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Sâo Tomé und Príncipe im Überblick

Es mag eine reizvolle Vorstellung sein, zu den "höchstens zwanzig Touristen" zu zählen, die wöchentlich die lange Reise in den kleinen zentralafrikanischen Inselstaat unternehmen. Aus der Sicht einiger Tourismusexperten ist der nur ganz wenigen als Reiseziel bekannte Archipel am Äquator inzwischen so etwas wie ein "Geheimtip für Afrikasüchtige" und wer einmal seinem Fernweh nachgab, schwärmt fortan von einem "unverdorbenen Tropenparadies". Atemberaubende Naturerlebnisse und spannende Begegnungen mit den Insulanern - der "afrikanische Traum", schon allenthalben auf dem Rückzug, hier ist er noch lebendig.

Sao Tomé

Noch reichlich Platz für Besucher

Badeurlauber finden am türkisfarbenen Atlantik ihren eigenen palmengesäumten Strand, Wanderfreunde ein abenteuerliches Terrain, Taucher die erhofften fischreichen Korallenriffe. Städtische Kolonialbauten und die Plantagenarchitektur ländlicher Gebiete als Zeugen der portugiesischen Überseeherrschaft werden historisch Interessierte ebenso faszinieren wie das Kommen und Gehen, das Seßhaftwerden und Verschmelzen unterschiedlichster Völkerschaften. Naturfreunde wird die üppige tropische Vegetation mit einer vielfältigen Vogel-, Frosch- und Schlangenwelt, darunter eine große Zahl endemischer Arten, in Erstaunen versetzen.

Sao Tomé

Relikte portugiesischer Herrschaft

Sâo Tomé und Príncipe sind Teil einer einst vulkanischen, vom Kamerun-Berg ausgehenden Inselbrücke. Einige erloschene Vulkankrater bestimmen noch das Landschaftsbild. Besonders eindrucksvoll sind im Südwesten der Insel die senkrecht mehrere hundert Meter aufsteigenden dicht bewachsenen Vulkanschlote (sog. Phonolithschlote), die man hier "duques" nennt. Fast die Hälfte Sâo Tomés bedeckt ein Bergmassiv (bis zu 2.024 m). Die von ihm radial ausgehenden zahlreichen Flüsse bilden vielfach tief eingeschnittene Täler. Es schützt den Norden der Insel gegen die regenträchtigen Passatwinde aus Südwest. So findet man hier savannenähnliches Hügelland, das in der Trockenzeit auch schon mal Sahel-Charakter annehmen kann. Elefantengras, Raphiapalmen und die eigenartigen dickbäuchigen Baobab-Bäume gedeihen hier, auch Kokos- und Ölpalmen und einige Bananenpflanzungen. Kakaoplantagen ziehen sich bis auf 900 m die Bergflanken des zentralen Massivs hinauf, ab 600 m bis nahe 1000 m von Kaffeepflanzungen begleitet. Wo keine Kulturflächen angelegt wurden, herrscht Regenwald vor, der oberhalb der 1000-m-Linie in tropischen Bergwald übergeht. Die kleine Nachbarinsel Príncipe hat ein weniger stark ausgeprägtes Relief. Die Berge erreichen hier nur Höhen von 948 und 935 m. Regenwald bedeckt große Teile der Insel, Landwirtschaft ist nur schwach entwickelt.

Sâo Tomé, die Hauptstadt mit See- und Flughafen, Mittelpunkt des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Insellebens, liegt im traditionell dicht besiedelten nördlichen Küstensaum. Sie ist eine lebendige Kleinstadt, deren Architektur die Erinnerung an die portugiesische Herrschaft wach hält. Bunt und aufregend sind die Märkte, unkompliziert der Kontakt zu Händlern und Müßiggängern. Das Fort, die große Festungsanlage der Kolonialherren, läßt sich durchstreifen und die Kathedrale bestaunen. Rückblicke in die Geschichte des Archipels, auf das elende Leben der Sklaven auf den Zuckerrohr-, Kaffee- und Kakaoplantagen vermittelt das Nationalmuseum. Man erfährt, daß nach der Besitzergreifung zunächst Zuckerrohr angebaut und Sâo Tomé neben der Kapverdeninsel Santiago zum weltweit ersten tropischen Plantagengebiet wurde und hier auch das patriarchalische Modell der späteren Zuckerrohrpflanzungen Brasiliens entstand. Die neuen Konkurrenten trieben die santomeischen Zuckerbarone gegen Ende des 17. Jahrhunderts in den Ruin. Als Umschlagplatz für Sklaven hielt sich die Insel über Wasser. Dann, Anfang des 19. Jahrhunderts, kamen Kaffeestrauch und Kakaobaum ins Land und begründeten einen beispiellosen Plantagenboom, der Sâo Tomé 1913 in den Rang des größten Kakaoproduzenten der Erde katapultierte.

Westlich der Hauptstadt, in den nördlichen Erhebungen des zentralen Bergmassivs, liegt die berühmte Kaffeeplantage von "Monte Café". Hier lassen sich Einblicke in den Anbau und die Verarbeitung des früher so bedeutenden Exportguts gewinnen. Heute werden nur noch rund 1.000 Sack Kaffee ausgeführt, überwiegend nach Skandinavien. Dabei hat der santomeische Arabica-Kaffee einen guten Ruf. Sein Geschmack wird als "vollmundig" klassifiziert. Körper, Säure und Harmonie sind überdurchschnittlich - ideale Voraussetzungen zum Mischen.

Eine Fahrt entlang der Ostküste führt zu den herrlichen Badebuchten Praia das Conchas, Praia Piscina oder Praia Micondo und sie berührt immer wieder die alten Plantagenhöfe portugiesischer Kolonialherren, museale tropische Gutsbetriebe, einst errichtet in der eigenwilligen portugiesischen Plantagenarchitektur. Manche von ihnen verfallen und nur wenige wurden restauriert. Zu einer herrschaftlichen "Roca" gehörte eine kleine Kirche, eine Schule und Krankenstation, Wirtschaftsgebäude und das Wohnhaus des Plantagenleiters mit dem charakteristischen Balkon, der das gesamte Haus umläuft. Zu besichtigen sind die Rocas Agua Izé, Sâo Joâo dos Angolares und Ribeira Peixe an der Küste oder Bombaim und Agostinho Neto in den Bergen.

Gepflegte Ferienanlage in Strandnähe

Gepflegte Ferienanlage in Strandnähe

Weiter geht die Fahrt die Ostküste hinunter zum kleinen Fischerhafen Porto Alegre nahe der Südspitze, Ausgangspunkt für eine Bootsfahrt der besonderen Art. Das angelaufene Eiland "das Rolas" ist nicht nur als Schildkröteninsel bekannt, es liegt genau auf dem Äquator! Eine Säule zeigt ihn an. Nach der unvermeidlichen Äquatortaufe locken die Traumstrände der unbewohnten Insel.

Die gesamte Südhälfte von Sâo Tomé nimmt das zentrale Bergmassiv ein, das zu großen Teilen als Schutzgebiet ausgewiesen werden soll. Als Obô-Nationalpark erfaßt dieses Terrain einzigartige Biotope, deren Bedeutung in der ungewöhnlich großen Zahl von endemischen Pflanzen (120 Arten) und Vögeln (25 Arten) liegt. ECOFAC (ECOsystèmes Forestières d`Afrique Centrale), ein EU-finanziertes Programm zum Schutz von sechs zentralafrikanischen Regenwaldgebieten, wirkt hier gemeinsam mit der deutschen GTZ auf dem Gebiet der Öko/Bioforschung, Infrastrukturentwicklung, Ausbildung, Ökotourismus etc. Auch im Südteil der Nebeninsel Príncipe entsteht mit Hilfe dieses Programms ein Obô-Nationalpark. Knapp 300 km² soll die geschützte Fläche beider Parks umfassen. Das von Sâo Tomé mit dem Flugzeug zu erreichende, nur 139 km² große Príncipe ist nicht nur für Naturfreunde ein Eldorado. Hier lassen sich an schönen einsamen Buchten und Stränden Badefreuden genießen, man kann angeln und schnorcheln und das kleine Naturparadies wandernd erkunden.

Eckart Fiene
Fotos: © Gildemeister

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