laut Francisco nur zwischen Oktober und März. In diesen Monaten wohnen viele Wandergruppen hier. Wenn man von den geräumigen Zimmern auf das Gebirgspanorama blickt, kann man dies gut verstehen.

Wenn dich die Unruhe nicht mehr leben lässt ...

Quer durch die aufregende Bergszenerie schlängelt sich eine der schönsten Gebirgstouren bis nach Pollença. Mächtig thront der Puig de Maria über dem kleinen Ort, der trotz Alternativtourismus seinen sehr mallorquinischen Charakter bewahrt hat. An Olivenbäumen und Kakteengärten vorbei zieht sich die steinige Buckelpiste im Zick-Zackkurs hinauf. Ein Duft aus Kamille, Rosmarin und Lavendel liegt in der Luft. Auf der Spitze entschädigt das Panorama des Nordens für den Anstieg. Zu Füßen der burgartigen Einsiedelei liegt die Doppelbucht von Pollença und Alcúdia. In der Ferne ist das Cap de Formentor klar zu erkennen, von wo aus eine salzige Brise auf den Berg hinauftreibt.

Zurück im Kloster Lluc. Die Uhr der barocken Basilika schlägt sechs. Die letzten Touristenbusse haben den Ort bereits verlassen. Das Monasterium gehört wieder seinen Bewohnern. Bis um Punkt elf die schweren Tore schließen, wird jetzt "nur noch das Blöken der Schafe, das Meckern der wilden Ziegen und das Zirpen der Grillen zu vernehmen sein", erklärt Francisco lächelnd zum Abschied. Dann wird die Einladung von Santiago Rusiñol aus seinem zauberhaften Buch 'Die Insel der Stille' wahr: "Wenn dich die Unruhe nicht mehr leben lässt, dann folge mir auf eine Insel, wo immer Ruhe herrscht".

 

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