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Reiseführer Rom


Trajansforum

 

Trajansmärkte, Rom

Trajansmärkte

Die Kaiserforen im Herzen des historischen Zentrums wurden angelegt, weil den monarchistisch gesinnten Herrschern das ehrwürdige republikanische Forum Romanum als Repräsentations- und Verwaltungszentrum nicht mehr genügte. Caesar war der erste, der noch vor der Zeitenwende den Bau einer stattlichen Anlage zunächst nur als einfache Erweiterung des Forums in Auftrag gab. Ihm folgten Augustus, dann Vespasian, schließlich Nerva und als letzter Trajan. Pracht und architektonisches Raffinement der Großprojekte stießen allenthalben auf große  Bewunderung. Die römische Verwaltung profitierte von den neuen Räumlichkeiten, doch in erster Linie dienten die Anlagen der Verherrlichung der kaiserlichen Machthaber als kluge Staatenlenker und erfolgreiche Kriegsherren. Das wird nirgendwo deutlicher als bei einem Gang über das Trajansforum. 

Es ist schier unmöglich, sich einen Gesamteindruck von den kaiserzeitlichen Foren, ihren Proportionen und ihrer räumlichen Wirkung zu verschaffen. Zu viele Bauten wurden abgetragen, stürzten ein oder dienten als Steinbruch vor allem während der Renaissance. Den größten Schaden richtete Benito Mussolini an, als er der Welt Glanz und Größe des Römischen Reiches, das für ihn ein Vorläufer seines faschistischen Staats war, vorführen wollte und zu diesem Zweck die Via dei Fori Imperiali erdachte. Die 1932 dem Verkehr übergebene monumentale Straße führt von der Piazza Venezia vorbei an Kapitol und Forum Romanum quer über die Kaiserforen zum Kolosseum. Und damit war ein erheblicher Anteil der Forenfläche unwiederbringlich zugepflastert.

Das Trajansforum blieb von dem Straßenprojekt fast völlig verschont. Es ist das jüngste und am besten erhaltene Forum. Kaiser Trajan ließ es in den Jahren 107 – 112 anlegen. Ulpius Traianus, so sein Familienname, stammte aus Spanien. Er war der erste Nichtitaliener auf dem römischen Kaiserthron. Unter der Führung des erfolgreichen Feldherrenkaisers erreichte das Römische Reich seine größte Ausdehnung über drei Kontinente hinweg. Es begann mit Britannien im Westen und endete weit im Osten an den Ufern des Zweistromlands und es umfasste Nordafrika und reichte von dort bis tief in die Balkanhalbinsel hinein.
Was Pracht und Größe anging, übertrafen Trajans Vorstellungen von seinem Forum alle Vorläufer bei weitem. Ihm schwebte eine fünfteilige Anlage vor, zu deren Verwirklichung ein ganzer Hügel abgetragen werden musste. In dem in Damaskus geborenen griechischen Architekten Apollodoros fand er den kongenialen Mitstreiter für sein Projekt.

Trajanssäule, im Hintergrund die Kirche Santissimo Nome di Maria, Rom

Trajanssäule, im Hintergrund die Kirche Santissimo Nome di Maria


                               
Am Anfang stand der Bau der Trajansmärkte. Der gewaltige halbrunde Ziegelbau wurde zum Meisterwerk des Apollodoros und machte ihn zum Stararchitekten Roms. Um Platz zu schaffen für die antike Einkaufspassage, mussten die Ausläufer des Quirinal-Hügels weichen. Und das gelang dank einer bewundernswerten technischen Leistung: Dem Hügel wurde ein senkrechter Einschnitt verpasst, das losgebrochene Erdreich weggeschafft und die Schnittfläche notdürftig gestützt. Der unmittelbar danach beginnende Bau des „Shopping Centers“ diente auch der Stützung des angeschnittenen Quirinal. Eine Inschrift am Sockel der nicht zufällig 40 m hohen Trajanssäule würdigt die schwere Arbeit am gleich hohen Hügeleinschnitt, gelte es doch „zu zeigen, welche Höhe der Berg hatte, der unter so vielen Mühen abgetragen wurde“.


Es entstand ein großartiger Komplex von Marktbauten auf mehreren Ebenen übereinander. Im Erdgeschoss sind elf Läden auszumachen, jeder mit einer quadratischen Tür mit Türpfosten und -stürzen aus Travertin, darüber ein kleines Fenster. In der nächsten  Etage sieht man eine lange Reihe von Bogenfenstern, hinter denen ein Korridor mit zehn weiteren Läden (tabernae) verläuft. Die nächste Etage wurde im Mittelalter ramponiert. Man erkennt aber noch die Grundrisse der Läden. Angrenzend die Via Biberatica, deren ursprüngliche Pflasterung, die Läden und selbst die Balkone noch gut erhalten sind. Von der Via B. führt eine steile Treppe zu einem großartigen, zwei Stockwerke umfassenden Raum, den sechs Kreuzgewölbe überdecken, an seinen Seiten Läden – eine Kaufhalle, wie man sie noch heute kennt. 

Der Anfang war gemacht, das Terrain bereitet. Das eigentliche Forum, ein großes Rechteck gegenüber den Märkten, nahm Gestalt an. Man betrat das weite, mit vielfarbigen  Marmorfliesen gepflasterte und von Säulenhallen eingefasste Areal durch den prächtigen Triumphbogen des Trajan, ging auf das große Reiterstandbild des Kaisers in der Mitte des Platzes zu und stand schließlich vor dem mächtigen Bau der Basilica Ulpia, die wie ein monumentaler Riegel den Platz abschloss. Die Basilika war die letzte und und mit fast 170 m die größte, die im heidnischen Rom entstand. Ihr Eindruck war gewaltig und ihre Wirkung reichte bis weit über Rom hinaus. Sie diente in erster Linie der Rechtsprechung und übernahm auch bestimmte Funktionen für den Handel. Die fünfschiffige Basilika wurde zum Vorbild für die Kaiserforen in den Provinzen und ihre große Bedeutung mag Konstantin bewogen haben, christlichen Versammlungsräumen die basilikale Form zu geben. Von der einstigen Großartigkeit blieben nur graue Granitsäulenstümpfe, die das Mittelschiff markieren. Und auch von der Existenz dreier Statuen Trajans, der hier angebrachten Trophäen und Feldzeichen der am Daker-Krieg beteiligten Legionen erfährt man nur durch Sockelinschriften und ein paar steinerne Fragmente. 
 
An die Rückseite der Basilika grenzten zwei Bibliotheken, die eine für lateinische, die andere für griechische Literatur. Ihre Portiken und ein Säulenumgang rahmten die zwischen ihnen stehende Trajanssäule, die seit 1.900 Jahren nahezu unverändert das Forum überragt. Ihr Podest musste einige Beschädigungen hinnehmen und die Spitze der Ruhmessäule krönt nicht mehr die Statue des vergöttlichten Kaisers sondern seit 1588 ein Standbild des Petrus. Der Säulenschaft misst 100 römische Fuß = 29,78 Meter. Mit Basis und Sockel erreicht die Säule 39,83 Meter. In ihrem Innern führt eine Wendeltreppe bis zur Spitze, schwach beleuchtet durch die schmalen Schlitze im  Säulenmantel. Säulen zum Ruhm eines Herrschers gab es schon vorher, die Einkleidung in ein Reliefband war die eigentliche Sensation, ein in Stein modelliertes Dokument der Feldzüge gegen die Daker. Es ist eine unglaublich detailreiche Illustration, die sich über zweihundert Meter spiralförmig den Schaft hinauf windet, dabei 114 Szenen darstellend mit 2.500 Akteuren. Schiffe werden gezeigt und Befestigungen, Waffen und Kampfszenen, die Gestalt Trajans erscheint gleich sechzig Mal, allerdings ohne zu dominieren und auch die Feinde, die Daker, werden in ihren menschlichen Zügen dargestellt. Das wie eine antike Schriftrolle um den Säulenschaft gewickelte Reliefband beginnt seine Erzählung ganz unten mit dem Bau einer Schiffsbrücke über die Donau und endet ganz oben mit der Unterwerfung und Verschleppung der überlebenden Daker.

Trajanssäule, Rom

Ein zweihundert Meter langes Reliefband windet sich spiralförmig um die Säule. Dargestellt werden die Kriege Trajans gegen die Daker im heutigen Rumänien. Die 114 Szenen mit mehr als 2.500 Personen beginnen ganz unten mit der Überquerung der Donau auf einer Schiffsbrücke und sie enden ganz oben mit der Verschleppung der besiegten Daker.

  1. Spirale von unten: Die Römer setzen auf einer Schiffsbrücke über die Donau
  2. Spirale von unten: Soldaten fällen Bäume und errichten ein Lager
  3. Spirale von unten: Aufbruch der Infanterie und Kavallerie aus dem Lager
  4. Spirale von unten: Die Römer zünden eine dakische Siedlung an, zwei dakische Gesandtschaften erscheinen vor Trajan
  5. Spirale von unten: Die Einschiffung des Kaisers Trajan

 

Wie Kaiser Constantius II., Sohn des großen Constantin, das Trajansforum um die Mitte des 4. Jahrhunderts erlebte, beschrieb der zeitgenössische römische Historiker Ammianus Marcellinus:

„Aber als er das Forum des Trajan betrat, eine Anlage wie es sie kein zweites Mal unter dem Himmel gibt, wie wir glauben, bewunderungswürdig selbst nach übereinstimmender Meinung der Götter, blieb er vor lauter Staunen wie angewurzelt stehen, wandte seine Aufmerksamkeit dem gigantischen Komplex über ihm zu, der jeder Beschreibung spottete, den kein Sterblicher je nachahmen könnte.“


 
Ein uraltes Gesetz verbot Beisetzungen in der Stadt. Nur wer einen Triumph gefeiert hatte, war von dem Verbot ausgenommen, so wie Trajan, der glorreiche Sieger über die Daker. Seine Asche wurde in einer goldenen Urne im Sockel der Säule verwahrt, die Siegesmal und Grabstätte zugleich war.

Den nordwestlichen Abschluss des Trajansforum bildete der Tempel zu Ehren des Kaisers und seiner Frau Plotina. Wie es damals Brauch war, entstand er erst nach dem Tod und der Vergöttlichung des Herrschers. Ein Kapitell aus weißem Marmor und das Fragment einer Granitsäule sind die letzten Spuren des Rechtecktempels vor Ort. Die aus den Trümmern geborgene Weihinschrift befindet sich in den Vatikanischen Museen.

(Via dei Fori Imperiali)

 



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