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Ein Schwenk nach links führt zur Piazza Venezia und zum weithin sichtbaren Monumento Nazionale a Vittorio Emanuel II. Angesichts dieses strahlendweißen Bauwerks aus Travertin, das während des Faschistenregimes als Podium für Mussolinis Adressen an sein Volk dienen mußte, drängt sich die Frage auf, ob der Begriff "monumental" vor der Erbauung des heutigen Nationaldenkmals geprägt wurde oder ob er sich hiervon ableiten läßt. Und so fremd derartige Gigantonomie in Rom auch wirkt – die Architektur des Platzes und der Paläste am Ende der Rampentreppe von Michelangelo auf dem sich anschließenden Kapitolshügel macht die mögliche Geschmacksverirrung wett. Hier, im Palazzo dei Senatori, walten Stadtrat und Bürgermeister ihrer Ämter und ertragen damit das harte Los der Ignoranz ihres zu regierenden popoli. Es war Francesco Rutelli, grüner Bürgermeister von 1993 bis zehn Jahre später, der die neue relative Ordnung der römischen Infrastruktur erfand und gnadenlos durchsetzte – so weit es eben ging, wir sprechen, nicht zu vergessen, schließlich von Rom. Schon unter seiner Ägide begann die Diskussion, ob man die Via dei Fori Imperiali, eine der frequentiertesten Straßen Roms nicht stillegt und das Gebiet Archäologen überläßt. Immerhin liegen unter ihr der größte Teil der antiken Kaiserforen begraben, von Mussolini als Fundament für die Via aufgeschüttet, nach dem Motto: Ruinen haben wir schließlich genug. Worüber sich nicht streiten lässt, doch Rutellis Idee ist eindeutig zu favorisieren. Denken auch der neue Bürgermeister, Walter Veltroni, und die Römer ohnehin.

So wie sie letztendlich alles akzeptieren, was romantisch ist und ihre Stadt aufwertet, denn bei allem Geschrei um neue Verordnungen und Änderungen: Rom ist und bleibt der Nabel der Welt. Basta.

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Das wissen die Bewohner Trasteveres ganz genau. Obwohl ihr Stadtviertel "hinter dem Tevere (Tiber)" liegt, also auf der "falschen Seite Roms" geht es hier, in den schmalen und verwinkelten Gassen am römischsten zu. Kirchen sind hier nie zu Basiliken gediehen, werden aber regelmäßig zu Andachten und Messen frequentiert und statt Villen beherrschen vierstöckige Appartementhäuser aus der Mitte des letzten Jahrhunderts das Stadtbild. In deren Schatten liegen kleine Gärtchen, giardinettos, mit Bocciaplätzen und ineinanderverschachtelte Einfamilienhäuser drumherum. Da bröckelt der terrakotta- und ockerfarbene, hellgelbe, graublaue und graugrüne Putz von den Wänden, Hängepflanzen wuchern aus den Dachgärten bis zur Eingangstür und aus den Wohnzimmern dringen Radiogeplärre und Stimmengewirr. Das ist Rom privat, allerdings nur, wo keine Tische und Stühle auf den Bürgersteigen entlang der Gassen die Existenz eines Restaurants, einer Osteria oder einer Trattoria ausweisen. Trastevere ist nämlich das Zentrum römischer Küche, echter, solider Paste, Sugos (Saucen), Pizzas, Bohneneintöpfe, Minestrones, Wildbraten, Salate, frischgebackenen Brotes und erdigen, schweren Weines der aus Fässern fließt und völlig unprätentiös in Karaffen serviert wird. Außerdem gibt es hier bei Cecere möglicherweise das beste Gelato der Stadt – Kenner streiten an dieser Stelle immer heftig, weil Tre Scalini an der Piazza Navona diese Ehre ebenso gebührt und einigen anderen Eisdielen zudem. Doch wie dem auch sei: gut, daß Rom wegen seiner Vielfalt erwandert werden muß. Nicht nur, weil so den abends angegessenen Kalorien schneller der Garaus gemacht wird, sondern vielmehr der erneuten Erkenntnis wegen, daß jeder, der einmal in Rom war, wiederkommen muß.

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