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Reiseführer Rom


STADTGESCHICHTE

Rom im 20. / 21. Jahrhundert

Legendenumwobene Frühzeit / Aufstieg zur Großmacht / Kaiserzeit / Spätantike Krisen / Stadt der Päpste / Glanzvoller Neubeginn / Die barocke Metropole / Beginn einer neuen Zeit / Rom im 20. Jahrhundert /

1899/1900

Selbst Karl May zog es nach Rom. Er war zweimal hier, doch die Stadt blieb ihm nur als „eine große, ungeheure, öde Begräbnisstätte“ in Erinnerung.

1903/04

Rainer Maria Rilke beklagte, Rom wirke „in den ersten Tagen erdrückend traurig: durch die unlebendige und trübe Museumsstimmung, die es ausatmet“. Was ihn nicht davon abhielt, am 8. Februar 1904 mit der Niederschrift der „Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge“, seiner einzigen großen Prosa-Arbeit, zu beginnen.

1906/07

James Joyce, der irische Poet, verbrachte einige bedrückende Monate in der Via Frattina Nr. 52. Er war ständig in Geldnöten, pumpte seinen Bruder an, dem er gestand: „Diese Stadt macht mich fertig. Wenn Dich jemand fragt, wie sie mir gefällt, dann sag`, ich hielte sie für das blödeste alte Hurenloch von allen Städten, in denen ich je gewesen bin.“

1910

notierte Robert Musil: „Rom mit seinen hässlichen, flachen, ineinandergeschobenen Dächern war wie ein riesiges, mit allerhand Waren unordentlich beladenes zitterndes Schiff in einem glühenden Meer.“

1911

Obwohl noch unvollendet, wird das Nationaldenkmal für Vittorio Emanuele II. eingeweiht.

Mai 1915

Italien tritt an der Seite Englands, Frankreichs und Russlands in den 1. Weltkrieg ein, hoffend auf Landgewinne zu Lasten Österreichs.

1918

Italien zählt zu den Siegermächten, hat aber im Innern mit schweren sozialen Konflikten zu kämpfen. Die sozialistische Linke und die alten nationalistisch- konservativen Eliten geraten aneinander. Letztere nähern sich zunehmend der neuen, von Benito Mussolini repräsentierten politischen Kraft an.

1922

Ihre Faschistische Partei (Partito Nazionale Fascista) schlug im Juli/August den von den Sozialisten ausgerufenen Generalstreik nieder und drohte mit einem Marsch auf Rom („Marcia su Roma“). Doch hatten bereits die Spitzen des Staates einschl. König Vittorio Emanuele III. aus Unentschlossenheit und Opportunismus auf Gegenmaßnahmen verzichtet. Am 30. Oktober ernannte der König Mussolini zum Regierungschef, am Tag darauf veranstalteten die faschistischen Verbände ihren angekündigten Marsch. Es war der Beginn einer 22-jährigen Ära des Faschismus, in der Mussolini diktatorisch herrschte und einen bizarren Personenkult pflegte, der ihn in die Rolle eines zweiten Augustus befördern sollte. Die großen Zeiten der italienischen Geschichte, so wie er sie sah, sollten wieder erstehen durch die Hinwendung zur Antike und deren harmonische Vernetzung mit der modernen Welt. Vom historischen Balkon des Palazzo Venezia, im Angesicht des Nationaldenkmals, der Kaiserforen und des geschichtsträchtigen Forum Romanum, verkündete er in theatralischer Selbstinszenierung den ergriffenen Römern die neue Zeit.

Palazzo Venezia. Über dem Portal der historische Balkon

Palazzo Venezia. Über dem Portal der historische Balkon


Aufwändige Baumaßnahmen wurden durchgesetzt. Archäologen protestierten heftig gegen die Zementierung der Vergangenheit, die Demolierung traditionsreicher Quartiere. So entstand die Via dei Fori Imperiali, die an den oben erwähnten Kaiserforen zwischen Piazza Venezia und Kolosseum vorbeiführt – ein Prachtboulevard, über den das Militär paradierte und wo Staatsbesuchern stolz die Geschichte präsentiert wurde.

1929

Eine weitere Prachtstraße war die Via della Conciliazione, die Straße der Versöhnung. Schnurgerade führt sie vom Ufer des Tiber zum Petersplatz, ein altes, gassenreiches Stadtviertel musste dafür weichen. Sie feiert den Abschluss der Lateranverträge zwischen dem faschistischen Staat, vertreten durch Mussolini, und der katholischen Kirche, vertreten durch Papst Pius XI. Das Vertragswerk beendete sechzig Jahre der Unklarheit über die „vatikanische Frage“. Endlich wurde der Umfang des vatikanischen Territoriums einschließlich seiner Exklaven verbindlich definiert und die politische Unabhängigkeit des Kirchenstaats zugesichert. Ein weiteres Großprojekt war die Anlage der EUR (Esposizione Universale di Roma), der für 1942 geplanten Weltausstellung, die aber wegen des Krieges nicht zustande kam. Der Bau des römischen Hauptbahnhofs, Stazione Termini, wird 1938 begonnen, aber erst nach dem Krieg beendet.

Der Lateran-Palast, wo die Verträge unterzeichnet wurden

Oktober 1935

Mussolinis Armee fällt in Abessinien ein. Ziel war es, das Land zu besetzen, die Armee zu vernichten, das „Impero“ (Imperium) zu schaffen. Addis Abeba wird eingenommen, vier Tage später das „Impero“ proklamiert. Vittorio Emanuele III. nimmt den Titel „Kaiser von Äthiopien“ an.

1936 Äthiopien wird mit Somalia und Eritrea zu „Africa Orientale Italiana“ zusammengeschlossen.
Juni 1940 Italien tritt in den 2. Weltkrieg auf Seiten der Achsenmächte ein. Nach einer Kette von Niederlagen gerät das Regime ins Wanken. Auf Anweisung des Königs wird Mussolini nach Landung der Alliierten im Juli 1943 verhaftet, aber von deutschen Soldaten befreit. Unter dem militärischen Schutz der Deutschen richtet M. In Nord- und Mittelitalien die sog. Repubblica Sociale Italiana ein.
Okt. 1943 Deutsche Polizei und SS deportieren 1.022 Bewohner des römischen Ghettos nach Auschwitz. Nur 15 überleben. Im Mai 1944 nähern sich alliierte Truppen der Stadt. San Lorenzo, ausgerechnet das Viertel, das so entschieden wie kein anderes Front machte gegen Mussolini, wird von amerikanischen Bombern angegriffen und beklagt 1.674 Tote und große Zerstörungen. Schwer beschädigt wird auch San Lorenzo fuori le Mura, eine der sieben Pilgerkirchen Roms.

Deutsche Kommandeure und Diplomaten sowie Papst Pius XII. erklären Rom zur „offenen Stadt“. Die Wehrmacht zieht sich zurück. Im Juni 1944 übernehmen die Amerikaner Rom.

„Stolperstein“ im ehemaligen Ghetto

28.4.1945 Benito Mussolini wird am Comer See von Partisanen erschossen.
2.6.1946 Ein Volksentscheid schafft die Monarchie ab. Die Republik Italien wird ausgerufen. Vittorio Emanuele III. dankt ab, die königliche Familie verlässt das Land.

Als überraschend kurzlebig erweisen sich fast alle italienischen Regierungen. Es sind mehr als sechzig in den Jahren 1947 bis 2010. Beherrschende politische Kräfte in Parlament und Gesellschaft bis Anfang der 90er Jahre waren die Christdemokraten (DC / Democrazia Cristiana) und als ihr Gegenpol die Kommunistische Partei (PCI / Partito Comunista Italiano).
1958 stirbt Papst Pius XII., Oberhaupt der katholischen Kirche seit 1939.
1960 ist Rom Gastgeber der Olympischen Spiele
1961 Rom hat 2,2 Mio. Einwohner, wuchert in den Randzonen, zersiedelt das Umland, es gibt keinen Flächennutzungsplan, aber der Zuzug von Menschen aus dem Mezzogiorno, die der dortigen Rückständigkeit entfliehen wollen, ist ungebrochen.
1962 – 1965 tagt das 2. Vatikanische Konzil. Themen sind u. a. Die Kirche in der modernen Welt, Religionsfreiheit in der bürgerlichen Staatsordnung, der Umgang mit Nichtgläubigen und Andersgläubigen. Papst Johannes XXIII. leitet das Konzil. Nach seinem Tod (1963) steht sein Nachfolger, Papst Paul VI., dem Konzil vor.
1978 Aldo Moro, Parteichef der Christdemokraten, zeigt Bereitschaft, mit der PCI den „historischen Kompromiss“ zu wagen. Er wird entführt und ermordet. Die Hintergründe sind bis heute unklar.

Aldo Moro-Gedenktafel

1978 – 2005 Nach 453 Jahren wird mit dem Polen Johannes Paul II. erstmals wieder ein Nichtitaliener zum Papst gewählt.
1984 Das Konkordat zwischen dem Heiligen Stuhl und der Republik Italien, unterzeichnet von Kardinalstaatssekretär Agostino Casaroli und dem sozialistischen Ministerpräsidenten Bettino Craxi (dem später „ein System von Schmiergeldern“ nachgewiesen wurde, dem 28 Jahre Haft drohten, der ins Ausland floh und dort starb), bestätigte u. a. Zivilehe und Ehescheidungsmöglichkeiten, beschloss die Aufhebung des Religionsunterrichts als Pflichtfach und verwarf das Staatskirchenprinzip, d. h. der römisch-katholische Glaube war nicht mehr Staatsreligion in Italien.
1993 wird Francesco Rutelli, Mitglied der Partei der Grünen (Federazione dei Verdi) und Bürgermeisterkandidat des Mitte-Links-Bündnisses Bürgermeister von Rom.
1997 wird er für eine zweite Amtszeit wiedergewählt.
2000 Rom begeht das „Giubileo del 2000“, das Heilige Jahr. Nahezu 25 Mio. Besucher reisen in die Stadt am Tiber.
1994 – 2002 Zu den Aufsehen erregenden Neubauten zählt das 1994 – 2002 errichtete Kulturzentrum „Auditorium Parco della Musica“ des Stararchitekten Renzo Piano im nördlichen Stadtteil Parioli.
2005 Sein amerikanischer Kollege Richard Meier schuf für die Ara Pacis Augustae einen Pavillon am Tiberufer aus viel Glas und Stahl und die im März 2016 verstorbene irakisch-britische Architektin und Designerin Zaha Hadid entwarf 2010 das MAXII (Museo Nazionale delle Arti des XXI Secolo), ein futuristisches Museum für zeitgenössische Kunst und Architektur, im Flaminio-Viertel an der Via Guido Reni 4A.

Zukunftsplanungen sehen die Umwandlung der zentralen antiken Stätten zu einem einzigen archäologischen Park vor, der vom Forum Romanum über das Kolosseum und die Caracalla-Thermen bis zur Via Appia reichen soll.
2005 Nach dem Tod von Papst Johannes Paul II. übernimmt Joseph Aloisius Ratzinger, bis dahin Dekan des Kardinalskollegiums und Präfekt der Kongregation für Glaubenslehre, als Benedikt XVI. das Pontifikat.
Febr. 2013 Seinen Amtsverzicht begründet er mit der nachlassenden „Kraft des Körpers . . . und des Geistes“, die es ihm unmöglich mache, „in angemessener Weise den Petrusdienst auszuüben“.
März 2013 übernimmt Jorge Mario Bergoglio, Argentinier und Jesuit, ein Kritiker und Reformer der römischen Kurie und der katholischen Kirche als Papst Franziskus I. das Amt.
2015 Die Römer empören sich über das schändliche Treiben der „Mafia Capitale“.
2015/16 Rom feiert das von Papst Franziskus I. ausgerufene „Heilige Jahr der Barmherzigkeit“ (8. Dez. 2015 bis 20. Nov. 2016) anlässlich des 50. Jahrestags des Abschlusses des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962/65).
   


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