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Reiseführer Rom


STADTGESCHICHTE

Stadt der Päpste

Legendenumwobene Frühzeit / Aufstieg zur Großmacht / Kaiserzeit / Spätantike Krisen / Stadt der Päpste / Glanzvoller Neubeginn / Die barocke Metropole / Beginn einer neuen Zeit / Rom im 20. Jahrhundert /

 

Nach dem Niedergang des Weströmischen Reiches (476) war die Weltstadt am Tiber nicht führungslos. Päpste füllten das Vakuum aus. Als Nachfolger des Apostels Petrus erlangten sie eine Vorrangstellung im zerbrochenen Reich und übernahmen nach und nach Aufgaben und Würden des Kaisers. Schon früher hatten sie wiederholt in das politische Geschehen eingegriffen, wenn unfähige Kaiser zu scheitern drohten, wie im Jahr 452, als Papst Leo der Große die Hunnen dazu bewegen konnte, von ihrem Angriff auf Rom abzusehen oder einige Jahre später, als der gleiche Papst nach zähen Verhandlungen von den Vandalen die Zusage erhielt, die Stadt nur „moderat“ zu plündern. Oder die Sorge um die an Hunger leidende Stadt, für die Gregor I. die päpstlichen Getreidelager öffnete.

754

Einen entscheidenden Schritt in Richtung einer Westorientierung Roms bedeutete die Annäherung von Papst Stephan II. an die Franken. Die Langobarden waren mit ihrer Hilfe neutralisiert worden, Ostroms Einmischung (zuletzt der ärgerliche Bilderstreit) in die italischen Angelegenheiten schien beendet. Und: das Schenkungsversprechen Pippins an Stephan II., das als „Pippinsche Schenkung“ in die Geschichtsschreibung einging, legte den Grundstein des Kirchenstaates, markierte den Beginn seiner staatlichen Souveränität. Es ging dabei um ehemals oströmische Besitztümer in Italien, die von den Langobarden okkupiert, von Pippins Franken befreit und dem Papst übereignet worden waren. Das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche zählte jetzt zum Kreis der italischen Territorialfürsten. Weitere Besitztümer kamen hinzu. Das päpstliche Territorium erreichte im frühen 16. Jahrhundert unter dem Rovere-Papst Julius II. seine größte Ausdehnung.

800

Am Weihnachtstag des Jahres 800 ließ sich Pippins Sohn Karl (d. Gr.) in der (alten) Peterskirche von Papst Leo III. zum Kaiser krönen. Die Krönung wurde als die endlich erreichte Erneuerung des Römischen Kaisertums (restauratio imperii) gefeiert, von anderen Kreisen als Übertragung der römischen Kaiserwürde (translatio imperii) auf die Franken verstanden. Die Zeiten blieben unruhig.

843

scheitert ein arabischer Angriff auf Rom.

846

plündern arabische Aghlabiden aus dem heutigen Tunesien die Stadt am Tiber und beschädigen die Peterskirche.

um 850

lässt Papst Leo IV. als Reaktion auf den Angriff den Stadtteil Borgo und große Teile der Vatikanstadt durch eine Mauer sichern. Überreste der sog. Leoninischen Mauer sind heute noch zu sehen.

962

wird der Sachsenherzog und König des Ostfrankenreichs, Otto I., von Papst Johannes XII. zum römisch-deutschen Kaiser gekrönt. Sehr bald kommt es aber zu Spannungen zwischen dem Papst und dem Kaiser der fränkischen Schutzmacht. Auslöser sind die unterschiedlichen Vorstellungen darüber, wer die Vormacht in Rom und im übrigen Italien innehaben, wer das christliche Europa anführen soll – ein Konflikt, der auch viele Jahrzehnte später noch die Könige und Kaiser aus dem ostfränkischen Haus der Salier und die Herrscher der ihnen nachfolgenden Staufer-Dynastie umtreiben wird.

1073-1085

Papst Gregor VII. gilt als jemand, der die vom Kloster Cluny ausgehenden Ideen einer Kirchenreform begierig aufnahm, für strenge Verhaltensnormen, Disziplin, Zölibat, Trennung von geistlicher und weltlicher Herrschaft eintrat. Und was die politische Sphäre betraf, so betonte er in seinen „Dictatus Papae“ titulierten Leitsätzen die Oberhoheit des Papstes nicht nur über den Klerus, sondern auch über weltliche Herrscher.

1084

scheute er sich nicht, den berüchtigten Normannenherzog Robert Guiscard, der in Süditalien eingefallen war und sich dort eine Machtposition aufgebaut hatte, zu Hilfe zu rufen, die ihm auch gewährt wurde. Doch als der Herzog in Rom auf Widerstand stieß, gab er die Stadt zur Plünderung frei, deren Spuren noch heute an San Clemente, Santi Quattro Coronati und andernorts sichtbar sind.

1198-1216

Ein anderer Großer in der Geschichte der Päpste war Innozenz III. Er beendete das wüste Treiben des römischen Stadtadels, der sich mit seinen Geschlechtertürmen und anderen Wehrbauten Hoheitsbezirke in der Stadt gesichert hatte, sich gegenseitig bekriegte und die wehrlose Bevölkerung tyrannisierte und ausnahm. Er mischte kräftig in der europäischen Politik mit. Während seines Pontifikats konnte er den territorialen Besitz des Kirchenstaats verdoppeln und er war ein Großmeister des Nepotismus, einer Freunde, Schmeichler und Familienangehörige begünstigenden Ämterverteilung, kurz: Vetternwirtschaft im großen Stil. Gang und gäbe war sie unter Prälaten, Kardinälen und Päpsten zwischen dem 11. und 17. Jahrhundert und schwächer ausgeprägt noch bis in das 20. Jahrhundert.

Geschlechterturm Torre delle Milizie aus dem 13. Jahrhundert

Geschlechterturm Torre delle Milizie aus dem 13. Jahrhundert

1294-1303

Papst Bonifatius VIII. war einer seiner Nachfolger. Er lag mit dem französischen König Philipp IV. der Schöne wegen territorialer Ansprüche im Streit. Der Konflikt spitzte sich zu. In der Bulle „Unam Sanctam“, direkt gerichtet an den König, betonte der Papst erneut den absoluten Vorrang der geistlichen vor der weltlichen Macht. Der König verweigerte die Unterwerfung. In einem blutigen Aufruhr wird der Papst entführt, wieder befreit, stirbt dann plötzlich und die französische Seite setzt „ihren“ Papst, Clemens V., durch.

1309-1377

Er veranlasst den Umzug der Kurie von Rom nach Avignon, in das „babylonische Exil der Kirche“, wo die Päpste in der Abhängigkeit der französischen Könige ihr Pontifikat ausüben. Schwierig gestaltete sich die Rückkehr nach Rom. Die Kirche durchlebte eine Spaltung auf Grund des französisch-italienischen Konflikts im Kardinalskollegium. Zeitweise existierten drei konkurrierende Päpste. Erst das Konzil von Konstanz (1414/18) schaffte klare Konturen. Die von ihm empfohlene Wahl des Italieners Oddo di Colonna bescherte der römisch-katholischen Kirche wieder einen allgemein anerkannten Papst, der als Martin V. 1417 sein Pontifikat antrat.

Roms Einwohner hatten die unerträglichen mittelalterlichen Lebensumstände mit ihren Hungersnöten und Epidemien, den Naturkatastrophen, Bedrohungen und Invasionen völlig zermürbt. Nach der Zerstörung der Aquädukte durch die Ostgoten mussten sie auch noch die Hügel verlassen und in Flussnähe siedeln, wo sie den Überschwemmungen schutzlos ausgesetzt waren und der schlammige Tiber ihre Trinkwasserquelle war. Viele Römer verließen ihre Stadt.

Während die Päpste in Avignon residierten, wirkte Rom wie ausgestorben. Die Einwohnerzahl ging auf 15- bis 17.000 zurück. Für die Wirtschaft begann eine harte Zeit. Die Bautätigkeit kam zum Erliegen. Allein die gewaltige Treppe zur Santa Maria in Aracoeli entstand in dieser Zeit zum Dank für das Ende der Pestepidemie, die Rom 1348 heimgesucht hatte. Gleich nebenan, auf dem Kapitol („campo caprino“), weideten Ziegen und auf dem Forum Romanum („campo vaccino“) zupften Kühe an den Grasbüscheln: die antiken Zentren verkamen zu Viehweiden.

Cosmatenarbeit in der Lateranbasilika


Und dennoch: Selbst in den dunklen Jahrhunderten, als Not und Elend herrschten, gewisse römische Adelsfamilien brutal um die Macht stritten, das Papsttum seinen Tiefstand erreicht hatte und auch noch die fränkischen Kaiser die Hand im Spiel hatten, gab es Phasen, in denen prächtige Bauten entstanden wie Santa Prassede, Santa Maria in Domnica, Santa Cecilia in Trastevere (alle im 9. Jahrhundert) oder Santa Maria in Trastevere (12. Jahrh.) und Santa Maria in Aracoeli (13. Jahrh.). Charakteristisch für die römische Romanik waren die aus Ziegelsteinen gemauerten Glockentürme und die kunstvollen Einlegearbeiten der Cosmaten (einer Handwerkergruppe um die Familie Cosma) in Fußböden, Altären, Thronen.


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