Wir finden zwei kleine Zimmer mit Blick zum Meer, in der Küche der jungen freundlichen Wirtin riecht es nach frisch gebackenen scones mit Himbeermarmelade und vor dem Kamin liegt schon der Torfsoden für ein wärmendes Feuer am Abend bereit.
"Hier auf dieser Insel kannst du doch eigentlich nur eins sein - glücklich", sagt Mike, als wir inmitten von wildem Thymian, Gänseblümchen und Moosveilchen auf einer Wiese sitzen, wild entschlossen, diese Insel und ihre Menschen auf immer und ewig zu lieben.
Doch am Abend, vor dem noch kalten Kamin, werden wir aus unseren Träumen gerissen. Plötzlich ist alles anders. Und der Grund: Wir haben eine einzige falsche Frage gestellt. Die nach dem tragischen Unglück, das am 13. Dezember 1998 auf dieser Insel geschah. Wir hatten darüber erst kurz zuvor in der Reisebroschüre gelesen und waren voll ehrlicher Anteilnahme.
Fünf junge Männer, oder besser: fünf Söhne der Insel Iona waren an diesem 13. Dezember zu einer Party auf die Insel Mull eingeladen und mit ihrem kleinen Boot hinübergefahren, um ein bisschen Spaß zu haben. Sie brauchten gerade mal fünf Minuten, obwohl schon am frühen Abend das Meer ziemlich rastlos um die Insel rauschte und düstere Wolkenfetzen über den weiten Himmel rasten. Doch die fünf waren guter Dinge. Sie waren schließlich Fischer, kannten und liebten ihren Ozean.
Im Morgengrauen des 13. Dezember aber, da unterschätzten sie ihn. Eine riesige Welle überrollte ihr Boot mit solcher Gewalt, dass es kenterte in der eisigen See. Vier von ihnen ertranken, nur einer erreichte das andere Ufer und riss mit seinen Hilferufen die Inselbewohner aus ihren Träumen.
Eine der Leichen fanden sie nach wenigen Stunden am Ufer von Iona. Die drei anderen erst nach vier Wochen. Seitdem ist auf dieser Insel nichts mehr, wie es war. Von zwanzig Familien haben vier ihre Zukunft verloren. Nun trägt die Insel Trauer. Hinter der Sommersonne ist Winter.

Friedhof mit
dem Grab eines der jungen Männer
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