Schweiz

Lila Kühe unerwünscht

Schweiz Wallis Kuh mit Glocke
Ringkuhkämpfe im Wallis:
ein Volksfest mit streitsüchtigem Viehzeug

Text und Fotos: Volker Mehnert

Die Kuh ist eigentlich das sanftmütige Schweizer Vorzeigetier an sich. Abgesehen von der berüchtigten lila Ausführung grasen auf den Wiesen und Almen der Eidgenossenschaft ungefähr siebenhundertfünfzigtausend Exemplare. Die meisten gehen ihrer angestammten Verpflichtung nach und produzieren Milch. Doch es gibt Ausnahmen: Im Wallis lebt die Rasse der Eringer. Weil diese Kühe sich von Natur aus gegenseitig attackieren, haben die Bauern versucht, ihre latente Aggressivität in Bahnen zu lenken, und daraus ein Volksfest gemacht: den Ringkuhkampf.

Die beiden Kühe stehen sich kampfbereit gegenüber. Mit weißer Farbe hat man ihnen Startnummern auf den dunkel-braunen Rücken gepinselt. Tigress, Nummer 125, und Coquette, Nummer 154, starren sich mit ihren großen Glupschaugen durchdringend an. Sie scharren mit den Hufen, wühlen mit den Hörnern kräftig Staub auf und legen ein handfestes Imponiergehabe an den Tag.

Schweiz Wallis Kuehe mit Nummern

Ganz unvermittelt gehen sie dann aufeinander los, stoßen mit den Köpfen zusammen und verkeilen ihre Hörner. Sie drücken und schieben, doch keine gibt auch nur einen Zentimeter nach. Es ist eine Kraft- und Geduldsprobe, die länger als eine Minute dauert. Dann aber kommt Bewegung in die Körper: Tigress nutzt eine kleine Schwäche ihrer Gegnerin aus, schiebt sie zur Seite und legt ihr ganzes Gewicht gegen deren Körper. Coquette dreht ab, sie gibt sich geschlagen. Doch schon steht für die beiden die nächste Konfrontation an, denn der Kuhkampf im Walliser Städtchen Raron ist in vollem Gange.

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