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„Kunst & Architektur“ - eine Themenroute durch die Schweiz

Unterhalb von Alm und Gipfel

Text: Volker Mehnert
Fotos: Volker Mehnert (außer wie ausgewiesen)

Die Schweizer pflegen ihr Land gern in zwei Hälften zu teilen: in die „Schön-Schweiz“ der Berge und Seen und in die „Gebrauchs-Schweiz“ der besiedelten und manchmal zersiedelten Täler und Ebenen. Längst ist diese Trennung freilich illusionär. Die einst unberührte Bergwelt ist mit Bergbahnen und Bauwerken überzogen, während sich unten im Tale Inseln der Kunst und Ästhetik etabliert haben. Besucher haben ihren Blick dennoch am liebsten in die Höhe gerichtet: auf Almen, Skipisten und Gipfel. Das soll jetzt anders werden. Die sorgfältig ausgearbeitete Themenroute „Kunst & Architektur“ zeigt in sechsundzwanzig Städten Wege zur Kultur und beweist, dass auch die Schweiz des Alltags touristisch keineswegs belanglos ist.

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Die kulturelle Rundreise zwischen Basel und Bellinzona, Genf und St. Gallen richtet sich nicht an den klassischen Kulturtouristen und Kunstkenner, der sich von Museum zu Museum und von Kirche zu Kloster hangelt. Stattdessen soll die Themenroute ein breites Publikum ansprechen und jeden neugierigen Reisenden auf ungewohnte Pfade locken. Vielfalt ist Programm, und tatsächlich sind Bekanntes und Überraschendes, Ernstes und Amüsantes, Schönes und Umstrittenes in den Routenvorschlägen enthalten. Klassische, von der Unesco als Weltkulturerbe anerkannte Ziele wie die Stiftsbibliothek in St. Gallen, das Kloster St. Johann in Müstair und die Burgen von Bellinzona bilden das historische Rückgrat der Kultur-Tour.

Architektonische Kontrapunkte dazu setzen die futuristischen Bauwerke der Schweizer Renommier-Architekten Renzo Piano, Mario Botta und Peter Zumthor, die ihre kreativen Spuren nicht nur in aller Welt, sondern bevorzugt auch in ihrer Heimat hinterlassen haben: Propheten der internationalen Baukultur, die sogar im eigenen Land etwas gelten.

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Auch Randerscheinungen der Architektur und Kunst wie die lustig-verspielte Häuserzeile Les Schtroumpfs in Genf oder die Jugendstilfenster von Siedlungshäusern in La Chaux-de-Fonds haben Eingang in die Kultur-Route gefunden. Ebenfalls vertreten sind zahlreiche gar nicht zur Besichtigung gedachte Nutzbauten wie Santiago Calatravas Polizeizentrale in St. Gallen, der Bahnhof von Zug mit seinen neuartigen Lichtprojektionen oder die zum trendigen Stadtteil mutierten Lagerhallen des Quartier Flon in Lausanne. Hinzu kommen außergewöhnliche Industriebauten wie die Grande-Dixence bei Sion, Europas höchste Talsperre, und die Saltinabrücke in Brig, die sich bei Hochwasser automatisch anhebt.

Die Route wird präsentiert in einer Broschüre, die mit knappen Texten, aussagekräftigen Fotos und Übersichtskarten die Lust auf eine Kulturreise durch die Schweiz weckt. Als zusätzliche und äußerst praktische Handreichung für den Touristen dient ein Begleitheft für die Jackentasche, das kompakt und übersichtlich nicht nur Highlights und Geheimtipps auflistet, sondern auch die Adressen von Hotels und Restaurants nennt, die sich dem Thema Kunst und Architektur auf jeweils eigene Weise verschrieben haben: zum Beispiel das Felsenhotel La Claustra im Gotthardmassiv, die originellen Pfahlbauten des Hotels Palafitte im Neuenburgersee, das Bistro Le Petit Paris in La Chaux-de-Fonds mit seinen großartigen Kellergewölben und der Berner Kornhauskeller mit seiner beinahe sakralen Atmosphäre. Dort kann man sich in künstlerisch inspiriertem Ambiente vom Kunstgenuss erholen.

 

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