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Rodelbahn in Grindelwald

 

Bad Ragaz

 

Traditionelle Holzbauweise in der Schweiz

 

Bergwelt in der Schweiz

Fotos: Volker Mehnert (3); Beate Schümann (1); I. Eigendorf (3)



 





Kurzportrait

Die Schweiz? Kennt doch jeder, oder? Wilhelm Tell, Banken, Schokolade, Löcherkäse. Wer so denkt, ist aber höchstens mal durchgefahren, auf dem Weg nach Italien oder Frankreich. Man braucht schon etwas Zeit, um sich über das Klischee hinwegzusetzen. Dann trifft man so Unbekanntes und Ungewöhnliches wie hochalpine Gletscherflöhe, einen Tannen-Urwald, eine Fastnachtstradition namens Roitschäggätä, den höchsten Weinberg Europas, einen aufregenden Klettersteig für Familien, die längste Rodelstrecke der Alpen, den Bunjy Jump aus einer Gondelbahn, die mit 28 Grad Steigung steilste Postbusstrecke Europas, eine Filmkulisse von James Bond, ein schwebendes Restaurant in der Bergbahnkabine, einen Eispalast im Gletscher, eine Bergwiese mit 500 typischen Alpenpflanzen und unblutige Kämpfe zwischen wilden Kühen.

Berner Oberland

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Ach so: Und natürlich kann man auch die Spuren Wilhelm Tells verfolgen, ein Nummernkonto eröffnen, dreieckige Toblerone kaufen und den Löchern im Emmentaler Käse auf den Grund gehen. Denn die Schweiz-Klischees kommen schließlich nicht von ungefähr.

Zürich gilt als Bankenstadt, und in der Bahnhofstraße stehen tatsächlich die unerschütterlichen Festungen des soliden Reichtums. Vielleicht versperrt der hektische Gang der Geschäfte aber zu oft den Blick auf eine der schönsten und lebendigsten Städte Europas. Die engen Gassen der Altstadt stecken nämlich voller Geschichte und sprudeln vor studentischem Leben und kulturellen Angeboten. An der Limmat und am Zürichsee liegen liebenswert altmodische Badeanstalten, und im Hintergrund veredeln die verschneiten Berge das Stadtbild. Und neuerdings rollt eine junge Welle trendiger Kultur durch die Vororte.

In der Zentralschweiz steht der Ur-Berg des Schweizer Tourismus: die Rigi. Leicht erklimmbar, standen von Goethe bis Bismarck alle Prominenten des 19. Jahrhunderts auf dem Gipfel, um den sagenhaften Sonnenaufgang zu genießen. Dort erhebt man sich auch heute noch leichten Herzens über den Vierwaldstättersee und Luzern und kann versuchen, die Alpengipfel zu zählen, die das Panorama umrahmen. Nicht weit entfernt hat der Tunnel durch den St. Gotthard zwar den Transitverkehr enorm beschleunigt, doch vermittelt eine Fahrt über die Höhen der historischen Paßstraße ein weitaus tiefgründigeres Erlebnis.

Die Ostschweiz lebt vom Rhein und vom Bodensee und gibt sich touristisch bescheiden. Das anfangs umstrittene Etikett vom „Heidiland“ kommt beim Publikum immer besser an und hat zu einer Renaissance des Heidi-Kults geführt. Auch wer nicht ans unschuldige Almleben glaubt, findet eine ziemlich heile Bergwelt auf den ursprünglichen Skipisten am Pizol, in den warmen Quellen von Bad Ragaz und auf der autofreien Sonnenterrasse von Braunwald. Man darf sich nicht einmal wundern, daß sogar der internationale Finanzplatz im Kleinstaat Liechtenstein geprägt ist von Hobby-Winzern, begeisterten Skifahrern und einem Fürstenhaus, das von der aristokratischen Schickeria gebührenden Abstand hält.

Eine Berglandschaft der Superlative: Graubünden allein besitzt 462 Dreitausender. Und mittendrin die Nobeladressen St. Moritz, Davos, Arosa sowie die heimeligen Dörfer des Engadin. Der schönste Blick ist leicht zugänglich - mit der Bergbahn zum Muottas Muragl bei Pontresina. Die heißeste Fahrt geht durch den Eiskanal der Bobschlitten in Celerina, und die wirksamste Entspannung verschafft das römisch-irische Bad in Scuol. Nur über die aufregendste Skipiste wird es wohl nie eine Einigung geben.

Wer eine Villa im Tessin besitzt, gilt schon seit jeher als Inbegriff des Privilegierten. Doch der italienische Teil der Schweiz ist auch für den gewöhnlichen Touristen zugänglich: Das milde Klima von Lugano ist sprichwörtlich; Locarno, Bellinzona, Ascona und Chiasso sind die Vorboten Italiens. Ein Hauch von Mittelmeer am Alpenrand. Wer immer noch zweifelt, sollte einmal Hermann Hesse lesen, in dessen Büchern die Tessiner Landschaft oft genug zum Hauptdarsteller avanciert.

Basel, Rhein, Dreiländereck. Kein Wunder, daß die Industriestadt inzwischen zu einem europäischen Brennpunkt geworden ist. Die Kunst- und Theater-Szene genießt höchste Aufmerksamkeit und Anerkennung, die Fastnacht ist geradezu legendär. Insider schwärmen von Kaffeehäusern, die noch das klassische Ambiente solcher Etablissements bereithalten. Deren Adressen werden aber hier nicht verraten. Soll man doch selbst mal auf die Suche gehen, statt immer wieder an diesem Eingangstor zur Schweiz vorbeizufahren.

Die Mittelgebirgslandschaft des Jura kommt beinahe unschweizerisch daher. Eine willkommene Erholung vom Monumentalen der Alpengipfel. Und doch ist auch hier die klassische Schweiz präsent, denn der Jura ist die Heimat der Uhrmacherkunst. Vor Jahrhunderten entwickelte sie sich in den entlegenen Tälern zur vollen Blüte, und auch heute sind viele renommierte Firmen ansässig. Der Besuch von traditionellen Manufakturen und hochmodernen Uhrenmuseen gewährt einmalige Einblicke in Geschichte und Gegenwart der Zeitmessung.

Die Altstadt von Bern ist UNESCO-Weltkulturerbe. Sechs Kilometer lang sind insgesamt die Arkadengänge innerhalb der harmonischen mittelalterlichen Architektur. Drumherum fließt in malerischer Schleife die Aare, und mit deren rasender Strömung kann man sich im Marzili-Bad treiben lassen - die aufregendste Abkühlung seit der Erfindung des Schwimmbads. Schade nur, daß das Wankdorf-Stadion abgerissen wurde, wo Fritz Walter, Helmut Rahn & Co. den Ungarn 1954 den Weltmeistertitel entführten.

Neuenburg (Schweiz)

Das Expogelände in Neuenburg

Im Berner Oberland stehen die Paradeberge der Schweiz: Eiger, Mönch und Jungfrau. Wer sich nicht mit Steigeisen in die Eiger-Nordwand traut, nimmt die Bahn - eine Fahrt zum Jungfraujoch gilt sogar Japanern und Chinesen als Höhepunkt ihrer Europareisen. Nicht ganz zu Unrecht, denn von der Bergstation aus hat man nicht nur einen gewaltigen Blick übers Gebirge, sondern auch direkten Kontakt zum größten Gletscher der Alpen: dem Aletsch, der inzwischen von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt wurde. Wengen, Mürren und Grindelwald präparieren Skipisten der Sonderklasse; die Abfahrt am Lauberhorn ist ein Weltcup-Klassiker und doch von normal Sterblichen zu bewältigen.

mehr zu: Welt(kultur)erbestätten in der Schweiz

Das Wallis ist ein landschaftliches Wunder. Aus den steilen Weingärten zwischen Rhône und Gletschern kommen die besten Schweizer Weine - oft von raren Rebsorten wie Amigne oder Arvine. Das Matterhorn gilt in der ganzen Welt als der perfekt geformte Alpengipfel überhaupt, und wer einmal in Zermatt war, der versteht warum. Die Deutschen wissen auch mit Namen wie Bettmeralp und Riederalp etwas anzufangen, doch nur selten verirren sie sich ins französisch geprägte Crans-Montana. Wissen sie nicht, daß dort auf der Piste Nationale einer der besten Skihänge des Landes lockt und sich auf einem Hochplateau der Golfplatz mit dem schönsten Alpenpanorama befindet?

Lausanne

Lausanne im Abendlicht

Das Waadtland ist eine Art Schweiz im Kleinen: Seen, Berge, Weingärten und noble Städte am Ufer des Genfer Sees. Montreux und Vevey sind seit Jahrhunderten klassische Kur- und Badeorte, und daß sich das Internationale Olympische Komitee in Lausanne niedergelassen hat, ist auch kein Zufall. Wenn eine derart verwöhnte Region im Sommer auch noch mit einer nicht enden wollenden Festival-Serie aufwartet, dann scheint das fast des Guten zuviel. Wann soll man denn da noch Zeit finden für die reizvollen Wanderungen oberhalb des Genfer Sees?

Gehört Genf überhaupt zur Schweiz? Die ehrenwerte calvinistische Gesellschaft, die ihren Reichtum bis heute hinter den herrschaftlichen Mauern der Altstadt verbirgt, scheint jedenfalls auf einer sozialen Insel zu existieren. In den Villenvierteln am Genfer See versteckt sich eine internationale Schickeria aus Ölscheichs, Filmstars und abgedankten Diktatoren. In den noblen Geschäften verkehren die Mitarbeiter von Unterorganisationen der UNO, die hier ihren europäischen Sitz hat. Genève, kein Zweifel, ist eine abgetrennte Welt für sich, man schaue nur mal auf die Landkarte.

Volker Mehnert

Adressen, Links, Musik und Bücher



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Reiseinfos

Reisezeit
Da weder Monsun noch Wirbelstürme noch tropische Hitzewellen die Alpen heimsuchen, erübrigen sich Angaben über die besten Reisemonate. Jeder weiß selbst, wann er seine Schweiz-Tour antritt, zumal sich herumgesprochen hat, daß im Winter eher die Skifahrer und im Sommer lieber die Wanderer kommen. Doch sogar das läßt sich problemlos umkehren, denn Sommerski und Winterwandern sind selbstverständlich längst im Programm.


Lebenshaltungskosten Jeder meint es zu wissen - die Schweiz ist teuer. Aber im norddeutschen Tiefland muß man nun einmal die Coladosen nicht mühselig auf eine Berghütte schaffen. Und auch in anderen Skigebieten der Welt kommt man gratis höchstens zu Fuß auf den Gipfel. Und doch bieten sogar die Eidgenossen manchmal unerhörte Schnäppchen: In La Chaux-de-Fonds serviert eine Kneipe das Glas Wein für sage und schreibe 60 Räppli. Die Schweiz an sich ist also nicht teuer, für exklusive Leistungen jedoch sind stattliche Preise zu entrichten. Wie überall.


Einreiseformalitäten Vorsicht. Da die Schweiz nicht zur EU gehört, gibt es noch Regeln, die wir an anderen europäischen Grenzen längst vergessen haben. Aber so kompliziert ist´s auch wieder nicht: Reisepaß oder Personalausweis sollten zur Hand sein. Nach persönlichen Gegenständen und Reiseproviant wird kein Zöllner fragen, der interessiert sich hauptsächlich für Alkohol (maximal 2 Liter Bier oder Wein und 1 Liter Spirituosen) und Tabak (maximal 200 Zigaretten oder 50 Zigarren). Dazu dürfen noch Geschenke im Wert von 100.- CHF und sonstige Waren ebenfalls bis 100.- CHF eingeführt werden. Sonderregelungen existieren für Fleisch.


Krankenversicherung Beim Urlaub in gesunder Bergluft sollte man eigentlich nicht krank werden. Falls es doch passiert: vorsichtshalber bei der Versicherung erkundigen, ob Krankenkosten im Ausland außerhalb der EU abgedeckt sind.


Sicherheit
Wenn die Schweiz eines Tages ein unsicheres Reiseland werden sollte, dann dürfte es um den weltweiten Tourismus wahrlich schlecht bestellt sein. Vorerst leben hauptsächlich die Bergsteiger gefährlich. Zwar hat die Bergrettung einen ausgezeichneten Ruf, doch sollte man sich im Gebirge in jedem Fall so verhalten, daß die Hubschrauber im Hangar bleiben können.

Statistik

Einwohner: 7,1 Millionen, das sind 172 pro Quadratkilometer. Weil große Teile des Landes unbewohnbare oder geschützte Bergwildnis sind, konzentrieren sich die Menschen im Unterland. Trotzdem ist selbst Zürich mit seinen 350.000 Einwohnern nicht gerade eine wuchernde Metropole.
Lage: Jahrtausendelang war die Schweiz Durchgangsstation von Nord nach Süd, von West nach Ost. Das ist heute nicht anders, was manche Täler am drohenden Verkehrsinfarkt merken. Zum Ausgleich für die großzügige Bereitstellung von Tunneln und Transitrouten haben die Schweizer deshalb auch Besucher verdient, die aus der Blechlawine ausscheren und ihr Land etwas genauer unter die Lupe nehmen.
Hauptstadt: Nein, nicht Zürich, sondern Bern. Und das zu Recht, denn das etwas verschlafene Städtchen paßt zur traditionsorientierten Schweizer Politik. Genf andererseits ist weitaus weltoffener und die Arbeits-Hauptstadt der UNO; dort haben die meisten Unterorganisationen des Weltbundes ihren Sitz.
Wirtschaft und Währung: Die Europäische Union hat es noch nicht geschafft, die Schweizer Wirtschaft einzugemeinden. Das mögen manche bedauern, doch birgt dies den Vorteil, daß nicht jede Ecke des Landes mit den stromlinienförmigen Produkten der EU verstopft ist und man deshalb überall auf regionale und landestypische Eigenheiten trifft. Das gilt auch für den Schweizer Franken, der sich im stürmischen Euro-Meer tapfer behauptet. Fast immer aber sind die Speisekarten zusätzlich mit €-Preisen versehen, und die meisten Geschäfte akzeptieren selbstverständlich die europäische Superwährung.
Tourismus: Wer Berge hat, kriegt auch Touristen. Das haben die Schweizer schon vor Jahrhunderten erfahren, als die ersten „englischen Spinner“ die Gipfel erstürmten und Herr Goethe sich über den St. Gotthard kutschieren ließ. Erst haben sich die Eidgenossen widerwillig mit den Fremden arrangiert, doch längst sind sie willkommene Gäste. Wer wollte schon verzichten auf die 13 Milliarden Franken, die ausländische Besucher jedes Jahr ausgeben. Aber aufgepaßt: Die Schweiz ist kein alpiner Themenpark; dort leben auch Menschen, die ganz gewöhnlichen Beschäftigungen nachgehen und nicht zur Touristenbetreuung abgestellt sind.
Sprachen: Die Schweizer Alpen sind kein moderner Turmbau zu Babel, sondern ein gelungenes Experiment mit der Mehrsprachigkeit einer Nation. Zwei Drittel der Bewohner sind deutschsprachig, zwanzig Prozent sprechen französisch, acht Prozent italienisch. Nur einer von hundert kann rätoromanisch, und doch gilt auch diese Sprache als eine der vier offiziellen Landessprachen. In der Deutschschweiz existiert, wissenschaftlich hochtrabend, eine „funktionale Diglossie“, d.h. es wird Hochdeutsch geschrieben und Dialekt gesprochen. Freundlicherweise beherrschen die Deutschschweizer aber auch mündlich das Hochdeutsche und wenden es gegenüber Besuchern aus dem nördlichen Nachbarland gerne an.