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Die Jungfrau aus dem Sumpf

 Die andalusische Wallfahrt nach El Rocío

Text und Fotos: Markus Howest

Spanien El Rocío Caballeros

Es werden immer mehr, am Ende sollen es eine Million sein – stolze Reiter, lachende Frauen auf geschmückten Planwagen und jede Menge Menschen in feierlichen Flamenco-Kleidern oder in typischer andalusischer Tracht pilgern tanzend und singend durch den Coto Doñana, den größten Nationalpark Spaniens. Ihr Ziel ist der Wallfahrtsort El Rocío im Mündungsgebiet des Río Guadalquivir.

Rötlich schimmert der Horizont. Am Hang steht ein alter Holzwagen mit großen weißen Rädern, festlich geschmückt, von Kerzen umrandet, im Zentrum ein Altar mit einer Heiligenfigur. Es ist still, Männer und Frauen jeden Alters bilden einen Halbkreis und starren ergriffen auf die Figur, aus der Ferne sind Sevillanas, flamencoähnliche Tänze, zu hören. Dann ertönt die Stimme einer jungen Frau – ein Klagelied, ein Lobgesang, ein Gebet? Danach wieder Stille. Schon setzt ein Mann mit rauer Stimme zum Gesang an, die Augen geschlossen, mit wogender Brust, er macht eine Pause und fährt fort. Der Reigen abwechselnder Gesänge reißt nicht ab – so geht es bis spät in die Nacht.

Spanien El rocío Tanz

„Die Menschen besingen ihre Wünsche, Sorgen und Ängste oder sie bedanken sich ganz einfach“, beschreibt Juan aus Sevilla die Szene am Hang. Sie zeigen damit ihre tiefe Verbindung zur „simpecados“, der Standarte ihrer „hermandad“, ihrer Bruderschaft und dem Bildnis der Heiligen Jungfrau. Mit einem rollenden Altar aus bemaltem Holz und massivem Silber, verziert mit Blumen und Insignien, pilgern die Wallfahrer jedes Jahr zu Pfingsten durch die „marismas“, die Sumpfgebiete entlang des Río Guadalquivir nach El Rocío.

Spanien El Rocío Planwagen

Juan gehört zu Triana, einer der ältesten Bruderschaften Sevillas. Er pilgert mit seinen Freunden in diesem Jahr zum dreißigsten Mal die 80 Kilometer weite Strecke nach El Rocío. Heute Abend nach knapp zwanzig Kilometern über Asphalt und Feld, ist die erste Raststation erreicht, insgesamt sind es drei. Juans „hermandad“ zählt rund tausend Mitglieder. „Wir sind eine eingeschworene Gemeinschaft“, erzählt der 45-jährige Familienvater, „in den Bars von Sevilla schwärmen wir vom letzten Fest und freuen uns schon auf das nächste.“ Kurz vor dem Start des Pilgerzugs sind die Mitglieder tagelang mit dem Schmücken der Planwagen, dem Bepacken der Landrover und Wohnwagen beschäftigt. „Und die Pferde werden gründlich gebürstet und frisiert“, meint Juan.

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