Rastplatz der Kraniche
Ein Ausflug zur Lagune Gallocanta im spanischen Aragón
Text und Fotos: Simone Labs

Der Abend färbt die Schwingen schwarz und lässt
den Himmel leuchten in dunkelstem Blau. In langen Ketten ziehen die Kraniche
zu ihren Schlafplätzen über die Hügelketten hin zur Lagune
von Gallocanta in der spanischen Provinz Aragón.
Einer der Wege zu den Grauen Kranichen führt über die Nationalstraße
330, von Zaragoza nach Daroca, einer kleinen Stadt zwischen den Felsen.
Die Mauren gründeten sie im neunten Jahrhundert. Ihr letzter König
Aben Gama fiel im Kampf gegen die Christen. Ein Templer namens Sancho Ravanera
tötete ihn. Die Legende erzählt von der Liebe zwischen ihm und
der Königstochter. Jedoch konnten sie zu einander nicht finden, denn
die Schöne starb als Gefangene in einem Verließ. Daroca mit
seinen vielen Kirchen entwickelte sich mehr und mehr zu einem Pilgerort.
Seine Lage am Tal des Jiloca begünstigte die Entwicklung des Handels
und damit der Stadt. Geblieben ist ein faszinierendes Sammelsurium unterschiedlichster
architektonischer Zeugnisse aus der Zeit der Araber, der Romanik, Gotik
und dem Barock.

Über den Dächern von Daroca
Hinter den maurischen Stadtmauern Darocas, geht es durch die Talsenke in weiten Kurven hinauf über eintausend Meter hoch. Die Landschaft wird rauer, grauer. Kaum Bäume, hin und wieder Weinstöcke, die ihre knorrigen Äste über die ausgedörrte Erde schieben. Kleine Ortschaften schmiegen sich an runde Bergrücken, verteilt rund um die Lagune. Viele, vor allem junge Leute, haben diese Gegend bereits verlassen. Die Arbeitsmöglichkeiten sind rar. Immer mehr alte Häuser aus grob gebrannten Ziegeln verfallen. Es gibt weitaus mehr Vögel als Menschen hier.

Stille an der Lagune
Nachdem sich die Kraniche an den salzverkrusteten Ufern niedergelassen haben und das letzte Abendlicht erloschen ist, ziehen sich auch die zweibeinigen Beobachter mit ihren Ferngläsern zurück. Viele der einheimischen und ausländischen Kranichfreunde treffen sich in der Herberge von Javier Mañas in Gallocanta, die den alten Namen des Ortes und des Sees trägt: „Allucant“. Von hier aus sind es nur wenige Schritte bis zur Lagune, die in tiefer Stille versinkt, bis im Morgengrauen die ersten Schreie der Kraniche den neuen Tag verkünden. Die Quecksilbersäule zeigt fünf Grad Minus. Das ist erträglich. Allerdings habe ich hier auch schon andere Temperaturen erlebt. Bei fünfzehn Grad unter Null frieren selbst die Kraniche und fliegen mit angezogenen Beinen. Elegant sieht das nicht aus. Mir scheint auch, sie schreien dann vor Kälte weniger.
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