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Menschen und Alltag

Das Familienleben hat in Andalusien wie in ganz Spanien radikale Veränderungen erlebt. Die ländlich bäuerliche Großfamilie ist der modernen Kleinfamilie gewichen, wie sie in allen modernen Industrienationen anzutreffen ist. Besonders rasant war dabei in den letzten Jahrzehnten die Entwicklung der Geburtenrate. Hatte eine Familie 1970 im Durchschnitt noch drei Kinder, so liegt heute die Zahl zwischen einem und zwei Kindern pro Familie – mit abnehmender Tendenz. In keinem anderen Land Europas ist in dieser kurzen Zeitspanne ein derartiger Rückgang der Geburtenzahlen zu verzeichnen. Fast scheint es, als wolle man in Spanien die Entwicklung zu einer modernen Industriegesellschaft im Laufschritt nachholen. Begleitet war diese Entwicklung von einer stärkeren Beteiligung von Frauen an der Erwerbstätigkeit und von einer stark verbesserten Teilnahme in allen Segmenten der Ausbildung.

Velez Blanco, Andalusien

Brunnen im Dorf Velez Blanco in der Provinz Almería

Dabei sind jedoch die Unterschiede zwischen Stadt und Land beträchtlich. Neue Lebensformen haben es in der Anonymität der großen Städte wie Granada, Cordoba oder Sevilla weitaus einfacher als in den kleinen andalusischen Dörfern, wo der soziale Druck der kleinen Gemeinschaft Veränderungen weitaus langsamer heranreifen läßt. Die Entwicklung der Scheidungen ist ein Beispiel dafür. Erst seit 1981 ist in diesem stark von der katholischen Kirche geprägten Land eine Scheidung möglich, keine Wunder also, daß die Zahlen nur ein Drittel so hoch sind wie in den europäischen Nachbarstaaten. Andererseits: Innerhalb weniger Jahre haben sich die Scheidungszahlen verdoppelt, ein Trend, der weiter anhält. Wie stark noch traditionelle Familienwerte vorherrschen, macht eine andere Zahl deutlich: Während in unseren Nachbarstaaten Norwegen und Schweden der Anteil der außerhalb einer Ehe geborenen Kinder bereits 50 % beträgt, liegt diese Zahl in Spanien bei nur 5 %, in den ländlichen Gegenden Andalusiens weitaus darunter. Das Gleiche gilt für die Anzahl der Single-Haushalte (10 %), deren Zahl weit unter europäischen Durchschnittswerten liegt.

 

 

 

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