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Auf den Spuren von Agatha Christie

Frisch gestärkt mit einem kleinen Imbiss steigen wir wieder auf unsere Fahrräder und verlassen Alcúdia Richtung Port de Pollença. Die Straße führt an der Bucht von Pollença unmittelbar am Wasser entlang. Auch hier überholen uns wieder etliche kleine Grüppchen von Radsportlern in voller Ausrüstung. Die asphaltierten und großzügig bemessenen Radwege am Straßenrand stellen in Verbindung mit den milden Frühlingstemperaturen und der hügeligen bis bergigen Landschaft offenbar ein wahres Dorado für ambitionierte Radler dar, um sich nach dem Winter wieder in Form zu bringen. Zumindest haben mehrere deutsche Reiseveranstalter spezielle Bike-Holidays auf Mallorca im Programm.

Mallorca - Radfahrer

Allgegenwärtig im Frühjahr: Radfahrer mit Trikot und Helm

Als wir in Port de Pollença ankommen, sind die Radler schon über die steil ansteigende Straße in den bis zu 353 Meter aufragenden Bergen verschwunden. Ob sie auf der gut ausgebauten Straße bis zur Spitze der gebirgigen Landzunge kommen werden, nach Cap de Formentor, der nördlichsten Spitze Mallorcas, werden wir wohl nie erfahren. Ebenso wenig, ob sie ein Auge für die atemberaubende Aussicht über tiefe Schluchten und Gischt umspülte Felsinseln und- brocken im weiten Blau des Mittelmeeres haben. Eine rasante Abfahrt erwartet sie bei der Rückkehr aber allemal, jedenfalls spricht der Gesichtsausdruck zurückkehrender Radler nach diesem 'Kick' Bände.

Wir sind auch zufrieden, denn Port de Pollença ist ein hübscher kleiner Hafenort, mit einer Bucht vor der Tür, die sich angesichts günstiger Windverhältnisse bei Seglern und Surfern großer Beliebtheit erfreut. Die Verantwortlichen von Port de Pollença haben es bislang erfolgreich geschafft, den Verlockungen des Massentourismus wohltuende Grenzen zu setzen. So fallen die Hotels an der Promenade und auch in zweiter Reihe einige Stockwerke niedriger aus als vielerorts in der Nachbarschaft und auch sonst hat der Ort ein eher heimeliges Flair. Vielleicht ist das auf den englischen Einfluss zurück zu führen. Die Engländer hätten seit den 1930er Jahren eine Vorliebe für dieses kleine Hafenstädtchen, hatten wir gelesen. Und, in der Tat, wir hören häufig Englisch auf der Flaniermeile gleich hinter dem Badestrand und dem Hafen.

Mallorca - Strandpromende von Port de Pollenca

Strandpromenade von Port de Pollença

Nur Agatha Christie ist nicht mehr hier, natürlich. Neben anderen prominenten Persönlichkeiten wie Winston Churchill, Aristoteles Onassis und dem katalanischen Künstler Anglada Camarasa, der hier lebte und starb, fand auch die weltberühmte Krimiautorin den Weg in das kleine Fischerdorf. Die Wochen, die sie im Jahre 1929 hier verlebte, müssen sie inspiriert haben, immerhin wurde der Ort zum Schauplatz ihrer Geschichte "Problem at Pollensa Bay".

365 Stufen für ein Panorama

Einige Kilometer landeinwärts hätten wir fast die unscheinbare Einfahrt verpasst. Der Ort Pollença, zu Füßen der Serra de Tramuntana, empfängt uns mit fast provinzieller Ruhe und Gelassenheit in seinem verschlungenen Gewirr enger Gassen. Das Leben läuft hier, am Rande der ausgetretenen Pfade der Touristenmassen, doch ein paar Takte langsamer, zumindest scheint es so.

Römische Brücke über den trockenen Torrent de Sant Jordi

Dagegen läuft im Torrent de Sant Jordi, dem kleinen Fluss am Ortsrand, nicht mal ein Rinnsal. Wir waren den Wegweisern gefolgt und an der Pont Romà gelandet, der alten römischen Brücke, die den Torrent de Sant Jordi überspannt. Als die Vandalen 425 n.Chr. die römische Siedlung Pollentia vor den Toren des heutigen Alcúdia einnahmen und schleiften, flohen die Einwohner hierher und gründeten Pollença. Ob sie das weitere Schicksal ihrer alten Heimat von hier aus, im wahrsten Sinne des Wortes, im Blick behielten, gehört ins Reich der Spekulation. Schweißtreibend ist die Möglichkeit dazu, wie sie sich heute bietet, allemal. Der Name ‘Calvari’ ist hier absolut richtungsweisend. In steilen Serpentinen geht es auf Asphalt den Hang hinauf; so steil hinauf, dass wir absteigen und schieben müssen. Den Lohn dafür ‘entrichtet’ der Kalvarienberg in Form eines grandiosen Ausblicks über Pollença bis über die Buchten von Pollença und Alcúdia - und eben auf Alcúdia oder damals Pollentia. Aber wie schon gesagt, ob die Römer den Vandalen aus sicherer Entfernung bei dem nach ihnen benannten Vandalismus zuschauten, bleibt spekulativ.

Mallorca - Pollenca - Ausblick

Panoramablick vom Kalvarienberg

Ein kleines Wegstück hinter dem Aussichtspunkt liegt eine Anfang des 19. Jahrhunderts gebaute neogotische Kapelle. Als wir davor stehen, geht uns auf, dass wir das Pferd eigentlich von der falschen Seite aufgezäumt haben. Denn der sakrale Bau, der eine von Geschichten umrankte mehr als fünfhundert Jahre alte Jesusfigur beherbergt, ist Zielpunkt des Kreuzweges, einer von Zypressen gesäumten breiten Treppe mit 365 Stufen, die neben dem Rathaus von Pollença ihren Anfang hat. Wir treten dennoch den Rückweg über die Straße an. Auf einem anderen Weg geht’s durch die schmalen Gassen mit ihren zahlreichen Bruchsteinhäusern bergab über die autofreie mit Straßencafés und Restaurants belebte Plaça Major und vorbei an der von den Tempelrittern im 13. Jahrhundert begonnenen geschichtsträchtigen Kirche Nostra Senyora dels Angels heraus aus Pollença.

Mallorca - Pollenca - Treppe

365 Stufen - im Hintergrund der Puig de Maria

Blühende Gärten dank der Mauren

Im Schatten des 320 Meter hohen Puig de Maria schlängelt sich die Nebenstraße Richtung Küste durch das Tal. Niedrige Feldsteinmauern säumen über weite Strecken den Wegesrand. Zitronen- und Orangenbäumchen (typisch für Zitrusgewächse gleichzeitig mit ausgewachsenen Früchten und neuen zarten Blüten an den Ästen) wachsen neben Gemüsebeeten in den Gärten zu beiden Seiten. Weinreben stehen kultiviert in Reih’ und Glied, knorrige alte Olivenbäume trotzen der Zeit - und immer wieder Mandelbäume. 7.000 Tonnen bester Qualität sind es übrigens, die bei der jährlichen Mandelernte einbebracht werden: ein bedeutender Wirtschaftsfaktor.

Mallorca - Zitronen am Strauch

Dass auch dieses Tal so fruchtbar ist, dazu haben maßgeblich die Mauren mit ihren Bewässerungstechniken beigetragen, bevor sie im Jahre 1229 von der Baleareninsel vertrieben wurden. Bei diesem Anblick vielleicht eine Art Vertreibung aus dem Paradies. Und ein wenig so fühlen wir uns auch, denn unsere Tage auf Mallorca sind gezählt.

Mallorca - unreife Mandeln

Unreife Mandeln im Frühjahr

 

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