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Rumänien im Überblick

Spätestens, wenn die Barry Sisters in Jiddisch von "Rumeine" als "a sisse, a scheene, a foine" schwärmen und die Klarinette dazu juchzt, wenn Fanfare Ciocarlia, die von Roma gebildete "schnellste Blaskapelle der Welt", durch die Veranstaltungshallen dröhnt, müsste man neugierig werden auf Rumänien, das nur zwei Flugstunden von Deutschland entfernt ist. Dennoch ist eines der ärmsten Länder des Kontinents noch immer eine grosse Unbekannte, weil es mit einem Negativ-Image zu kämpfen hat und die touristische Infrastruktur westliche Standards nicht erreicht. Das, so ist man bemüht, soll sich ändern, denn vorzuweisen hat die gastfreundliche Nation so einiges.

Heimat von Graf Dracula

Schloss Bran, "Heimat" von Graf Dracula

Für US-amerikanische Touristen reduziert sich der Besuch im Land der Vorfahren meist auf den "Auf den Spuren von "-Trip. Lange hat Rumänien nur dieses eine Zugpferd ins touristische Rennen geschickt, den Prinzen Vlad Tepes vom Schloss Bran in Transilvanien, der als Vorbild des Dracula gedient haben soll.

Inzwischen aber wirbt man mit der Vielfalt des Landes, das im Donaudelta mit seinen 5460 Quadratkilometern Seen, Kanälen, Inseln, Wäldern und Sanddünen ein UNESCO-Biosphärenreservat besitzt. Tulcea, "das Tor zum Delta", ist Ausgangspunkt für Schiffstouren in ein Gebiet, in dem über 300 Vogelarten und unzählige Fischarten leben.

Unberührte Natur versprechen auch die Karpaten, das Gebirge im Zentrum des Landes, in dem Wölfe und Bären, Luchse und Gemsen leben. Zentrum des Wintersports ist dort Poiana Brasov (Schulerau).

Touristisch viel frequentiert wird die 245 km lange Schwarzmeerküste, von der über 70 km dem familienfreundlichen Badeurlaub am Strand gewidmet sind. Der bedeutendste Badeort, Mamaia nahe der größten Hafenstadt Constanta, ist ebenso wie die Seebäder Neptun und Jupiter geprägt von monströsen Hotels der Ostblock-Zeit.

Bukarest, die Hauptstadt, ist mit Abstand die grösste Stadt Rumäniens. In den 1930er Jahren trug sie den Beinamen "Klein-Paris des Balkans bzw. des Ostens"; breite Boulevards, viele Parks und zahlreiche repräsentative Gebäude zeichnen sie noch heute aus. Hinzu gekommen ist der monströse Ceausescu-Palast, der mittlerweile auch besichtigt werden kann. Dank Museen und Theatern ist Bukarest auch kulturelles Zentrum des Landes.

rumänien - wagen

Fortbewegung traditionell

Die erwähnte "Graf Dracula"- Heimat Transilvanien ist auch unter dem Namen Siebenbürgen bekannt, haben doch dort Siebenbürger Sachsen gelebt und bauliche und historische Spuren hinterlassen. (Hermannstadt), ehemalige Hauptstadt der Walachei und Zentrum der deutschsprachigen Minderheit, ist mit Kopfsteinpflaster und pastellfarbenen Häusern ebenso beliebtes Ziel wie das mittelalterliche Städtchen Sighisoara (Schässburg) mit Zitadelle und Uhrturm, genannt "das siebenbürgische Dinkelsbühl". Auch Brasov (Kronstadt) als Zentrum der Gebirgsferienregion ist noch mittelalterlich geprägt. Es ist die größte der ehemaligen deutschen Städte Rumäniens und besitzt sein Wahrzeichen in der gotischen Schwarzen Kirche.

Das Banat im Südwesten hat seinen Mittelpunkt in Timisoara (Temesvar), von wo die sog. Revolution 1989 ihren Ausgang nahm. Im Banat und in den südlichen Karpaten liegt auch das Kurbad Baile Herculane, das noch auf die Römer zurückgeht.

Moldau, die nordöstlichste Provinz Rumäniens, ist bekannt für die Bukovina-Klöster mit den Wandmalereien des 15. und 16.Jahrhunderts: Humor, gegründet 1530, Voronet ("die Sixtinische Kapelle des Ostens"), Sucevita (eine Klosteranlage in Form einer Zitadelle, von Wachttürmen geschützt), Moldovita (biblische Szenen an den Kirchenmauern) und Arbore.

Brasov (Kronstadt)

Bei den Siebenbürger Sachsen

Bekannt für Holzschnitzarbeiten sind die Maramures Bergdörfer im Nordwesten, in denen man noch eine unverfälschte ländliche Kultur findet. Holzkirchen bestimmen den Landstrich und auf dem "Fröhlichen Friedhof" von Sapanta sind die humorvollen Grabinschriften ebenfalls in Holz geschnitzt. Jährliche Höhepunkte im Maramures sind die ländlichen Feste im April, Mai, August und Dezember.

Wer Rumänien bereist, sollte darauf gefasst sein, nach nur zwei Flugstunden in einem gänzlich "anderen Land" als von Westeuropa gewohnt anzukommen. Dies gilt auch für den Standard der meisten Hotels und Restaurants. Hotelneubauten und Motels garantieren bessere Erfahrungen. Viele Rumänien-Reisende allerdings schwärmen von einer Welt, die nicht nur zwei Flugstunden von Deutschland entfernt ist, sondern auch Raum für reizvolle Entdeckungen und Erfahrungen bietet.

Werner Skrentny

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