Rumänien - Alternativurlaub beim Straßenkinder-Padre

Text und Fotos: Klaus Hart

Im winzigen rumänischen Flecken Iacobeni lädt Don Demidoff gerne interessante Gäste ins "Haus der Stille" direkt an einer Wehrkirche- seine über hundert Waisenkinder betreut er ein paar Dörfer weiter. Klaus Hart war einer dieser Besucher.

Der junge Rucksacktourist aus Sachsen läuft dem Pfarrer rein zufällig über den Weg, ist sofort gefesselt. Nicht schwer bei Donatus Demidoff - einen solchen Mann, angefeindet und verfolgt als Spion, Terrorist und sogar Organhändler, gezeichnet von Mordanschlägen, trifft man schließlich nicht alle Tage. Ein unermüdlicher Geist, in seinem Siebenbürger Umfeld eine etwas bizarre Figur.

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Er raucht gerne und oft Dannemann-Zigarren, läuft gewöhnlich in Shorts, T-Shirt und Sandalen herum, ist richtig schön dick, wirklich kein Asket, mag einen guten Wein am Abend. Den trinkt er am liebsten draußen im Blumengarten, am kleinen Springbrunnen, mit seinen Gästen. Daneben ragt die mittelalterliche Wehrkirche auf, tags jagen sich oben Dohlen und Elstern, nachts ruft der Kauz. Wölfe und Füchse schleichen manchmal ums Gelände, weiter entfernt machen sich Karpatenbären winters an Mülltonnen zu schaffen.

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Bisher besuchten die "Casa do Silencio" fast nur Unterstützer der Kinderstiftung, Spender aus Westeuropa, zumeist Deutsche, die die Idylle weiterempfahlen. Höchstens ein Dutzend konnten passabel im Haupthaus nächtigen, bevor jetzt die alte Scheune umgebaut wurde, zehn Doppelzimmer, ein geräumiger Frühstücksraum entstehen. "Sanfter Tourismus", sagt Don Demidoff, "für Menschen, die Stille suchen, ist das hier ein Paradies." Und nicht mal teuer - etwa fünfundzwanzig Mark umgerechnet die Nacht, nebst Morgenkaffee. Was an Gewinn übrigbleibt, fließt in die "Fundatia Casa Don Bosco", rund dreißig Kilometer entfernt in dem Dorf Cincu. Manchmal bringt der Don von dort für ein paar Tage einen Schwarm Kinder mit. Dann wird es lebendig, aber zu meiner Überraschung gar nicht laut, die Ruhe bleibt. In den warmen Monaten, zu denen sogar noch der November gehören kann, schlafen alle in großen Zelten, im offenen Gartenpavillon wird an langen Holzbänken zusammen gegessen.

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