Von allen Seiten
her mit Bergen umgeben, haben sich Brauchtum und Traditionen, besonders
solche aus dem Sennenleben, länger als anderswo gehalten. Wie
vor 700 Jahren werden die hellbraunen Kühe heute noch jeden Sommer auf
die Almen gebracht. Im Mai ist es wieder so weit. Die festlichen Alpfahrten,
die nur zweimal im Jahr zu sehen sind, zählen zu den Höhepunkten im
Leben der Appenzeller Sennen.
Der sommerliche
Weidegang beginnt mit einem choreographisch geordneten Aufmarsch. Vorneweg
eine Schar von Ziegen, die von einem Jungen in Senntracht getrieben
werden.
Der Senn folgt im Feststaat, einer prächtigen roten, fein bestickten
Tuchweste, weißem Hemd, knallgelben Knielederhosen und messingbeschlagenen
Hosenträgern. Im rechten Ohr trägt er das "Ohrschuefe", den Goldschmuck
der Männer, auf dem Kopf den schwarzen Fladenhut mit farbigen Bändern
und Stoffblumen. Über der linken Schulter hängt der hölzerner Fahreimer
mit dem bunt bemalten "Bödeli" auf der Unterseite. Hinterdrein
trotten die drei schönsten Kühe mit aufeinander abgestimmten Senntumsschellen,
die an reich verzierten Lederriemen um den Hals baumeln.

Den Abschluß
bilden die Bauern, allesamt in braunen Hosen, der Rest des Braunviehs,
ein Pferdewagen mit den Alpgerätschaften und, zu guter Letzt, die Schweine.
Doch kaum einer der Almbauern verkäst noch an Ort und Stelle seine Milch.
Sie bringen sie in Kannen zum Stand an die Straße, wo sie von einem
Tankwagen in die hochmodernen Käsereien gebracht wird. In jedem Milchjahr
werden daraus rund neun Millionen Appenzeller Käselaibe hergestellt.
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