Reisemagazin schwarzaufweiss

Spielwiese im Hochgebirge

Verbier im Wallis

Text und Foto: Hilke Maunder (him)

Schweiz - Bergspitzen im wallisischen Val de Bagnes

Verbier, 1531 m hoch im wallisischen Val de Bagnes gelegen, ist umgeben von einer Bergwelt im Schatten des Mont-Fort (3.300), die Aktiven nahezu unbegrenzte Möglichkeiten bietet, sich im Hochgebirge “auszupowern” – ganz klassisch beim Wandern und Bergsteigen, ganz trendy mit Trottinettes, Großrollern mit Mountainbike-Reifen.

Schweiz - Verbier im Wallis - mit Trottinettes, Großrollern mit Mountainbike-Reifen, in den Bergen unterwegs

Mit Trottinettes in den Bergen unterwegs

Knallrot stehen sie dort an der Bergstation von Les Ruinettes: Arapaho Trottinettes, XXL-Roller mit Federgabel und Motocross-Reifen. In der Sprache der Apachen beideutet Arapaho „das Volk, das vom Berg hinab steigt, “ und genau das lockt jetzt an diesem Sommermorgen: eine Abfahrt hinab nach Médran, stehend – und mit Speed.

Anfangs ist die Bergstraße noch asphaltiert. Dann geht es über Stock und Stein, genauer gesagt, eine Mountain-Bike-Strecke, über weite Almen, den Blick auf Sand, Gras, Wurzeln und Fels gerichtet. Und nicht auf den Grand Combin (4.314 m), der über Verbier wacht. Eine zweite Trottinettes-Abfahrt startet in 2238 m Höhe an der Bergstation Savoleyres. Genau dort, wo im Winter die längste Rodelbahn der französischen Schweiz beginnt, sausen jetzt keine Schlitten, sondern eine Handvoll Jungs auf Trottinettes hinab nach La Tzoumaz, den Kopfhörer mit lauten Beats im Ohr.

Schweiz - Verbier im Wallis - Blick vom Mont-Fort

Blick vom Mont-Fort

Als Mekka der Mountain-Biker gilt der 3.300 m hohe Mont-Fort. Wer sich nicht auf der berühmten Grand-Raid-Strecke messen möchte, kann sich den Aufstieg sparen und sein Bike mit der Seilbahn zum Start der Tour Mont-Fort transportieren. Die wohl beste Tagestour – mit Start in Verbier, La Tzoumaz oder Nendaz – gibt es in zwei Varianten: als „Easy“ oder „Pro –Rider“ Route über jeweils 50 Kilometer. Unterwegs locken traumhafte Ausblicke auf den Tracouet See, den Tortin Gletscher und den Col des Gentianes.

Schweiz - Verbier im Wallis - Mountainbiking

Mountainbiking

Zu den fünf Trails im Verbier Bikepark sind 2014 noch zwei neue Strecken hinzu gekommen: der 1,4 km lange Freeride-Trail „Borthabitch“ und, als Höhepunkt der gesamten Anlage, die 2,2 km lange Strecke „La Rôdze” mit 62 Sprüngen von bis zu fünf Metern. Neu hinzugekommen sind ebenfalls 18 Enduro-Routen, die Bus und Seilbahn als Aufstiegshilfe nutzen. Gemütlicher sind die neun markierten E-Bike-Strecken – zwei Routen sind für Familien ausgewiesen. Und auch Straßenfahrer können in Verbier Adrenalinkicks erleben und ihre Grenzen ausreizen. Auf der „Grand Boucle“ können sie sich an der Walliser Etappe der Tour de France versuchen und den Großen Sankt-Bernhard-Pass erklimmen. 41 Kilometer und ungezählte Kehren, erst bergab nach Semprancher, dann auf der D21 stetig bergauf. Der eigentliche Passanstieg begibt in Bourg St-Bernhard: steil, so richtig schön steil. Quäl dich, ist das Motto. Nach 6,5 Kilometern und der letzten Kurve ist das Ziel erreicht: das Hospiz der Augustinermönche mit seinen berühmten Rettungshunden. Mit 2009 Höhenmeter gehört die Nordrampe des Sankt Bernhard übrigens zu den höhenmeterreichsten Aufstiegen der Alpen. Und übertrifft selbst das berühmte Stilfserjoch.

Schweiz - Verbier im Wallis - Wanderer

Nahezu unendlich sind die Möglichkeiten zum Wandern. 500 Kilometer Wege sind ausgewiesen, vom Themenweg bis zu Mehrtagesrouten. Mit einem Kunstpfad wird auch Kultur ins Hochgebirge verpflanzt. Hauptsache: Der Gast kann etwas erleben in Verbier. Action und Adrenalinkicks sind das Ziel. Ruhige Natur und beschauliche Bergwelt sind von gestern. Das Hochgebirge heute? Ein Spielwiese für Städter, die im Urlaub die Kicks suchen, die der Alltag nicht bieten kann. Und so ist auch das Angebot für Kletterfans fast größer als für herkömmliche Wanderer.

Schweiz - Verbier im  Wallis - Kunstpfad

Objekt am Kunstpfad

560 Klettersteige und 30 Klettergärten in sieben Art von Fels. Angenommen werden die vielen Aktivangebote, die für Adrenalinkicks und Action sorgen, vor allem von Männern: Jugendlichen, die Go-Pro-Kameras an ihre Helme geschraubt haben und alles für Youtube und Co. filmen, und Väter, die es genießen, sich mit ihren Jungs auszupowern. Frauen treffe ich erst auf der Anhöhe, die etwas abseits vom Trubel liegt: Bei einer Strala-Session mit der US-Yoga-Star Tara Stiles am Croix de Cœur auf 2.174 m Höhe. Die 28jährige ehemalige Balletttänzerin hat Yoga eine gewisse Leichtigkeit und Unbeschwertheit verliehen, die auch in Verbier hoch auf der Alm zu spüren ist – mit Lachen und Gekicher statt stiller Meditation. Auf den beiden 18-Loch-Plätzen von Verbier jedoch herrscht bis heute stille Vornehmheit. Unterhaltungen sind, wenn überhaupt, leise zu führen. Und lachen, wenn ein Schlag daneben geht, ist völlig verpönt.

Schweiz - Verbier im Wallis - Rundflug mit Hubschrauber

Rundflug mit dem Heli

Mehr Humor hat da die junge Pilotin von Heli Alps, die am Croix de Cœur mit ihrem Écureuil von Eurocopter eine Gruppe zu einem Rundflug zu den drei Paradegipfeln Mont-Blanc, Grand Combin und Cervin mitnimmt. Und dabei selbst sichtlich Spaß hat, mit Tempo auf schroffe Wände und eisige Bergspitzen zuzusausen, den Hubschrauber hochzuziehen und dann steil die Flanken hinab hin zu Eisfeldern und Gletscherspalten zu führen. Kaum zurück, wartet bereits der nächste Kick auf den Gast: ein Gleitschirmflug. Wer nicht selber den “Parapente“ steuern kann, hängt als Tandem im Schirm, und gleitet in weiten Kehren über die letzten Reste von Hochwald, die am Hang überlebt haben, Almen und Outdoor-Action-Terrain hinab ins Tal, hin zu jenem Ort, der zu den Impulsgeber des Imagewandels von Verbier gehört: das W Hotel.

Schweiz - Verbier im Wallis - W Hotel

W Hotel

Music, Fashion und Design sind die drei Säulen der Starwood-Hotelmarke aus den USA, die am 1. Dezember 2013 im Walliser Bergdorf das erste Alpendomizil des 1998 in New York gegründeten Labels eröffnete. Metall, Glas, Stein – der neue Hotelkomplex W hat den Ortsteil Médran verändert. Die viel großen Chalets aus Holz verbinden Glaskuben; mit Leder und Glas in rot und anderen Farben haben Designer aus Amsterdam das Innere eingerichtet. Stylish, jung und effektvoll wie die Zielgruppe: eine lifestyleorientierte, aktive Jeunesse dorée. Vor der Haustür hat sich die neue Place Blanche mit Beach Bar und Lifestyle-Läden als In-Treff etabliert. Die nahe Seilbahn zum Mont-Fort (3.300 m) erschließt fußläufig das alpine Abenteuerterrain, das im Winter mit 412 Pistenkilometer, schier unendlichen Hors-Pisten-Angeboten und Heli-Skiing ebenfalls für grenzenlose Action in den Alpen sorgt.

Aufgetankt wird im hauseigenen Spa bei Hot-Stone-Massagen – und beim Stockholmer Torsten Sällström, der beim Spanier Sergi Arola gelernt hat und nun mit kleinen, verspielten Gerichte Gaumen und Augen verwöhnt – und dafür im März 2014 von Gault-Millau zum Koch des Monats gekürt wurde. Mit ihrem Lifestyle-Konzept und dem Motto „Offen für Neues“ mischt die Trendmarke das Traditionsziel der Gutbetuchten, das bislang berühmt war für sein sommerliches Musikfestival, mit Erfolg auf. Schon jetzt haben sich die Besucherzahlen deutlich verjüngt, schwärzt Joël Sciboz, der seit Oktober 2013 Direktor des Office du tourisme de Verbier-Val de Bagnes ist. Die norwegische Marketingchefin des W Hotels Verbier, Martina Nerheim-Alsen, ist schon lange überzeugt: “Verbier ist ein guter Ort, um Grenzen auszureizen.”

 

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