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Gitanos in Andalusien

Wie überall in Europa stehen sie am Rande der Gesellschaft, die gitanos (Zigeuner) oder calé, wie sie sich selbst nennen. In Andalusien bilden sie 5 % der Bevölkerung, ein höherer Anteil als im restlichen Spanien (1 %). Die meisten von ihnen leben in miserablen Verhältnissen, in ghettoartigen Bezirken am Rande der Städte, von der Mehrheit der Bevölkerung mißtrauisch wenn nicht gar feindlich beäugt. Immer wieder sind auch rassistische Übergriffe zu verzeichnen. Die hohe Arbeitslosigkeit des Südens trifft die gitanos besonders hart, sie gehören zu den ersten, die entlassen werden und sie haben die wenigsten Chancen, eine feste Anstellung zu erhalten. So bleiben neben Gelegenheitsarbeiten Kleinhandel und Wahrsagerei. Nur wenige gitanos schaffen den Sprung in die etablierte Gesellschaft, ganz zu schweigen von Stars wie dem Tänzer Joaquín Cortés, der sich stolz als calé begreift.


Schon immer haben die gitanos ihre eigenen Traditionen aufrechterhalten und bewahrt, ein Leben, das durch enge familiäre Bindungen, gegenseitige Unterstützung und Solidarität, aber auch ausgeprägten machismo gekennzeichnet ist.
Die Geschichte der gitanos in Andalusien geht auf das 15. Jahrhundert zurück, die Zeit der katholischen Rückeroberung Spaniens von den Mauren, als Roma erstmals nach Spanien kamen. Nur wenige Jahrzehnte war ihnen ein Leben ohne größere Probleme möglich, bereits gegen Ende des Jahrhunderts war in einem von Priestern verfassten Schreiben von der Sorge die Rede, daß die Roma aufgrund ihrer Fähigkeiten in Magie und Wahrsagerei immer größeres Ansehen im Volk genossen. Es folgten Aufforderungen an die gitanos, das Land zu verlassen und auch zahlreiche Assimilationsversuche. Der 30. Juli 1749 stellt einen Höhepunkt der Verfolgung dar, als über 10 000 gitanos von der Armee zusammengetrieben und in Gefängnisse verfrachtet wurden. Nur ein Teil von ihnen durfte später wieder in die Heimat zurückkehren. Während des 2. Weltkrieges wurden tausende von gitanos ermordet. Erst im Laufe der Zeit wurde ihnen eine zumindest formelle Gleichberechtigung zugestanden, doch von einer Eingliederung in die Gesellschaft, die auch Unterschiede anerkennt, ist man auch in Spanien noch weit entfernt.

 

 

 

 

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