DAS PORTAL DEUTSCHSPRACHIGER REISEJOURNALISTEN

In ein Haus der Kirkpatricks, einer alteingesessenen Fischerfamilie, die bei dem Unglück einen Sohn und ein Mitglied ihrer Crew verloren, zog schon ein paar Monate später eine junge Familie mit ihren drei Kindern ein. Und ausgerechnet bei ihnen hatten wir am Vortag an die Tür geklopft...

"Niemand wird mehr mit euch sprechen", hatte Joyce gesagt.Und so ist es dann auch. Die Lehrerin reagiert tatsächlich nicht auf unser Klingeln, selbst die Gemeinderätin nicht. Als sie uns vor ihrem Fenster stehen sieht, legt sie ihre Zeitung beiseite und geht nach hinten in die Küche.

Im "Heritage Centre" Ionas heißt uns Marie Hay am Vormittag herzlich willkommen. Auch sie hat an diesem folgenschweren 13. Dezember einen Sohn verloren und offensichtlich noch nichts von uns gehört. Aber wenig später, denn am Nachmittag schaut sie durch uns hindurch, als wir ihr auf der schmalen Hauptstraße begegnen. Auch die Kellnerin lächelt nicht mehr, als wir bei ihr noch einmal haggis bestellen.

"Vielleicht bilden wir uns das alles auch nur ein", sagt Mike, als wir an der Schule vorbei zur Abtei laufen.

"Willst du noch mal bei der Lehrerin klingeln? ", frage ich.

Nein, will er nicht.

Die Luft ist rein und mild und ein sanfter Wind streichelt über das saftige Gras. Überall Blumen, selbst in den kleinsten Ritzen. Die ganze Insel atmet Geschichte. Sie war den Menschen im Mittelalter so heilig, dass 48 schottische, vier irische, acht norwegische Könige und unzählige Clan-chiefs nur hier begraben werden wollten. MacBeth war der letzte schottische König, der auf Iona seine ewige Ruhe fand - direkt neben Duncan I., den er tötete.


Hobby-Maler am "Great war memorial" an der Martyrs Bay
( Märtyrer-Bucht), wo die alten schottischen Könige lagen,
bevor sie auf der "Straße des Todes" zum Friedhof an der
Iona Abbey gebracht wurden

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