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Luxus der Langsamkeit

Auf dem Göta Kanal quer durch Schweden

Text: Jule Reiner / Fotos: Jürgen Lecher

Das Schiffchen MS Juno liegt so altertümlich vertäut am Packhuskai von Göteborg und spiegelt so selbstsicher die Eleganz eines frühen Passagierdampfers, dass man augenblicklich das dritte Jahrtausend verlässt, wenn man seine Decksplanken betritt. Die Juno ist das älteste fahrende Passagierschiff überhaupt, schnittig und so stark gebaut, dass sie für die Meere und größten Seen Schwedens ebenso gerüstet ist wie für die engsten Stellen des Göta Kanals. Auch das „Blaue Band Schwedens“ genannt, gilt die 190 Kilometer lange Kanalstrecke – einst die frühindustrielle Verbindung zwischen Skagerrak und Ostsee – heute als eine der schönsten Wasserstraßen der Welt.

Schweden Göta Kanal Angler
Schwedische Idylle: der Angler und das Schiffchen

Mit dem Expresszug würde man in gut drei Stunden von Göteborg nach Stockholm gelangen. Auf dem Kanal dauert die Reise vier Tage. Mit einem Klacken der schweren Mahagonitür tritt man ein in die kleine Luxuskabine mit Klappbett, Spiegelkommödchen, Waschtisch und Goldarmaturen, und es fehlte nur, dass sich die Passagiere biedermeierlich verkleiden, solch manierliche Stimmung kommt da sofort auf. Mobiltelefone sind an Bord ausdrücklich unerwünscht.

Schweden Göta Kanal Juno
Liebenswert altmodisch

Die Juno gibt ein altmodisches Hupen von sich und schon stampft sie aus dem Hafen. Möwen schreien, eine salzige Brise weht um die Nase beim ersten Fünfuhrtee auf dem Achterdeck, bis das Schiff aus dem Meer heraus in den Trollhättan Kanal einfährt. Parallel zu den heutigen Megaschleusen liegen darin drei der alten Schleusenketten, in denen die Juno damals passgenau die ersten 32 Höhenmeter überwand. Im Trollhättan Kanalmuseum kann man aber auch ermessen, welch übermenschliche Kraft das größte Tiefbauprojekt, das je in Schweden durchgeführt wurde, gefordert hat. In 23 Jahren schafften 60.000 Männer rund sieben Millionen Tagewerke am Projekt (ein Tagewerk waren damals 12 Stunden). Acht Millionen Kubikmeter Erdreich der Urlandschaft wurden aufgegraben, Basalt gesprengt, Dämme und Schleusen von Hand gemauert.

Ein Video zum Göta Kanal finden Sie hier!

Solche Fakten verblüffen nicht nur einen Techniktouristen, der mit von der Partie ist: ein pensionierter Eisenbahnführer, dem es die vielen historischen Hebebrücken entlang der Strecke angetan haben und der deshalb schon zum dritten Mal mit der Juno unterwegs ist. Die anderen vierzig Passagiere aber sind wegen der Romantik der Langsamkeit dabei, und sie bewegen sich auch schon so. Seit den ersten Tagen der Kanalfahrten heißt es, man gewinne auf diesem familiären Schiffchen leicht Freunde fürs Leben. Und einige Alleinreisende könnten auch das sicherlich brauchen.

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