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Tour 1

Auf den Spuren des Christoph Kolumbus

Als Entdecker von Amerika ging er einst in die Geschichtsbücher ein, und auch wenn diese Tatsache durch neuere Forschungen längst relativiert wurde, Kolumbus‘ Entdeckungsfahrten in bislang unbekannte Welten waren ohne Zweifel von herausragender Bedeutung für die europäische Geschichte und Kultur.

Schiffe des Kolumbus in Huelva, Andalusien

Schiffe des Kolumbus in Huelva


Kolumbus, der vermutlich 1451 im italienischen Genua zur Welt kam und schon in jungen Jahren erste seemännische Erfahrungen machte, hatte bereits im Jahre 1484 dem König von Portugal, Johann II., einen wagemutigen Plan vorgelegt: Um den Seeweg nach Indien und in den Fernen Osten zu verkürzen und die gefährliche Umseglung der afrikanischen Südspitze zu umgehen, wollte er westwärts segelnd sein Ziel erreichen, was zu merklichen Handelsvorteilen geführt hätte. Doch am portugiesischen Hof lehnte man ab und so wandte sich Kolumbus 1486 an das spanische Königspaar Isabel und Ferdinand. Doch auch hier begegnete man ihm zunächst mit Ablehnung und erst sechs Jahre später wurde sein nicht nachlassendes Interesse belohnt und Spanien finanzierte die erste Expedition. Kolumbus hatte sich vertraglich zahlreiche Privilegien abgesichert, so den Titel eines Vizekönigs aller neu entdeckten Gebiete, die Erlangung der Adelswürde sowie ein Zehntel aller Reichtümer, die auf den neuen Territorien gefunden wurden.


Es waren lediglich drei Schiffe, das ungefähr 30 Meter lange Hauptschiff Santa María, und die beiden kleineren,ca. 15 Meter langen Karavellen Pinta und Nina, die am 3. August 1492 mit zusammen wohl kaum mehr als 90 Besatzungsmitgliedern in Palos de la Frontera in See stachen. Nach einem kurzen Reparaturaufenthalt auf den Kanarischen Inseln kam am 12. Oktober erstmalig unbekanntes Land in Sicht, Teile der Bahamas. Nach weiteren Landungen auf dem heutigen Kuba und Haiti erlitt Kolumbus mit der Santa María Schiffbruch, bevor er mit den beiden kleineren Karavellen zurücksegelte und im März des folgenden Jahres begeistert in Spanien empfangen wurde. Weitere, weitaus größere Expeditionen folgten, verlockten doch die Aussichten auf ansehnliche Finanzierungsquellen der darbenden spanischen Staatskasse. Doch nicht immer kehrte Kolumbus als strahlender Held nach Spanien zurück, einmal mußte er gar seine Heimreise in Ketten gelegt antreten. Seine anfänglichen Privilegien konnte Kolumbus nicht erhalten, er starb am 20. Mai 1506 in Valladolid, von Krankheit gezeichnet.


Den ersten, nicht zu übersehenden Hinweis auf Cristóbal Colón, wie Kolumbus im Spanischen genannt wird, bekommt man an der Stadtgrenze von Huelva, dort, wo der Fluß Odiel mündet. Das an den großen Entdecker erinnernde Denkmal, 36 Meter hoch aus Granitblöcken gemeißelt, ein Werk von Gertrude v. Whitney aus dem Jahre 1929, wirkt heute fast ein wenig furchterregend. Ein wenn auch wahrscheinlich nicht beabsichtigter Effekt über die Bedeutung seiner Tat für die Einwohner des neu entdeckten Kontinents, die den neuen Herren, die dieser Entdeckung folgten, schutzlos ausgeliefert waren und Tod und Unterdrückung erfahren mussten.
Nicht mehr weit ist es von hier bis zum Kloster La Rábida, das zur Gemeinde Palos de la Frontera gehört. Voller Stolz ist man hier auf die Rolle, die das Kloster für das Gelingen der Entdeckung des amerikanischen Kontinents spielte. Denn nachdem Kolumbus mit seinem Anliegen, Indien und den Fernen Osten anzusteuern, beim Königspaar Isabel und Ferdinand zunächst gescheitert war, fand er im Kloster Aufnahme und Verständnis durch die dortigen Franziskanermönche, mit denen er seine Pläne diskutierte. Der Franziskanerpater Juan Perez war es auch, der die Königin Isabel I. bat, ihre bislang von Zurückhaltung geprägte Haltung aufzugeben und dem Vorhaben zuzustimmen.

Kloster La Rabida, Andalusien

Kreuzgang im Kloster La Rabida bei Huelva


Das Kloster, ein schönes Beispiel für die Mudejar-Architektur, kann besichtigt werden, wenngleich die Führungen, die vormittags und nachmittags stattfinden, nur auf spanisch kommentiert werden. Zu den sehenswerten Kunstwerken von La Rábida zählt eine Alabasterstatue der im Kloster verehrten Virgen de los Milagros aus dem zweiten Drittel des 14. Jahrhunderts sowie ein geschnitzter Christus am Kreuz in gotischem Stil, ebenfalls aus dem 14. Jahrhundert. Ein edles Beispiel für den Mudejarstil stellt der Kreuzgang aus dem 15. Jahrhundert dar. Teil des Besichtigungsrundganges ist auch ein Besprechungszimmer, in dem Kolumbus über seine Pläne beratschlagte. In der ehemaligen Pförtnerwohnung dokumentieren moderne Fresken des Malers Daniel Vázquez Díaz aus dem Jahre 1930 ebenfalls die Entdeckung der Neuen Welt.
In einem der Räume werden Modelle der drei Schiffe ausgestellt, mit denen Kolumbus und seine Mannschaft zu ihrer ersten Expedition aufgebrochen waren. Unterhalb des Klosters liegen am Karavellen-Kai Nachbildungen der ersten Entdeckerschiffe in Originalgröße, die man anläßlich der 500-Jahrfeier der Entdeckung Amerikas gebaut hatte. Wer will, kann sich auch unter Deck begeben, wo Wasserfässer, Lebensmittel wie gesalzener Fisch und auch einige Puppen eine realistische Atmosphäre erzeugen. Man kann auf diese Weise ganz gut nachempfinden, was es bedeuten musste, mehrere Monate auf diesem beengten Raum auf hoher See zuzubringen. Die damals benutzten Schiffe waren lediglich zwischen 15 und 30 Meter lang, zwischen 20 und 30 Personen zählte die Mannschaft an Bord. Von Seefahrerromantik bleibt da nicht mehr viel übrig. Eine Multivisionsschau und mehrere Ausstellungsstücke geben Einblick in die damaligen Verhältnisse. Auch im ungefähr 8 Kilometer nördlich von Palos gelegenen kleinen Städtchen Moguer – übrigens Geburtsort von Juan Ramón Jiménez, dem Literaturnobelpreisträger von 1956, an den auch ein kleines Museum erinnert, - gibt es Reminiszenzen an den großen Entdecker. Im Kloster Santa Clara, im gotischen Mudejarstil errichtet, soll sich Kolumbus öfters aufgehalten haben und nach seiner glücklichen Rückkehr aus Amerika eine Nacht lang gebetet haben. Am 3. August wird in Palos der Tag gefeiert, an dem die Schiffe der Entdecker den Hafen verließen und am 15. März erinnert man an die Rückkehr der beiden Schiffe Pinta und Nina. Am 22. Januar jeden Jahres wird eine weiter Atlantiküberquerung gefeiert: In den 20er Jahre unseres Jahrhunderts hatte das Wasserflugzeug Plus Ultra von hier aus den Atlantischen Ozean überquert, ein Meilenstein in der Geschichte der Luftfahrt.

 

 

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