Königsberg - das war einmal
Text und Fotos: Brigitte Jäger-Dabek
Verloren stehen sie auf der Königsberger Dominsel, kaum einer wagt die Gruppe verlassen. Sie blicken sich hilflos um, gucken ratlos verloren über die Leere des Platzes. Lähmende Stille herrscht, ein paar Tränen hier, leises Seufzen dort. Nach einer Weile ein erster Satz, "hier könne man mitten im Sommer erfrieren", kommentiert ein alter Königsberger die Szenerie. "Verspielt, verspielt, alles im Größenwahn verspielt", murmelt ein anderer. Dicht beieinander bleiben die alten Königsberger, als ob es in der Gruppe leichter zu ertragen ist. Alle haben genau gewusst, was sie hier erwarten würde und dennoch ist greifbar, dass einer wie der andere bis ins Mark erschüttert ist.
Brigitte Jäger-Dabek erzählt von Kaliningrad und vom alten Königsberg.
An diesem Platz versagt menschliches Vorstellungsvermögen. Selbst Phantasiebegabte können sich nicht vorstellen, im alten Königsberger Zentrum zu stehen. Da steht die Domruine und sonst nichts. Eine grüne Insel. Von der alten Börse bis zur Bauruine des sowjetischen Palastes der Räte verstellt kein Haus den Blick, quadratkilometergroße grüne Öde bis hin zum Betonklotz des Hotels Kaliningrad. Nein, auch kein Schloss mehr, nichts. Das einzig belebende Element in der Wüstenei sind die Kinder, die im Sommer die Pregelbrücken als Sprungturm nutzen und sich munter zwischen den Binnenschiffen im Wasser tummeln.

Mahnmal, Symbol, Bauruine
- das Haus der Räte
Dies war einmal das Zentrum der Stadt Königsberg, hier schlug sein Herz, die Dominsel und die Umgebung waren eng bebaut. Da war die alte Universität, waren unzählige Läden, gegenüber lag das Schloss und so weiter und so weiter.
Hier kommt einem das alte Königsberg fast unwirklich vor, als ob man es nur geträumt hätte, so gründlich sind die Spuren verwischt.
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