DAS PORTAL DEUTSCHSPRACHIGER REISEJOURNALISTEN

Der Tiger im Glas und Asiatisches auf dem Teller

Singapur – Symbiose aus Gestern und Heute

Text und Fotos: Axel Scheibe

Singapur - Viele Bronzegruppen zieren die Innenstadt und stellen Szenen des Alltagslebens aus vergangenen Zeiten dar
Viele Bronzegruppen zieren die Innenstadt und stellen Szenen
des Alltagslebens aus vergangenen Zeiten dar

O je, das hatten wir nicht erwartet. Unsere erste Fußreflexzonenmassage wird zu einer Mutprobe. Wir hatten uns die Sache so schön vorgestellt: Nach stundenlangen Wegen durch die Straßenschluchten der Stadt wollten wir unseren Füßen etwas Gutes tun, sie sanft umschmeicheln lassen. Denkste! Jetzt wissen wir auch, warum Claudia Klaver, unsere deutschsprachige Begleiterin mit jahrzehntelanger Singapur-Erfahrung, ein bisschen gelächelt hat, als wir so enthusiastisch auf den Massageliegen Platz genommen haben. Der Mann, der sich mit viel Hingabe um meine Füße kümmert, sieht eigentlich ganz harmlos aus, doch sein Griff strahlt sein Äußeres Lügen. Ich weiß gar nicht, welcher Zeh am meisten weh tut. Oder ist der Schmerz auf dem Fußballen der schlimmste? Wie sagt man, es ist ein schönes Gefühl, wenn der Schmerz nachlässt. Nach knapp 30 Minuten wieder auf Singapurs Straßen unterwegs, können wir dieses Gefühl endlich genießen. „Ja, Fußmassagen, Massagen überhaupt, sind in Asien schon eine etwas andere Sache als in Deutschland“, klärt uns Claudia Klave nun schmunzelnd auf. „Besonders dann, wenn man sie so richtig authentisch erlebt, dort wo auch der Mann auf der Straße hingeht. An touristischen Zentren und in Hotels hat man sich schon den „verweichlichten“ Europäern angepasst.“ Gut, das macht uns nun etwas stolz, immerhin haben wir es überlebt und uns, so zumindest die Meinung unserer Masseure, für Langnasen wirklich gut gehalten.

Singapur - Viele Singapurer nutzen die kurze Mittagspause für eine Fußreflexmassage
Viele Singapurer nutzen die kurze Mittagspause für eine Fußreflexmassage

Eine kulinarische Tour durch Chinatown

Wieder richtig fit gilt es sich wichtigeren Dingen zu zuwenden. Immerhin steht für den Abend ein Bummel durch Chinatown auf dem Programm und so etwas steht gemeinhin für spezielle kulinarische Genüsse und ein buntes Handelstreiben. Die Sonne verschwindet gerade hinter der mächtigen Skyline der Stadt. Die richtige Zeit. So denken nicht nur wir und so sind wir schnell im Strom der Touristen und Einheimischen gefangen. Als Sir Stamford Raffles im Rahmen der Stadtplanung des gerade erst gegründeten Singapurs den Chinesen ein Gebiet südlich des Singapur Rivers zuteilte, hat er sicher mit keiner Seele daran gedacht, was für ein kulinarisches- und Erlebniszentrum hier eines Tages entstehen würde. Restaurant reiht sich an Restaurant. Die vielen kleinen Läden mit bunten Papierlampions sind kaum zu zählen. Hauptanziehungspunkt für uns die ungezählten Imbissstände mit den Speisen, die für Asien stehen. Satayspieße brutzeln auf kleinen Feuern, Laksa, eine Koksnuss-Curry-Suppe mit Reisnudeln brodelt im Topf und manch leckeres Fleischstückchen und ungezählte Frühlingsrollen braten im heißen Öl. Hier eine Kleinigkeit, dort ein Kleinigkeit – auch viel Kleinzeug macht satt und durstig. Logisch, dass wir uns zu all den Leckereien mit einem zünftigen Tiger-Beer stärken. Immerhin hatten wir am Vormittag Gelegenheit, mehr über diese, die vielleicht beliebteste Biermarke Asiens zu erfahren. Ein Entertainmentbereich der Brauerei lädt in St. James Power Station zu einer interessanten und heiteren Reise auf den Spuren des Gerstensaftes ein. Kostproben gab es natürlich auch. Das setzen wir jetzt fort.

Singapur - Chinatown ist bei Touristen und Einheimischen gleichermaßen beliebt, besonders dann, wenn die heiße Sonne verschwunden ist
Chinatown ist bei Touristen und Einheimischen gleichermaßen beliebt,
besonders dann, wenn die heiße Sonne verschwunden ist

Eigentlich schon richtig satt und ein bisschen faul drängt uns Claudia Klever zum Aufbruch. Drei Tage für den Tigerstaat Singapur, so wird er gern genannt, sind nicht viel. Da müssen wir die Zeit gut nutzen. Plötzlich stehen wir vor einem richtigen Aha-Erlebnis. Mitten in Chinatown, eingezwängt von seinen asiatischen Nachbarn, bietet Erich Sollböcks aus Österreich typisch Europäisches an. Mit dem Werbeslogan „letzter Imbissstand vor dem Äquator“ hat er nicht nur die Touristen von seinen leckeren Würstchen überzeugt. Seit 1996 lebt er in Singapur und seit fünf Jahren steht er hinter seinem Würstelstand im Chinesenviertel. „Man mag es kaum glauben, doch auch die Chinesen essen ganz gern mal eine gute Bratwurst“, sagt Erich Sollböck, während er die nächste Käsekreiner über die Ladentheke reicht. Der Mann ist in kurzer Zeit zu einer Institution geworden. Das Geschäft mit Bratwurst und Leberkäs läuft gut. Inzwischen betreibt er sogar um die Straßenecke eine eigene Bäckerei, damit auch die richtigen Semmeln zur Wurst kommen. Mittlerweile ist er selbst zu einem touristischen Ziel geworden. Kaum eine deutschsprachige Reisgruppe, die von ihrem Reiseführer nicht am Würstelstand vorbei geschoben wird. Der Andrang ist groß, doch wir bevorzugen vor Ort dann doch lieber Exotisches.

Singapur - Erichs Würstelbude in Chinatown
Erichs Würstelbude in Chinatown

Clark Quay

Der Clark Quay, Singapurs neues Zentrum der Nacht, wartet auf uns. Im Gegensatz zu Chinatown scheinen hier die Touristen das Zepter in der Hand zu halten. Supermodern und durch eine ausgeklügelte Dachkonstruktion sogar vor tropischen Regengüssen geschützt, kann man hier bis spät in die Nacht shoppen gehen, in zahllosen Restaurants den Blick auf den Fluss genießen oder in diversen Clubs die Nacht zum Tag machen.

Singapur - Neuer Anziehungspunkt für die Singapurer und ihre Gäste – der Clark Quay
Neuer Anziehungspunkt für die Singapurer und ihre Gäste – der Clark Quay

Das Ganze spielt sich in einem wahren Farbenrausch ab, der durch starke Scheinwerfer an Wände und Decken geworfen wird. Zeit für uns, den anstrengenden Tag bei einem gemütlichen Absacker ausklingen zu lassen. Dafür hat sich Claudia noch etwas Besonderes für uns einfallen lassen. Mit dem Fahrstuhl geht es hinauf in den 73. Stock des Swisshotel The Stamford. Nicht allein die wahrlich nicht billigen Drinks lohnen die „Auffahrt“, der Blick auf die Stadt von hier oben ist fantastisch und lässt noch Vieles erwarten. Eine Gelegenheit für Claudia uns vor der grandiosen Kulisse des nächtlichen Singapur zu erläutern, was auf uns in den nächsten zwei Tagen zukommen wird.

Singapur - Stadtpanorama von der Bar im 73. Stockwerk des Swisshotel The Stamford
Stadtpanorama von der Bar im 73. Stockwerk des Swisshotel The Stamford

So wie wir den heutigen Tag beenden, werden wir den morgigen beginnen. „Ihr könnt sicher sein, der Blick aus dem 73. Stockwerk ist am Tage fast noch beeindruckender als in der Nacht.“ Mit den richtigen Beziehungen kommt man also auch am Morgen in die Bar. Danach erwarten uns einige der Tempel, die in Singapur wichtiger Bestandteil der Geschichte sind. Der farbenprächtigste unter ihnen ist zweifellos der mit Figuren überladene Mariamman-Tempel, der die illustre Götterwelt der Hindus lebendig werden lässt. Doch auch die Sultansmoschee, der wichtigste Treffpunkt der Moslems in Singapur, steht auf dem Plan. „Nach all dem Historischen wollen wir auch dem modernen Singapur einen Besuch abstatten“, ergänzt Claudia den Tagesplan. „Dafür ist Singapur besonders bekannt.“ Wer all die großen Asiatischen Metropolen kennt, weiß, dass der Stadtstaat mit Abstand die sauberste unter ihnen ist. Damit aber auch, so manche Kritiker, die mit dem wenigsten asiatischen Flair. Was nicht so ganz richtig ist. Siehe als Beispiel Chinatown und Arabstreet. Doch das mit der Sauberkeit stimmt. Bei den drastischen Strafen, für die der Stadtstaat eher berüchtigt als bekannt ist, kein Wunder. Schon ein ausgespuckter Kaugummi kann mit 500 Singapur-Dollar zu Buche schlagen. So kann sich am hochmodernen Zentrum der Stadt manch europäische Metropole eine Scheibe abschneiden.

Singapur - Der meist fotografierte Tempel der Stadt, der Mariamman-Tempel veranschaulicht die Götterwelt der Hindus
Der meist fotografierte Tempel der Stadt, der
Mariamman-Tempel veranschaulicht die
Götterwelt der Hindus

Beim Bau der Esplanade, dem neuen Theaterzentrum, haben sich die Architekten wohl ein bisschen von ihren Kollegen in Sydney inspirieren lassen. Sollen es zwei riesige Schildkröten oder Igel sein, die es sich da an der Marina Bay gemütlich gemacht haben? Egal, ein Hingucker sind sie auf jeden Fall. An der weltberühmten Einkaufsmeile der Orchard Road wechselt ein riesiges Kaufhaus das nächste ab und wer es ganz besonders fein und hochklassig mag, der ist in den neuen Gourmettempeln in Vivo City an der Harbourfront genau richtig. „Das ist gleich gegenüber von dem Tiger live, wo ihr heute auf den „Bierspuren“ unterwegs gewesen seid.“ ordnet Claudia Klave diesen Programmpunkt ein. „Und dann geht es zur Nachtimpression in den Zoo.“ Zoo? Ist das nicht was für Kinder. Doch Claudia ist anderer Meinung. Immerhin wurde der Zoo in Singapur vom berühmten Forbes-Magazin zum schönsten der Welt gewählt. Außerdem, wo gibt es das sonst, eine Nachtsafari auf den Spuren wilder Tiere in einem Tierpark.

Sentosa

Bleibt Tag drei unserer Stippvisite, bevor es mit einem Kreuzfahrtschiff in Richtung Vietnam auf große Reise geht. „Den Tag habe ich komplett für Sentosa frei gehalten“, so Claudia. Und damit hat sie wohl gut getan. Wir wissen aus dem Reiseführer, was uns auf der kleinen Insel vor den Toren der Stadt alles erwartet. Zum Glück ist es kein Sonntag, denn dann drängen regelmäßig zehntausende Familien aus dem Häusermeer ins Grüne. Und da der kleine Stadtstaat davon nicht viel hat, ist Sentosa dann übervölkert.

Singapur - Faszination im Orchideengarten
Faszination im Orchideengarten

Gleich am Anfang, wenn das Fotolicht noch stimmt und die Sonne noch nicht senkrecht am Himmel steht, soll es ein Abstecher in den Orchideenpark werden. Das wünschen wir uns. Die Fotos im Reiseprospekt sind zu schön. Das Klima in Singapur, nur ein paar Dutzend Kilometer vom Äquator entfernt, könnte für Orchideen auch nicht perfekter sein. Danach sollten wir uns das Geschichtsmuseum ebenso nicht entgehen lassen, wie einen Bummel trockenen Fußes durch die Unterwasserwelt und einen Abstecher zum Fort Siloso, der einzigen erhalten gebliebenen Festung Singapurs. So beschreibt Claudia ihre Vorstellungen. Eines aber werden wir uns zum Abschluss nicht entgehen lassen, die eine oder andere erholsame Stunde an einem der Strände der Insel. Auf dem Kreuzfahrtschiff bleibt uns dann nur noch der Pool an Deck.

Singapur - In der Unterwasserwelt ist man im wahrsten Sinne des Wortes unter Wasser
In der Unterwasserwelt ist man im wahrsten
Sinne des Wortes unter Wasser

Informationen:

Singapore Tourism Board
Hochstraße 35-37
60313 Frankfurt
Tel.: 069/9207700
Fax:069/2978922
E-Mail: info@stb-germany.de
Internet: www.visitsingapore.de

Seite 1 / zur Startseite






Twitter
RSS