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Schweiz

Fasnacht in Luzern

Text und Fotos: Dirk Schröder

Fast eine Woche lang im Februar steht die Altstadt von Luzern Kopf, dann ziehen die Menschen mit ihrer phantasievollen Maskerade durch die Gassen, die Guggenmusiker mit ihren Blechinstrumenten spielen so schwungvolle Stücke, dass man unweigerlich zu tanzen beginnt.

Wer in Luzern als Zuschauer, wie bei den meisten Veranstaltungen dieser Art, am Straßenrand das Treiben beobachten möchte, wird sich ohne Maskerade schnell als Außenseiter fühlen und bald zur Schminke greifen, sich ein verrücktes Gewandt anlegen und sich ins Getümmel stürzen. Edle Masken, wie man sie aus Venedig kennt, gehören ebenso zum bunten Bild wie die traditionellen Verkleidungen als Krienser Hexe, als Schweizer Käse, Bernhardiner und ganz, ganz verrücket Maskierungen wie die Paradiesvögel, die Kopffüßler oder das Kresse-Pärchen... Nach dem Motto: "es ist alles erlaubt" legt jeder in Luzern Wert auf ein originelles Outfit.

Die Luzerner Fasnacht bricht am Schmutzigen Donnerstag, um fünf Uhr in der Früh mit dem Urknall über die Stadt herein und entlädt sich wie ein Gewitter über den Stadtkern. Dieser Fasnachtsregen verzieht sich erst wieder am Aschermittwoch im Morgengrauen. In dieser Zeit taucht Luzern ein in ein fasnächtliches Straßentheater, das von Kreativität, Spontaneität, Rhythmus und Lebensfreude nur so sprüht. Die Musikgruppen ziehen durch die Gassen und mit ihnen Tausende von Passanten in ihren Kostümen. Auf den Plätzen halten die Gruppen, formieren sich und lassen es so richtig krachen. Zum Aufwärmen ziehen die Musikgruppen in die "Beizen", mischen sich unter die Gäste und spielen zum Dank für die Freirunde wieder ein flottes Stück. So geht das den ganzen Tag, bis am Nachmittag der "Fritschiumzug durch die Straßen zieht, wo Zehntausende Spalier stehen. Dann werden Orangen von den Wagen geschmissen und es fliegen Bonbons durch die Luft. Am Kapellplatz umkreist der Fritschiwagen den Fritschibrunnen. Auch die Brunnensäule trägt Masken, die Fritschi und seine Fritischene zeigen. Anschließend zieht der Umzug weiter in die Neustadt.

Das Fasnachts-Treiben verlagert sich am Wochenende in die Außenquartiere, wo wiederum wunderschöne Umzüge durch die Straßen ziehen. In der Nacht wird dann auf vielen Maskenbällen in und rund um die Stadt Luzern bis in die frühen Morgenstunden zu den Klängen der Guggenmusiken gefeiert und getanzt. Am Montag früh kehrt das bunte Treiben wieder in die Altstadt von Luzern zurück und klingt erst am Aschermittwoch-Morgen in der Frühe aus.

Am Montag verwandelt sich die Altstadt erneut zu einer einzigen "Festhütte" mit Konfetti, Bratwürsten, Herzilein, Schunkeln und Hopsen. Es wird aus allen Rohren geblasen, perfekt, wie es sich an der Fasnacht gehört. Die Hits aus den Charts wellen aus Posaunen und Trompeten und dazu wird im Rhythmus gehüpft und gehüpft und gehüpft wie in einer riesigen Disco. Wie in Trance tauchen die Menschen in den fasnächtlichen Rhythmus ein.

Höhepunkt und Finale ist der Monsterkorso am sogenannten Güdisdienstag, angeführt wie immer von der Fritschifamilie. An die hundert Musikgruppen ziehen dann durch die Straßen und hauen noch einmal richtig auf die Pauken, blasen die Trompeten und läuten die Schellen. Die Stadt brodelt und zittert, noch einmal wird aus allen Rohren geschränzt, die Saxophone und Trommelfelle traktiert.

Ein letztes ausgelassenes Aufbäumen mit Glitzer und Glimmer, Stampfen und Wippen bis in die Morgenstunden. Jeder weiß, das es dann bald vorbei ist und sieht sich schon wieder an seinem Schreibtisch, vor dem Computer oder im Laden stehen...

Warum Orangen und wer ist Fritschi?

Wie in Basel geht wohl auch die Luzerner Fasnacht auf alte heidnische Bräuche zurück. Mit Lärm und Fratzen wurden die Wintergeister vertrieben. Gleichzeitig wollte man den Gott des Frühlings und der Fruchtbarkeit feiern und beschwören. Große Feuer sollten der Sonne neue Kraft geben.

Die Hauptfigur der Luzerner Fasnacht ist der Bruder Fritschi. Wer der Bruder Fritschi wirklich war, das wird steht's ein Geheimnis bleiben. Nach einer Version kommt der Name Fritschi von der Feier des Fridolinstages zur Erinnerung an die Schlacht bei Ragaz, in welcher 1200 Eidgenossen einen glänzenden Sieg über 6000 Österreicher erfochten hatten und damit der alte Zürichkrieg beendet wurde. Zum anderen wird bei dem Chronist Diebold Schilling etwa um das Jahr 1500 zum erste Mal dieser Fritschi erwähnt. Er meint damit eine Strohpuppe, die jeweils am Schmutzigen Donnerstag in die Stadt hinein geführt worden war, umgeben von Harnischträgern und Musikanten. Später wurde der Strohpuppe eine Maske umgebunden. Nach der Überlieferung setzte später ein Passant die Maske selber auf. Um 1600 schildert der Stadtschreiber ihn als verkleideten Mann mit einem weiß-blauen Rock, dessen Gesicht hinter einer seltsamen Maske steckt. Er und seine Frau seien dann hoch zu Ross und in Begleitung waffentragender Bürger, Fähnriche und junger Leute durch die Stadt hindurch zur Zunftstuben gezogen. Dort fand am Abend die jährliche Harnischschau statt, denn jeder Luzerner musste einmal im Jahr seine Waffen und sein Harnisch reinigen und kampftüchtig halten. Daraus entwickelte sich ein fröhlicher Zug, der mit einem lustigen Fest endete. Als die Feuerwaffen aufkamen fanden keine Harnischschauen mehr statt, doch auf die Umzüge wurde nicht verzichtet. Anstelle von Waffen wurden nun Masken getragen. Diese vermummten Gestalten geisterten des Nachts bei Fackelschein durch die Gassen Luzerns. Seit dem vorletzten Jahrhundert werden Schauumzüge mit geschichtlichen und aktuellen Nummern veranstaltet.

Ach ja, die Orangen: weil es sich um die Safran-Zunft handelt. Diese führt mit ihren drei reitenden Herolden und der Zunftfahne die Umzüge an und alle werfen dann zentnerweise Orangen in die Menge.

Reiseinformationen zu Luzern

Luzern Tourismus AG
Bahnhofstr. 3
CH-6002 Luzern
Telefon 041 227 17 17
Telefax 041 227 17 18
luzern@luzern.com
www.luzern.com/de/

 

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