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Reiseführer Rom


Villa Doria-Pamphili

Es ist das Revier der Radler, Jogger und Hundeausführer. Einige Picknickgesellschaften gesellen sich hinzu und eine Handvoll betagter Spaziergänger, nur Touristen machen sich rar. Mag sein, dass ihnen der Park südwestlich des Gianicolo-Hügels auf dem rechten Tiberufer zu weit abseits von den Brennpunkten des historischen Zentrums liegt. Wahrscheinlicher ist, dass sie von seiner Existenz noch nie gehört haben. Dabei ist er mit seinen neun Quadratkilometern die größte und – wie viele meinen – auch die schönste Grünanlage Roms.

Villa Doria-Pamphili

Immerhin hatte der wissbegierige „Tourist“ Goethe den Park schon für sich entdeckt und erwandert, wie wir von seinem Begleiter Karl Philipp Moritz erfahren:

„Es ist hier jetzt mitten im November noch das angenehmste Frühlingswetter, und ich machte vor ein paar Tagen in der Gesellschaft des Hrn. v. G. und einiger Künstler, die mit ihm wohnen, einen Spaziergang nach der Villa Pamfili, der mich in eine neue Welt von Ideen und herrlichen Eindrücken geführt hat. Alles stimmt doch hier zusammen, um den Geist zu der Betrachtung des Großen und Schönen zu heben...“

(Aus Moritz` Reisen eines Deutschen in Italien in den Jahren 1786-1788, Bd. 1, 1792).

Als Goethe durch das Gelände spazierte, hatte es noch ganz das Aussehen eines italienischen Barockgartens, der Architektur und Vegetation, Skulpturen, Seen und Wasserläufe, Wege und Wiesen einer strengen Gliederung unterwarf. Das alles wurde hinfällig, als 1849 auf dem Gianicolo und angrenzendem Terrain heftige Kämpfe zwischen Garibaldis römischen Republikanern und papsttreuen Truppen große Verwüstungen anrichteten. Die vor den Zerstörungen den Park dominierende Architektur rückte nun in den Hintergrund und weite Teile der Anlage wurden nach dem Vorbild englischer Gärten in eine aufgelockerte natürliche Landschaft umgestaltet. Und dafür war das hügelige Gelände bestens geeignet. Es entstanden weitläufige Rasenflächen und Pinienwälder, ein kleiner See und ein künstlicher Wasserfall, ein großzügiges Wegenetz mit Bänken und Wasserstellen.

Villa Doria Pamphili

Casinò di Allegrezza

Was von den ursprünglichen Bauten im Stil italienischer Gartenarchitektur die Kampfhandlungen schadlos überstanden hatte – die Brunnen und Statuen, die Grotten und das Theater – wurde in das neue Parkbild harmonisch eingepasst. Herzstück der Anlage ist das Lustschloss (Casinò di Allegrezza), das keinen Kratzer abbekam und nach seiner Restaurierung in den 1990er Jahren wieder für hochoffizielle Empfänge und Festlichkeiten genutzt wird, für die Öffentlichkeit aber leider nicht zugänglich ist. Das umliegende Gartenparterre (Giardino Segreto) und das Theater (Giardino del Teatro) umrahmen den Prachtbau, dem Basreliefs und Statuen eine dekorative Fassade verleihen.

Arco dei Quattro Venti

Arco dei Quattro Venti

Das Lustschloss entstand gleichzeitig mit den Parkanlagen zwischen 1644 und 1652. Auftraggeber war Fürst Camillo Pamphili. Sein Onkel Giovanni Battista Pamphili, der spätere Papst Innozenz X., war wohl der eigentliche Initiator. Sein Portrait, gemalt von Diego Velázquez, gilt als eines der besten Papstbildnisse. Es ist in der Galleria Doria Pamphili am „Corso“ neben vielen anderen hochkarätigen Kunstwerken zu besichtigen.

Den Park und die Bauten entwarf Alessandro Algardi, einer der ganz Großen der italienischen Barockbaukunst.

(Via San Pancrazio)

 

 



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