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Zankapfel der Kolonialmächte

Bereits vor rund drei Jahrtausenden Jahren ließen sich Menschen mit südostasiatischen Wurzeln auf dem Samoa-Archipel nieder. Von hier, der "Wiege Polynesiens", machten sich ihre Nachfahren einige hundert Jahre später in Auslegerbooten auf, um die westlicheren Insel Polynesiens zu besiedeln. Wegen der vielen kleinen Boote, die er vor Samoa sichtete, vermutete der französische Forschungsreisende Louis de Bougainville 1768 dort die Heimat guter Seeleute und nannte sie "Navigator-Inseln". Als erster Europäer, der seinen Fuß auf Samoa setzte, gilt der Holländer Jacob Roggeveen, der 1772 auf der Suche nach dem großen Südkontinent die Inseln ansteuerte. Deren Fruchtbarkeit lockte bald Handelsschiffe an. Vor allem England, die USA und Deutschland zeigten vor und auf Samao Flagge. Schon 1855 hatte sich die Hamburger Kaufmannsfamilie Godeffroy auf Samoa niedergelassen. Sie begründete das Imperium ehrgeiziger Pflanzer und Händler, die mit dem Export von Kopra, getrocknetem Kokosnussfleisch, reich wurden. 1899 wude das Archipel aufgeteilt: Der Osten mit Tutuila und der Manua-Gruppe kam unter amerikanische Verwaltung, der Westen mit Upolu und Savaii fiel dem Deutschen Reich zu. Dort erlebten die Insulaner vierzehn Jahre lang das, was nicht wenige ihrer Nachkommen heute "die gute deutsche Zeit" nennen. Sie ist zweifellos dem Gouverneur Wilhelm Solf zuzuschreiben, der gegen den Unmut der deutschen Pflanzer für die Einheimischen den Schutz ihrer Landrechte und eine Art Selbstverwaltung durchsetzte. Mit dem Ersten Weltkrieg endete die "gute deutsche Zeit" und Neuseeland übernahm Samoa, das 1962 als erstes Land in Polynesien die Unabhängigkeit erlangte. Alle Hoffnungen ruhen heute auf dem Tourismus, der neben der Herstellung von Kokosöl, Kopra, Zigaretten und Bier, Konserven, Fisch- und Textilverabeitung die wirschaftliche Zukunft sichern soll. Schulden, Inflation und Auswanderung - über 40.000 Westsamoaner leben in Neuseeland, Australien, USA und im benachbarten American Samoa - plagen jedoch die Ökonomie.


Morgendliche Polizeiparade in Apia

Deutsche Spuren

Für den Fremdenverkehr stehen auf Upolu und Savaii etwa 40 Hotels, die meisten einfachen Standards, je zwei Dutzend Mietwagen- und Reisebüros, eine Handvoll Wassersportveranstalter, zahlreiche Restaurants, Bars und Nachtclubs zur Verfügung. Direkte wirtschaftliche Bande mit Deutschland bestehen in bescheidenem Umfang fort: Die derzeit rund 1.500 deutschen Urlauber im Jahr spielen eine untergeordnete Rolle, aber die bei Apia angesiedelte Brauerei "Vailima" ist schon eher ein Beispiel konstanter Zusammenarbeit, und unter diesem Etikett "Wasser aus der Hand" sprudelt in deutsch-samoanischer Kooperation das ausgezeichnete einheimische Bier. Auch im Gesundheitswesen gibt es Kontakte: Drei Monate im Jahr ziehen und richten deutsche Zahnmedizinstudenten an Apias Dentalklinik samoanischen Patienten die Zähne.

Das koloniale Erbe belegen auch Firmenschilder wie "Schuster Transports" oder in Buchläden ausliegende Bücher des samoanischen Schriftstellers Albert Wendt. Es gibt "Retzlaff Reisen" und "Retzlaff-Videoverleih". Bis in Regierungskreise ist dieser einflußreiche Name zu finden. Seit Generationen schmücken sich die Nachkommen des Herrn Retzlaff aus Cottbus im übrigen mit dem Namenszusatz "Telefoni", denn der Siemens-Ingenieur hatte 1904 den ersten Fernsprechapparat nach Samoa gebracht.

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