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Der Stierkampf - Kult oder Kunst ?

Stierkampfarena in Ronda, Andalusien

Stierkampfarena in Ronda

Vielfältig sind die Wurzeln des Stierkampfes in der Geschichte der Menschheit, Hinweise finden sich sowohl bei den Mauren, bei Phöniziern und den Minoern auf Kreta. Waren es damals kultische Akte, Teil der jeweiligen Religion, so ist Stierkampf in Spanien mittlerweile ein Spektakel, das zwar tief in der spanischen Volkskultur verwurzelt ist, jedoch viel von einem Schauspiel für Touristen an sich hat. Die Haltungen dazu gehen weit auseinander. Sprechen die einen von einem immer wiederkehrenden Aufeinandertreffen zweier Kräfte, von Chancengleichheit beim Kampf, einer wahren Kunst, wie sie nicht zuletzt von dem Schriftsteller Ernest Hemingway in seinem „Tod am Nachmittag“ stilisiert wurde, so sprechen andere wie der Autor Eduardo del Rio vom Stierkampf als einem„Hemmschuh für die Humanisierung der Menschheit“. Wer einmal einen Stierkampf erlebt hat wird wissen, wie häufig der Stier dabei große Qualen erleiden muß. Die Humanisierung der Menschheit, die ja auch ein ethisches Verhalten Tieren gegenüber beinhaltet, muß also noch viele Hürden überwinden.


Die Stierkampfsaison in Spanien beginnt normalerweise im März und endet in den Stierkampfplakat in Tarifa, Andalusienletzten Oktobertagen. Das Geheimnis des Stierkampfes beruht u.a. darauf, daß der Stier das für ihn bedrohliche Tuch, das er immer wieder attackiert, nicht vom Matador unterscheidet und ihn als das wirkliche Ziel erkennt. Hat der Stier diese Täuschung einmal durchschaut, wird es für den Matador lebensgefährlich. Ein Stierkampf dauert im Schnitt nur 15 Minuten und es gibt den Ausspruch, ein Stier lerne in 20 Minuten mehr als ein Mensch in seinem ganzen Leben. Einem Stier muß also in einer corrida ein Mensch zum ersten mal als Gegner gegenüberstehen, sonst hat er zuviele Erfahrungen gesammelt. Chancengleichheit ?


Ein Stierkampf gliedert sich normalerweise in drei Phasen: in der ersten Phase stürmt der Stier herein, nachdem er normalerweise mehrere Stunden in einer dunklen Box verbracht hat. Die sogenannten picadores, berittene Lanzenträger, fügen dem Stier in den Nackenmuskeln mit einer drei Zentimeter langen Spitze Wunden zu. Im zweiten Akt stoßen die bandilleros mit bunten Bändern geschmückte Stäbe in die Nackenmuskeln des Stiers, wo sie stecken bleiben. Der gereizte, ermüdete und wütende Stier wird im dritten Akt getötet. Trifft der matador nicht präzise eine bestimmte Stelle zwischen den Schulterblättern, endet das Ganze in einem unappetitlichen Abschlachten.

 

 

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