Am nächsten Morgen will Joyce unbedingt, dass wir Jeff hinter dem Hügel kennen lernen, der auf der Insel keltische Kreuze für die Touristen schnitzt. Er kam vor zwanzig Jahren aus Birmingham hierher. "Er liebt es, stundenlang unter weitem Himmel über die Insel zu laufen, ohne je einem Menschen zu begegnen. Er sagt immer: Du spürst den Planeten unter deinen Füßen und glaubst, als einziger daraus hervorzuragen. Dann fühle ich mich wie der kleine Prinz von Saint - Exupéry. Ist das nicht schön?"


Blick auf Mull

Und die Lehrerin, die müssen wir auch unbedingt kennen lernen. Sie ist so glücklich mit ihren vier Schüler, die sie liebt, als wären es ihre eigenen Kinder. Wie sehr hatte Joyce davon in Yorkshire geträumt.

Jetzt will sie nur kurz mit ihr telefonieren, um uns anzumelden - doch nach ein paar Minuten kommt sie betroffen aus der Küche zurück."Ihr habt gestern im Iona Cottage nach der Tragödie vor zwei Jahren gefragt. Das hättet ihr nicht tun dürfen. So eine Insel ist sehr privat, ein einziger Organismus. Da kennt jeder jeden, da spricht man nicht über seine Trauer und seine Geheimnisse. Und: Wieso habt ihr mir nicht davon erzählt?"
Ja, warum? Wir wollten keine schlafenden Hunde wecken.

"Die sind längst geweckt", sagt Joyce. Niemand auf der Insel wird mehr mit euch sprechen. Jedenfalls nicht die, die hier immer leben".

Wahrscheinlich hätten wir vor unserer Reise ein paar Bücher von Hugh MacDiarmid lesen sollen. Der hat einmal geschrieben:"Wir Schotten mögen keine Vertraulichkeit, keine Intimität und Geselligkeit. Uns liegt das Unzugängliche, Widersetzliche und Verbissene..."

Jetzt ist es dafür zu spät. Wir fragen Joyce, ob wir gehen sollen, weil sie sonst Ärger bekommt mit ihrer Gemeinde.

Doch das will sie keineswegs:"Gott hat euch zu mir geschickt. Das war kein Zufall".Und dann sagt sie uns doch noch ein paar Sätze über den tragischen Tod der vier jungen Männer, obwohl es ihr schwer fällt. Erzählt von der unglaublichen Trauer, die über der Insel liegt, und von dem späteren Entschluss der Inselbewohner, in der "Oban-Times" eine Annonce aufzugeben: "Haus zu vermieten. Nur junge Familien mit Kindern gesucht." Wie sollte die Insel sonst überleben?

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