Reisemagazin schwarzaufweiss

Eiskalt im Trend

Nach Stockholm zur kalten Jahreszeit

Text und Fotos: Hilke Maunder

750 Jahre Stockholm: Keine Metropole lässt wie sie den Winter leuchten. Cool gestylt vom Bett bis zur Bar – die schwedische Hauptstadt setzt eiskalt die Trends.

Schweden Stockholm Eisbar am Tresen

Das Rentierfell auf der Tür ist reinste Zierde - zum Wärmen wird jeder Besucher in einen Polarponcho gepackt: Silbrig-glänzend vermummt, mit riesigen Fausthandschuhen an den Fingern, Fellkappe auf dem Kopf und Moonboots an den Füßen. So waren auch Pierce Brosnan und Kelly Osborne gut vorbereitet für ihren Bar-Besuch: Die Ice-Bar im Designhotel Nordic Sea ist die angesagteste Location in Schweden.

Arktisches Eis und nordisches Licht

Schweden Stockholm Eisbar mit Gast

Siebzigtausend Besucher bestaunten bereits die erste permanente Eisbar der Welt; maximal 30 Gäste können sie zeitgleich allabendlich genießen. Alles ist hier aus Eis: der Tresen, die Stehtische und Skulpturen, die blau schimmernden Ziegel des Mauerwerks. Eiskalte Kuben sind auch die Gläser, gefroren aus dem kristallklaren Wasser des Torne-Fluss in Nordschweden. Die Getränkekarte entspricht dem Ambiente: Wodka pur oder als Long drink, gemixt mit Lemon, Lingonberries, Cranberries oder anderen arktischen Beeren. Große Kühlaggregate halten die Temperatur bei konstant minus sechs Grad. Da friert selbst die Münze, als Trinkgeld für den Barmann gedacht, binnen Sekunden am Tresen an.

Die Icebar entstand in Kooperation mit dem Icehotel in Jukkasjärvi. Wie es sich dort wohnt, lässt sich in der Ice Gallery erleben. Im Gamla Stan, der Altstadt von Stockholm, wurde dazu aus zwölf Tonnen Eis eine Suite des Eishotels nachgebaut. Hier sind nicht nur Bett, Tisch und Stuhl, sondern auch die Leuchten und die Leinwand aus Eis. Die Eisskulpturen (Foto unten) fertigte der Stockholmer Künstler Bengt Carling, der gern ungewöhnliche Materialien verarbeitet. Knorriger Ingwer wandelt sich zu filigranen Figuren; Salatgurken zu Gurkenpressen, die beim Festbankett der Nobelpreisverleihung zum Einsatz kamen.

Schweden Stockholm Eisgallerie mit Kunstwerk

Nicht nur das arktische Eis, auch das nordische Licht ist Trend: Wenige Schritte von der Eisbar entfernt, taucht Polarlicht das Nordic Light Hotel in Farbspiele von Blau bis Rot. Im Kamin knistern das Feuer, kunstvoll arrangierte Teelichter setzen Akzente. Im Winter fallen Schneeflocken auf die weißen Wände, zu Ostern blühen gelbe Narzissen, am Valentinstag regnet es rote Rosen. Für diese innovativen Licht-Arrangements wurde das Designhotel am Hauptbahnhof schon der European Light Trophy ausgezeichnet.

Schweden Stockhom Eisgallerie zwei Skulpturen

Ice Gallery

Fünf Etagen Entertainment

Im Winter, wenn sich die fahle Sonne nur wenige Stunden zeigt, inszeniert die 750 Jahre alte Stadt ihre Sehnsucht nach Licht alljährlich am 13. Dezember mit dem Lucia-Fest, einer Prozession von Stockholm nach Skansen zu Ehren der Heiligen Lucia. Wie eine hellweiße Stele aus Eis erhebt sich die beleuchtete Stahl-Skulptur auf dem Sergels Torg in den nachtschwarzen Himmel.

Schweden Stockholm Sergels Torg

Sergels Torg bei Nacht

Vier Uhr zeigt die Uhr, und alle Stockholmer scheinen nur einen Gedanken zu haben: jetzt einen Kaffee. Bis auf den letzten Platz sind die zahlreichen Coffee-Shops und Kaffeehäuser besetzt; vor dem Panoramacafé im Kulturhuset reicht die Warteschlange bis an die Rolltreppe. Mehr als 3,5 Millionen Gäste zählt alljährlich die schwedische Antwort auf das Pariser Centre Pompidou, das auf fünf Etagen Entertainment für alle bietet: mit Familienausstellungen, Theater, Kino und einem Rom för Barn, einer Lese- und Bastelebene für Kinder.

Der Sergels Torg, dessen Breitseite das Kulturhuset einnimmt, ist das pulsierende Zentrum der Stadt, Schnittpunkt der Verkehrsadern und Einkaufsstraßen. An der Fußgängerzone Drottninggatan liegen die beiden großen Kaufhäuser Åhléns und Pub; an der Hamngatan das „NK“, Stockholms exklusives Traditionskaufhaus Nordiska Kompaniet. Hinter seiner Jugendstilfassade zeigen bekannte schwedische Designer und internationale Modeschöpfer in eigenen Abteilungen teure Trendmode.

Eiskalte Krabben auf warmem Toast

Am Norrmalmstorg beginnt Östermalm, der edle Osten der Stadt. Um 1920 schockierte hier der Designer Josef Frank in der „Svenskt Tenn“ mit üppig farbigen, floralen Stoffen und sachlich-modernen Möbeln die Schweden. Heute sind seine Entwürfe heiß begehrt, und das Ladengeschäft am Strandvägen ein Pilgerziel für seine Anhänger. Filippa K, Nathalie Schutermann, Anna Hotblat und andere angesagte schwedische Modedesigner haben an der Grev Turegatan ihre Shops. In der nahen Sturegallerian, einer Einkaufspassage mit 50 exquisiten Läden, wird derzeit ein Kleinod restauriert: das Sturebadet – ein opulenter Badetempel von 1890. Mehr als fünfzig Spa-Anwendungen, Massagen und Packungen ergänzen das Planschen im Nostalgiepool.

Schweden Stockholm Östermalm

Modernes Design in Östermalm

Aus der gleichen Zeit stammt Östermalms Saluhall. Die 1888 eröffnete Markthalle ist ein Mekka für Feinschmecker, die hier nicht nur ausgesuchte schwedische Spezialitäten kaufen, sondern bei Lisa Elmquist für viele Kronen kosten können: Fisch aus Stockholms Schären, fangfrisch serviert mit dem obligatorischen Stengel Dill. Ihr Klassiker ist jedoch ein Teller mit Kleingetier: Skansen - eiskalte Krabben auf warmem Toast.

Schweden Stockholm  Einkaufshallen

Markthalle in Östermalm

 

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