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Die maurische Stadt

Unter der Herrschaft der Mauren vollzog sich nicht nur eine Revolutionierung der Landwirtschaft – man denke nur an den Anbau bislang unbekannter Früchte und die tiefgreifende Verbesserung der Bewässerungsmethoden – auch das städtische Leben erfuhr eine tiefgreifende Erneuerung. Bis heute blieben diese neuen Stadtstrukturen in Städten wie Sevilla, Cordoba und Granada in Resten erhalten.
Zentrum einer maurischen Stadt war die von engen Gassen durchzogene Medina, mit der Hauptmoschee für das Freitagsgebet im Mittelpunkt. Um sie herum lagen zwei klar voneinander unterschiedene Bereiche: das Geschäfts- und das Wohnviertel. Die engen und deshalb meist schattigen Marktgassen des Geschäftsviertels, die Souks, waren in dieser patriarchalen Gesellschaft vor allem Ort der Begegnung für die Männer, die hier u.a. ihren Handelsgeschäften nachgingen. Normalerweise hatte jedes Gewerbe, ob Schneider, Sattler oder Silberschmiede, seine eigene Gasse oder sein eigenes kleines Viertel. Nur die Töpfer mit ihren Brennöfen und die Gerber mit ihren übelriechenden Gruben hatte man an den Rand der Stadt verbannt. Der innerste Bereich des Marktes, die Kaysariya, war dem Handel mit besonders kostbaren Waren vorbehalten, dieser Bereich wurde an jedem Abend fest verschlossen. Der Handel selbst unterlag strengen Regeln, Käufe wurden immer mit Bargeld beglichen.
Zu den kulturellen Errungenschaften der Medina zählte auch eine Straßenbeleuchtung, die nachts die dunklen Wege erhellte. An den zentralen Gassen lagen Karawansereien (Fondaks), in denen Händler Unterkunft für sich und ihre Tiere fanden und auch Platz, um ihre Waren zu lagern.

Basar Alcaiceria in Granada, Andalusien

Basar Alcaicería in Granada


Die meisten der Wohnhäuser zeigten sich nach außen hin karg und bescheiden, doch konnte sich dahinter ein palastartiger Gebäudekomplex verbergen. Das Privatleben war also streng nach außen hin abgeschirmt, wie das bis heute in islamischen Gesellschaften zu beobachten ist. Traditionell wurden die Häuser um einen blumengeschmückten Hof (patio) herum angelegt, in dessen Mitte sich ein Brunnen oder ein Wasserbecken befand. Auch waren die Eingänge in das Gebäude oft winkelförmig angelegt, so daß von außen kein Einblick in die Intimität des Wohnbereichs gewonnen werden konnte. Nur der Muezzin hätte von der Höhe seines Minaretts her einen Blick erhaschen können, deshalb sollte er der Überlieferung nach auch blind sein. Eine Kanalisation regelte die Wasserver- und entsorgung, jedes Viertel verfügte über öffentliche Badehäuser, die nach Geschlechtern getrennt genutzt wurden und das hohe Niveau der damaligen Körperkultur der Mauren zum Ausdruck bringen.

 

 

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