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Der Aufstieg einer Weltmacht

Das Jahr 1492 erwies sich als ein Schlüsseldatum für die weitere Entwicklung Spaniens in den folgenden Jahrhunderten. Spanien war nun unter dem Banner des Christentums vereint, der Katholizismus das einigende Band der staatlichen Einheit. Doch bald zeigte sich dessen fundamentalistische Seite: Bücherverbrennungen und Zwangstaufen wurden durchgeführt, die Inquisition wütete blutig und grausam, hunderttausende von Juden wurden ins Exil getrieben, die damit eine tiefe Lücke in der Kultur des Landes hinterließen. Auch die Reste der maurischen Bevölkerung hatte unter Verfolgungen zu leiden, was immer wieder zu im Ergebnis erfolglosen Aufständen führte und zur massenhaften Auswanderung nach Nordafrika. Handwerk und Landwirtschaft, unter den Mauren die blühendsten Zweige der Wirtschaft, hatten unter diesem Aderlaß erheblich zu leiden. Adel und Ritter erhielten für ihre „Verdienste“ Großgrundbesitz, doch mit dem ritterlichen Ideal war auch die Verachtung der Arbeit verbunden, die einst blühende Landwirtschaft verfiel zunehmend.

Doch zunächst war für einen Ausgleich gesorgt: 1492 war auch das Jahr der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus, die Ausbeutung der amerikanischen Kolonien in der Folgezeit brachte Reichtum ins Land, der nicht auf einer Weiterentwicklung im Lande selbst beruhte. Hunderte von Handelsschiffen brachten Tonnen an Gold und Silber, Sevilla etablierte sich als Tor zur Neuen Welt, als Drehscheibe des Überseehandels, wo sich immenser Reichtum ansammelte. Jährlich zogen tausende von Schiffen den Guadalquivir hoch und machten im Hafen der Stadt fest. Kehrseite der Kolonialpolitik: Millionen von amerikanischen Ureinwohnern mußten ihre Begegnung mit dem Christentum mit dem Leben bezahlen.

Palast Karl V. in der Alhambra von Granada, Andalusien

Palast von Karl V. in der Alhambra in Granada

Mit dem 1530 zum Kaiser gekrönten Karl V. begann die Epoche der Habsburger, die bis ins Jahr 1700 andauern sollte. Der Kampf um die Vorherrschaft in Europa und gegen den abtrünnigen Protestantismus bestimmte jene Zeit, bezahlt wurden die Kriege mit hoher Staatsverschuldung und einem Anziehen der Steuerschraube bei der Masse der Bevölkerung. Auf kulturellem Gebiet erreichte das Land im 16. Und 17. Jh. eine Blütephase. El siglo de Oro, Das Goldene Jahrhundert, spiegelt sich in künstlerischem Glanz in Literatur und Malerei, Namen wie Miguel de Cervantes (Schöpfer des Don Quijote) und Calderón de la Barca, Maler wie El Greco und Velázquez, Murillo und Zurbarán stehen für jene Zeit Spaniens als Weltmacht. Doch vergebens waren die Versuche, die protestantischen Niederlande und England niederzuringen. Immer häufiger kommt es zu Hungersnöten und Aufständen im Land.

Nach dem spanischen Erbfolgekrieg (1701-1714) fällt der spanische Thron an die französischen Bourbonen, wie in Frankreich hält der Zentralismus Einzug in die Politik. In Andalusien ist die Mehrzahl der Landbevölkerung als Tagelöhner in unsicheren Verhältnissen beschäftigt. Cádiz läuft im 18. Jh. Sevilla den Rang als Handelsmetropole ab. Als Napoleon mit seinen Truppen 1808 in Spanien und Andalusien einfällt, erfährt er heftigen Widerstand. In den Wirren des Krieges kommte es im März 1812 in Cádiz zur Unterzeichnung einer liberalen Verfassung, in der u.a. Inquisition und Folter abgeschafft wurden. Doch dieser politische Neubeginn sollte nicht von langer Dauer sein, die restaurierte absolute Monarchie erklärte die Verfassung nach wenigen Jahren für null und nichtig.

Während das 19. Jahrhundert vom Niedergang Spaniens als Weltmacht gekennzeichnet war – 1898 verliert das Land seine letzten überseeischen Kolonien – und das Agrarland Spanien durch weitverbreitete Armut gekennzeichnet ist, bleibt der Gutsherr, el senorito, Leitfigur des gesellschaftlichen Lebens in Andalusien. Das Elend führt zu Widerstand, wie sonst nirgends erhält in Andalusien die anarchistische Bewegung starken Zulauf. Einige Dutzend Familien verfügen in Andalusien über den größten Teil der Landflächen, 80 % der Bevölkerung verdingt sich als Landarbeiter.

In dem von Aufständen und Gewalt gekennzeichneten Land Anfang des 20 Jh. bringt ein Staatsstreich Primo de Rivera an die Spitze der Regierung. Daraufhin erringen die Republikaner 1931 einen deutlichen Sieg bei den Wahlen zur verfassungsgebenden Versammlung, die sog. Zweite Spanische Republik wird ausgerufen – die Erste des Jahres 1873 hatte sich nicht einmal ein Jahr halten können. Doch die Gewalt nahm keine Ende, nach Auflösung des Parlaments 1936 erreichen die Vereinigten Linksparteien die parlamentarische Mehrheit, auf die die Rechte mit einem Militärputsch reagiert.

 

 

 

 

 

 

 

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