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Die römische Provinz Baetica

Römische Siedlung Baelo Claudia in Bolonia, Andalusien

Die im 2. Jh. gegründete römische Siedlung Baelo Claudia in Bolonia


Die Karthager waren die nächste Großmacht, die über Handelsstützpunkte vornehmlich in Küstennähe die Entwicklung im südlichen Spanien bestimmten. Nach dem Zweiten Punischen Krieg 218-201 v. Chr. zwischen Römern und Karthagern hatten die Römer die Oberhand erlangt und dehnten ihr Weltreich fast über die gesamte iberische Halbinsel aus. Der Einfluss Roms sollte bis ins fünfte Jahrhundert andauern, auch wenn die Römer zwei Jahrhunderte brauchten, bis sie den Widerstand der iberischen Urbevölkerung niedergerungen hatten. Latein setzte sich als Sprache durch, römische Verwaltung und römisches Recht lösten die alte Ordnung ab. Zur Zeit des Augustus war Spanien schließlich in drei Provinzen aufgeteilt, wobei die südliche Provinz Baetica ungefähr dem heutigen Andalusien entsprach. Unter den Römern entstanden neue Städte wie Italica und Hispalis (Sevilla), bestehende Siedlungen wie Cadiz und Cordoba wurden ausgebaut. Neue Handelswege entstanden und römische Bewässerungssysteme führten zum Aufschwung der Landwirtschaft. Rom profitierte von der Ausbeutung der Bodenschätze und importierte große Mengen an landwirtschaftlichen Produkten, darunter Wein, Öl und Getreide. Mit der Zeit verschmolz die einheimische Oberschicht mit den neuen Machthabern, schließlich stellte die neue römische Provinz gar römische Kaiser wie Trajan (53-117) und Hadrian (76-138) und auch berühmte Philosophen und Politiker wie Seneca stammen aus der Provinz Baetica.

Römische Mosaiken in Italica, Andalusien

Römische Mosaiken in Italica


Die Kunst des vorchristlichen Jahrtausends, die sich unter dem Einfluß der Handelsnationen der Griechen, Phönizier und Karthager und damit auch Einflüssen aus dem afrikanischen und syrischen Raum zu einer eigenständigen iberischen Kultur entwickelt hatte, wich bald der Dominanz römischer Kunst und Kultur. Schon in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung konnte das Christentum auf der iberischen Halbinsel Fuß fassen und bald existierten viel christliche Gemeinden.
Die Landwirtschaft wurde während der römischen Epoche vorwiegend in großen Latifundien betrieben, die Masse der Bevölkerung unterstand mächtigen Grundherren und römischen Beamten. Mit dem Zerfall des mächtigen Römischen Reiches, der begleitet war von steigenden Abgaben und Steuern, stieg der Widerstand großer Teile der Bevölkerung. In dieser Phase war es den von Norden einströmenden Völkern, Alanen, Sueben und Vandalen, ein Leichtes, das bröckelnde Reich zum Einsturz zu bringen. Der Durchzug dieser Völker blieb ein kurzes Intermezzo, erst die Westgoten errichteten eine fast 300 Jahre andauernde Herrschaft bis ins 8. Jh. hinein. Unter den Westgoten vollzog sich der Übergang zum katholischen Glauben, eine Festigung der feudalen Verteilung von Grund und Boden sowie eine zunehmend starke Stellung der Kirche. Bis heute führen vornehme spanische Familien ihre Herkunft gerne auf westgotische Wurzeln zurück. Mit der Zeit verschwand das freie Bauerntum, Adelsintrigen bestimmten das politische Geschehen und der Widerstand gegen die zahlenmäßig kleine westgotische Oberschicht nahm zu. Eine herausragende Figur in dieser Epoche war der Sevillaner Bischof Isidoro, der ein enzyklopädisches Werk hinterließ, den damaligen Wissensstand zusammenfassend. Der Bischof war es aber auch, der die Verfolgung der spanischen Juden initiierte und damit eine in späteren Jahrhunderten mit der Inquisition erneuerte Geisteshaltung vorbereitete.


In dieser von Intrigen gekennzeichneten gesellschaftlichen Situation Anfang des 8. Jh. fiel es den von Süden her eindringenden arabischen Völkern nicht schwer, in kürzester Zeit der Herrschaft im Land zu übernehmen.

 

 

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