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Cordoba

 

Andalusien: Cordoba, Alcazar

Pause vor der Alcázar, der königlichen Residenz aus dem 14. Jh.

Cordoba ist mit ihren über 320 000 Einwohnern die drittgrößte Stadt Andalusiens und nicht nur die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, hier lebt auch fast die Hälfte ihrer Einwohner. Cordoba ist eine sehr lebendige Stadt, nicht zuletzt aufgrund der zahlreichen Touristen, die die Stadt alljährlich aufsuchen. Cordoba ist reich an steinernen Zeugen der Geschichte, die alle bequem zu Fuß erreicht werden können. Aufgrund ihrer herausragenden kulturhistorischen Bedeutung wurden Altstadt und Moschee von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Geschichte

Kaum noch vorstellbar ist es für den heutigen Besucher, welchen Rang die Stadt in der Vergangenheit einnahm. Bereits unter den Karthagern eine wichtige Handelsstadt, wurde sie um 200 v. Chr. von den Römern besetzt. Eine Zeitlang hielt sich Cäsar in der Stadt auf, bevor er zum mächtigsten Mann des Römischen Reiches aufstieg. Cordoba war u.a. Heimat des berühmten Philosophen Seneca und auch des Dichters Lucanus.

Doch bei aller Bedeutung unter den Römern, zur höchsten Blüte gelangte die Stadt Andalusien: Maurisches Wasserrad in Cordobaunter den Mauren. Mit den Mauren wurde Cordoba ab 756 Hauptstadt eines unabhängigen Emirats unter Abd-ar-Rahman I. 929 erklärte sich Abd-ar-Rahman III. zum Kalifen, d.h. dem Nachfolger Mohammeds. In dieser Zeit des von Bagdad unabhängigen Kalifats, das kaum mehr als 80 Jahre andauerte, war Cordoba eine der größten Städte Europas, größer als das damalige Rom oder Paris. Die deutsche Dichterin Roswitha von Gandershei, nannte sie eine „Zierde der Welt“. Die Einwohnerzahl dürfte über 100 000 betragen haben, hunderte von Moscheen, Schulen und Hochschulen fanden innerhalb der Mauern Platz. Über 100 000 Bücher sollen die Bibliotheken der Stadt damals besessen haben, in einer Zeit, in der man in einigen Klosterbibliotheken Mitteleuropas stolz auf einige Dutzend Exemplare war. Cordoba verfügte über eine funktionierende Kanalisation, Hygiene wurde in hunderten von öffentlichen Bädern groß geschrieben. Die Straßen der Stadt waren beleuchtet, 7000 Jahre, bevor man in London oder Paris dies erreicht hatte.

Foto: Maurisches Wasserrad in Cordoba

Nach dem Zerfall des Kalifats in kleinere Königreiche erlangte Cordoba im 12. Jh. noch einmal eine Zeit der geistigen Blüte. Hier wirkten der Philosoph und Mediziner Averroes, ein Mittler des aristotelischen Gedankenguts nach Europa, sowie der jüdische Arzt und Philosoph Moses Maimonides, der durch seinen Versuch, Glauben und Vernunft zu verknüpfen, bekannt wurde. Cordoba war ein Schmelztiegel der Religionen und des Wissens der damaligen Welt, Christen, Juden und Moslems konnten unbehelligt nebeneinander leben. Gelehrte aus aller Welt zog es hierher in den Süden Spaniens. Mit der christlichen Eroberung durch Ferdinand III. 1236 setzte ein Niedergang der Stadt ein. Vorbei war es mit Cordoba als kulturellem Zentrum, Intoleranz machte sich breit. 1482 nahm das Inquisitionsgericht seine Arbeit in Cordoba auf. Trotz einer gewissen handelspolitischen Bedeutung kam Cordoba in der Folgezeit nie mehr über den Rang einer provinziellen Stadt hinaus.

 

 

 

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