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Madrid - Friseursalon in Chueca

Hier begann der Aufbruch

»Hier im Stadtteil Chueca begann das, was die Movida genannt wurde.«, erzählt mir Julian. Kneipen, die die ganze Nacht offen hatten, schräge Gestalten und Paradiesvögel beim Rauchen eines Joints und beim Biertrinken und im Hintergrund ertönte die spanische Neuer Welle: Libertad, Freiheit eben. Alle waren sie Künstler, alle hatten sie den Traum vom großen Projekt. Einige wie der Filmemacher Pedro Almodóvar oder die Musikerin Alaska verwirklichten ihn, andere verglühten. Und mit ihnen der Stadtteil. In den späten 1980er Jahren ging es bergab. Das Heroin bemächtigte sich eines Teiles der Jugend auf den Straßen und Plätze von Chueca. »Viele Lokale schlossen, wir hielten aus.«, bemerkt Julian mit einem Grinsen im Gesicht. Es hat sich gelohnt. Heute ist Chueca wieder in und hip. Keine Kneipe, kein Geschäft, keine Wohnung steht mehr leer. »Den Wandel haben wir der Schwulenszene zu verdanken«, meint Julian, dessen »Libertad 8« fast schon eine Heteroinsel im neuen, regenbogenfarbenen Straßenbild ist.

Madris - Buchladen in Chueca

Alles ist auf das neue Publikum ausgerichtet, das seit Anfang der 1990er Jahre das heruntergekommene Quartier wieder aufrichtete. Das Coming-out eines ganzes Viertels ist eng verbunden mit der Demokratisierung Spaniens und den damit einhergehenden liberalen Moralvorstellungen. Die Schwulen gab es auch schon im verruchten Chueca der Movida und im dunklen Chueca der Drogen; versteckt in schmuddeligen Clubs mit dunklen Hinterzimmern, in denen der schnelle, anonyme Sex vor allem die Ausbreitung von Aids begünstigte.

Madrid - Club in Chueca

Da nun sich auch im Machoparadies Spanien immer mehr Gays offen zu ihrer Sexualität bekennen, blüht das neue Chueca. Große Schaufenster, helle Cafés, keiner versteckt sich mehr, wenn er seinen Lover küsst oder verliebt anschaut. Und wer den besonderen Kick sucht, der geht in Clubs wie das »Into The
Tank« in der Calle Calatrava, wo für Insider »thematische Sexfeste« geboten werden. Achtung, es besteht eine Kleiderordnung! Die Tür öffnet sich nur dem, der in sportlichem Outfit, im Militäry-Look oder in Gummiklamotten auftaucht.

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