Das Geheimnis der „Alpbestoßung“
Nachdem die Eringerkühe den Winter in ihren Ställen verbracht haben, werden sie, wie viele andere Kühe auch, im späten Frühjahr auf die Alm getrieben. Bereits während des Almauftriebs treffen sie auf Tiere benachbarter Ställe, und sogleich beginnt eine Rangelei um die Hierarchie in der Herde. Oben angekommen, liefern sich die Kühe hitzige Kämpfe, aus denen am Ende die „Königin der Herde“ hervorgeht. „Alpbestoßung“ nennt das der Walliser Bauer. Es ist keine Auseinandersetzung auf Leben und Tod, denn die Schwächeren geben rechtzeitig auf. Und nach der Herstellung der Rangordnung gehen alle wieder friedlich miteinander um.

Auch bei anderen Kuhrassen gab es früher eine Konkurrenz um die Hierarchie. Aber die meisten Milchkühe wurden zu hochgezüchtet und besitzen nicht mehr die Energie, sich auf ihre Artgenossinnen zu beziehen. Die streitsüchtige Natur der Eringer jedoch blieb erhalten. Sie werden gehalten wie jede andere Kuh, vor den Wettkämpfen allerdings weniger gemolken. Kühe, die an den Frühjahrskämpfen teilnehmen, müssen vorher gekalbt haben, Kühe in den Herbstkämpfen müssen trächtig sein. Damit wird sichergestellt, dass auch die streitbaren „Eringerinnen“ normale Kühe bleiben und nicht zu einer „Kampfrasse“ hochgezüchtet werden.
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