Immer wieder frisch verliebt
Von nun an geht es bergab zum Baltischen Meer hin. Doch zuvor der Vätternsee wie ein strahlendes Meer. Nachdem die längst zusammengewachsene Schiffsgesellschaft eine Hechtfarce mit Krebstimbal genossen hat und ein mit Steinpilz gefülltes Hähnchenfilet in Sauce aus schwarzen Johannisbeeren, stellt sich wohlige Mittagsmüdigkeit ein, und es ist so herrlich, auf den Rettungskisten der windgeschützten Leeseite zu sitzen und im Sonnenspiel zu dämmern.

Die Juno an der Bergschleuse
Am dritten Tag im vielleicht schönsten Kanalabschnitt, empfindet man das ausgeschaltete Telefon als Zivilisationsmüll, eine SMS zu schicken als prosaischen Unsinn. Elegische Ruhe liegt in den spiegelnden Kanalalleen, Enten fliegen auf wie Silberblitze. Man schaut in Stilleben aus krummen Bootsstegen und uralten Ahornriesen, passiert das Göta Hotel mit seinen Klöppelgardinen, pastellfarbene Schleusenwärterhäuschen und Dorfflecken mit stillen, freundlichen Leuten.
Ein Video zum Göta Kanal finden Sie hier!
Der Techniktourist kommt erst wieder am legendären Schleusensystem
von Berg zum Zuge. Durch 15 Kammern geht es treppab auf 33 Meter - fast
auf das Niveau des Eiszeitmeers, aus dem die Granitlandschaft ihre Buckel
gehoben hat. Am letzten Abend folgt die Juno in vollem Lichterornat dem
ausgelassenen Spaziergang der Passagiere auf einem verwachsenen Treidelpfad.
Nur ein Pärchen ist an Bord geblieben und hat sich einen 17 Jahre
alten Cognac bestellt. So lange sind sie verheiratet und kommen alle paar
Jahre auf die Juno zurück, um sich wieder frisch zu verlieben. Wie
bei ihrer ersten Begegnung auf dem Achterdeck zum Fünfuhrtee.
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