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Zitronenbrause direkt vom Baum

Bei einem Agrotourismus-Urlaub auf Mallorca erleben Kinder das ländliche Mallorca

Text und Fotos: Adrienne Friedlaender

„Ecoagroturismo Can Feliu“ steht auf dem gelben Schild, das mitten ins Nichts zu leiten scheint. Unter Palmen und Olivenbäumen führt der holprige Feldweg durch grüne Weinfelder, bevor er nach ungefähr 500 Metern vor dem Landgut wie aus einem Mallorca-Bildband endet. Ein riesiger Strauß glotzt über die Steinmauer und inspiziert neugierig die zwei-beinigen Gäste, eine Gruppe Zwerghühner flüchtet gackernd in die Büsche. Wir sind angekommen!

Mallorca - Can Feliu

Das Landgut Can Feliu

30 Kilometer östlich von Palma entfernt, nahe dem kleinen Städtchen Porreres (1) liegt die bewirtschaftete Farm im Landesinneren der Balearen-Insel und das beinahe unaussprechliche Wort „Ecoagroturismo“ bedeutet ganz einfach: Ferien auf dem ökologischen Bauernhof. Mehr als 100 Fincas, wie die schon Jahrhunderte alten Häuser im Sprachgebrauch genannt werden, haben auf Mallorca ihre Tore für Gäste geöffnet. Tragen die Höfe dazu die Bezeichnung Agrotourismus, so bedeutet es, dass die Fincas noch bewirtschaftet werden, was uns, vor allem der Kinder wegen, besonders wichtig war.

Mallorca - Landgut Can Feliu

Mandel- und Johannisbrotbäume, Aprikosen, Apfel, Birnen und Pflaumenbäume wachsen rund um das traditionelle Landgut aus dem 17. Jahrhundert und auf dem Gemüsefeld vor dem Haus wachsen Tomaten, Salat, Zucchini und Auberginen. Can Feliu (2) ist ein kleines Paradies und das beste daran: Alles was hier wächst ist „all inclusive“ für die Gäste – 24 Stunden Selbstbedienung von Feld und Baum. „Apfelsinen und Zitronen vom Baum, Tomaten direkt vom Feld - viele Kinder haben das vorher noch nie erlebt“, erzählt Carlos Feliu während er uns über seine Farm führt. Auch Juri erlebt hier zum ersten Mal wie, wo und wann die verschiedenen Früchte wachsen. „Guck mal Mami, was ich gefunden habe.“ In jeder Hand präsentiert er stolz seine ersten selbst geernteten Zitronen in Größe einer mittleren Pampelmuse. „Hier wachsen echte Riesen-Zitronen“.

Mallorca - Juri am Zitronenbaum

Juri am Zitronenbaum

Was Tiere anbelangt ist’s auf Can Feliu international: Arabische Pferde und menorquinische Kühe grasen im Schatten der wilden Olivenbäumen, afrikanische Strauße teilen sich das Gehege mit den mallorquinischen schwarzen Schweinen. Dazwischen wuseln ein paar Hühner, Hunde und Katzen über den Hof und in dem kleinen Teich auf der Terrasse gibt es Schildkröten. Wie viel Tiere leben auf der Farm? Juri schnappt sich seinen Bruder kleinen Johann und gemeinsam machen sie sich auf zur „Tier-Ralley“, die schon bald daran scheitert, dass Juri noch gar nicht zählen kann und Johann kreischend die kleine Herde flinker Zwerghühner verfolgt.

Mallorca - Can Feliu - Arabische Pferde

Arabische Pferde auf dem Landgut Can Feliu

„Hola ! Buenos Dias“ – Hallo! Guten Morgen. Yamy, die gute Seele der Finca serviert für alle Finca-Gäste das Frühstück im ehemaligen Pferdestall: Tomaten, frische Früchte, „Sobrassada“, die spanische Nationalwurst, Käse, Honig und frische Eier von Johanns gackernden Freundinnen. Wo man die Eier auf dem dreißig Hektar großen Grundstück findet, weiß allerdings nur Carlos, aber er verspricht Juri, ihn am Abend mit auf die Suche zu nehmen.

Mallorca - Can Feliu - Strauß

Nach dem ausgiebigen Frühstück hat heute keiner von uns Lust auf einen Ausflug. Juri möchte noch mehr von den „echten“ Zitronen ernten und Johann hat es nun, nachdem ihm die Hühner entwischt sind, auf die Strauße abgesehen. Fasziniert läuft er immer wieder zum Gehege und beobachtet die mächtigen Tiere, die gemächlich durch das Gehege stolzieren, während wir uns am Pool niederlassen und einfach nur die Ruhe und den weiten Blick über die Felder genießen.

Mallorca - Can Feliu - Pool

Über den Tag dann hat jeder Gast die Möglichkeit, sich in der gut ausgestatteten Landhausküche im ehemaligen Pferdestall der Finca mit den hofeigenen Produkten selber zu verpflegen. Am Abend bereitet Yami aber auf Wunsch auch das Abendessen für die Gäste, die in den Ferien nicht in der Küche stehen möchten, zum Beispiel für uns. So sehr Carlos auch die Omelettes aus Straußeneiern anpreist, kann er keinen von uns zu dieser exotischen Hof-Spezialität überreden. Also zaubert Yami uns ein Mahl aus köstlichem Bio-Rinderbraten, Auberginen und spanischen Kartoffeln. Zum Nachtisch serviert sie den staunenden Kindern etwas, das an eine Riesen-Negerkusstorte erinnert. Dazu gibt es natürlich wieder die selbstgemachte Zitronenlimonade aus Juris eigener Ernte.

„Freiheit und Mitmachen“ lautet die Philosophie des „Animations-Programmes“ der Finca. Es gibt keine Betreten-Verboten-Schilder und keine Vorschriften. Straßenfern und sicher können Kinder den ganzen Tag über das Anwesen stromern und überall ist mitmachen erlaubt: Ob Treckerfahren, Tiere füttern oder Eier suchen – Carlos, Yami und die anderen Helfer zeigen den Kindern gern, was auf einem Hof zu tun ist. Im Herbst sind alle Gäste herzlich eingeladen bei der Weinernte zu helfen und Weinliebhabern bietet Carlos Feliu dann sogar die Möglichkeit, ihren privaten Wein zu keltern. Die Hobby-Winzer können die Traubenmischung und das Weinfass für ihre Eigenmarke aussuchen, selber die Reifedauer bestimmen und beim nächsten Besuch auf Can Feliu den selbst kreierten Wein trinken – eine tolle Idee findet Papi Ernst. Juri möchte jedoch viel lieber eine Kiste eigener Zitronenbrause produzieren.

Mallorca - Can Feliu - Carlos und Johann auf dem Trecker

Carlos und Johann auf dem Trecker

Es schnattert und gurrt, piepst und kräht, und wer Glück hat, bekommt auch noch ein Muhen, Wiehern oder IAAA zu hören. Am Mittwoch morgen fahren wir nach Sineu (3). Seit über 700 Jahren findet hier der traditionelle Wochenmarkt statt, auf dem auch heute noch mit Vieh gehandelt wird. Kaninchen und Ziegen, Esel und Kühe, Tauben und Hühner und sogar Hundebabys werden hier angeboten und dürfen auch angefasst werden. Für die Kinder ist der Markt fast wie ein Streichelzoo und Ponyreiten gibt’s auch. Daneben wird in den schmalen Gassen, die sich durch das ganze Dorf bis hinauf zur Kirche schlängeln, natürlich auch Obst und Gemüse, Keramik und Körbe, Haushaltswaren, Nachtwäsche und jede Menge Modeschmuck angeboten. Nach zwei Stunden verlassen wir glücklich aber erschöpft, die Einkaufstaschen mit Souvenirs und Leckereien gefüllt, den turbulenten Markt und freuen uns auf unsere friedliche Finca.

Abseits der Küstenorte sind wir zwar fern von Touristenrummel und Straßenlärm, aber still ist es auch auf der Farm nie – nicht einmal nachts. Irgendwo in der Ferne „unterhalten“ sich die halbe Nacht ein paar Hofhunde. Und auch der übermütige Hahn der wilden Hühner-Herde verstummt nachts nur kurze Zeit und ist überhaupt nicht bereit, sich an die arttypischen Krähzeiten zu halten. Schon viele Stunden bevor die Sonne über den Weinfeldern aufgeht, schmettert er lauthals und voller Leidenschaft seine Kikeriki-Arien über den Hof. Vielleicht aus lauter Freude über einen neuen Tag auf Can Feliu – verstehen könnten wir das.

Reiseinformationen zum Agrotourismus auf Mallorca

Can Feliu
Finca Son Dagueta
Cami de sa serra, km I Apdo 15
07260 Porreres - Mallorca
Tel. 0034 609 613 213
E-Mail: info@ecocanfeliu.com
www.ecocanfeliu.com

Weitere Agrotourismus-Betriebe finden Sie über das Fremdenverkehrsamt Mallorca:
Fomento del Turismo de Mallorca
Calle Constitutió 1
E-07001 Palma
Tel. 0034/971/715310

 

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