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Reiseführer Rom


STADTGESCHICHTE

Glanzvoller Neubeginn

Legendenumwobene Frühzeit / Aufstieg zur Großmacht / Kaiserzeit / Spätantike Krisen / Stadt der Päpste / Glanzvoller Neubeginn / Die barocke Metropole / Beginn einer neuen Zeit / Rom im 20. Jahrhundert /

 

Rom wurde nach Avignon, Kirchenspaltung und Verödung der Stadt allmählich wieder zum Mittelpunkt der römisch-katholischen Welt. Bei der Rückkehr der Päpste aus Avignon fanden sie ihre Hauptresidenz, den Lateran, in Trümmern vor. Der Vatikan wurde ihr neuer Sitz, der nun zügig ausgebaut wurde. Er lag ohnehin günstiger als die frühere Residenz. Vom Vatikan aus ließen sich die Angelegenheiten der Stadt besser kontrollieren, außerdem befand man sich in einer guten Verteidigungsposition und man residierte ganz nahe dem Tiberbogen, der auf der anderen Flussseite das dicht bevölkerte Stadtzentrum beherbergte.

Die einschneidenden Veränderungen des römischen Stadtbilds in den folgenden rund einhundertfünfzig Jahren entsprangen der Initiative einiger Päpste, die sich als großzügige Mäzene der Neugestaltung Roms verschrieben hatten. Als Hauptstadt des Kirchenstaats sollte sie ein repräsentatives Äußeres erhalten und dafür wurden keine Kosten gescheut, kein Baumeister oder Künstler von Rang blieb unberücksichtigt. Die päpstlichen Auftraggeber und Mäzene wetteiferten untereinander um die prachtvollsten Kirchen und Paläste.

1420 – 1580

Es war die Zeit der Renaissance, der Beginn der Neuzeit. Die Menschen erwachten aus ihrem mittelalterlichen Fatalismus und begannen sich aus der kirchlichen Gebundenheit zu lösen. Ein neues Natur- und Lebensgefühl entwickelte sich und die Kraft der Persönlichkeit wurde zu einer neuen Erfahrung. Man begann, sich an der Diesseitigkeit von Mensch und Ding zu orientieren, deren Eigenwert zu erkennen, der schon in der Kunst und Architektur der griechisch-römischen Antike sichtbar geworden war. Die Rückbesinnung auf antike Kulturen sollte der neuen Zeit den Zugang zur toleranten, sinnenfrohen Lebensweise der Vorväter öffnen.

1417 – 1431

Papst Martin V. begann noch zögerlich mit der Umgestaltung der Stadt.

1431 – 1447

Sein Nachfolger Eugen IV. verbrachte fast ein Jahrzehnt im florentinischen Exil. Das rege Kunstschaffen in der Stadt der Medici, an der Wiege der Renaissance, beeindruckte ihn stark und machte ihn zu einem bedeutenden Förderer von Kunst und Architektur am päpstlichen Hof. Es gelang ihm, den Bildhauer Antonio Filarete für ein römisches Projekt zu gewinnen: die Gestaltung eines Bronzeportals für Alt-Sankt-Peter, heute das mittlere der fünf Eingangsportale der Peterskirche.

1447 – 1455

Nikolaus V., ein Bürgerlicher und erklärter Humanist, einer der ganz Großen bei der Erneuerung Roms, gründete die Vatikanische Bibliothek, ließ die städtische Infrastruktur ausbauen und auch er holte Berühmtheiten nach Rom wie den Maler der Frührenaissance, Fra Angelico, und einen der bedeutendsten Renaissance- Architekten, Leon Batista Alberti. In einer Ansprache an die um sein Totenbett versammelten Kardinäle betonte er, „dass das Papsttum wie keine andere Macht auf Erden der Überzeugungskraft der Bauten und Bilder bedürfe“.

1471 – 1484

Papst Sixtus IV., der den Ehrentitel „Restaurator Urbis Suae“ erhielt (Wiederhersteller seiner Stadt), konnte die prominenten Maler Sandro Botticelli und Domenico Ghirlandaio dazu bewegen, vom Arno an den Tiber umzusiedeln und auch Pinturicchio aus Perugia und der Lehrer Raffaels, Pietro Perugino, ebenfalls aus Perugia, zogen auf Drängen Sixtus` nach Rom. Sixtus IV. verwirklichte die nach ihm benannte Kapelle im Vatikan, sorgte für Straßendurchbrüche und ließ den Ponte Sisto erbauen. Auch die Brücke trägt seinen Namen. In der Frührenaissance entstanden mit dem Palazzo Venezia und dem Palazzo della Cancelleria die ersten monumentalen Paläste seit der Antike und die wichtigsten Kirchen, die in jener Zeitspanne zwischen 1420 und 1490 errichtet wurden, waren Santa Maria del Popolo, San Agostino und Santa Maria della Pace.

1503 – 1513

Julius II. setzte neue Akzente. Sein Architekt war Donato Bramante, der 1499 nach Rom gekommen war und zur Galionsfigur der Architekten der Hochrenaissance aufstieg. 1503 begann er mit der Umgestaltung des Belvedere-Hofs (Cortile del Belvedere) in der Vatikanstadt, schuf im gleichen Jahr noch sein Meisterwerk, den Tempietto im Hof von San Pietro in Montorio, und machte sich 1506 an den Neubau der Peterskirche, einschließlich Abriss des Alt-Sankt-Peter, was ihm den Beinamen „Maestro ruinante“ einbrachte. Bramante ebnete Raffael den Weg zu einem Großauftrag, der Ausmalung der „Stanzen“ im päpstlichen Wohntrakt. Nur wenige Meter weiter arbeitete Michelangelo an den Fresken der Sixtinischen Kapelle. Unter Julius II. wurde auch an neuen Straßenachsen gearbeitet. So entstanden die Via Giulia und auf der gegenüber liegenden Tiberseite die parallel dazu verlaufende und ebenso schnurgerade Via della Lungara.

Michelangelo

Michelangelo

1513 – 1521

Leo X. ließ die Via della Ripetta anlegen.

1527/28

Nach mehrfachen politischen Richtungswechseln des unberechenbaren Papstes Clemens VII. wird Rom von den spanischen und deutschen Söldnertruppen Karls V. eingenommen und völlig ausgeplündert. Im Nachhinein kam es zu einer Hungersnot, die Pest brach aus. Der „Sacco di Roma“ kostete 4.000 Römer das Leben. Die Stadt hatte noch 55.000 Einwohner. Doch erstaunlich schnell kehrte man zur Normalität zurück. Der Aufstieg Roms war nicht aufzuhalten, die Einwohnerzahl lag schon ein halbes Jahrhundert nach dem „Sacco“ (Plünderung) bei über 100.000. Was aber den Vatikan zutiefst beunruhigte, war das Vordringen der Reformation in immer mehr Gebiete, die einst die römische Kirche dominierte.

1545 – 1563

Das Konzil von Trient sollte eine Lösung bringen, durchgreifende Reformen beschließen und die römisch-katholischen Glaubensinhalte gegen die lutherischen Herausforderungen abgrenzen. Auch das Bild von der päpstlichen Hauptstadt als Sündenpfuhl sollte ausgemerzt und ein Gegenbild entworfen werden, das in die Zukunft wies. Nach Abschluss des als erfolgreich eingeschätzten Konzils gewann die katholische Kirche ihr Selbstbewusstsein zurück und ging in die Offensive. Zu ihrem gegenreformatorischen Vorgehen gehörte ohne Frage die Förderung des Barock, eines üppigen, gefühlsbetonten und von bewegten Linien geprägten Stils voller Pracht und Anmut in Architektur, Malerei und Bildhauerei. Er war eine Reaktion auf die Einfachheit und Unmittelbarkeit der Renaissance. Für das Papsttum wurde er das Kontrastprogramm zur nüchternen Selbstdarstellung des Protestantismus und präsentierte sich besonders pompös, „wenn er den erzieherischen und inspirierenden Zwecken der Gegenreformation dienstbar gemacht wurde“, wie der römische Chronist Mauro Lucentini feststellt.

1534 – 1549

Paul III. (er hatte das Konzil einberufen) setzt den Bau der Via del Babuino durch. Beide Straßen, die Babuino und die oben erwähnte Ripetta, erschlossen den Norden Roms und sorgten für einen Zugewinn an Siedlungsfläche im Dreieck zwischen Piazza del Popolo, Engelsburg und Piazza Colonna.

1540

Unter Paul III. wird die Gründung der von Ignatius von Loyola ins Leben gerufenen Gesellschaft Jesu (Societas Jesu / S.J.) bestätigt. Der Jesuitenorden machte sich als Vorreiter der Gegenreformation einen Namen.

1555

lässt Papst Paul IV. gemäß seiner Bulle Cum nimis absurdum („weil es allzu widersinnig ist“), womit er das Zusammenleben von Juden und Christen meinte, die jüdischen Römer in ein Ghetto gegenüber der Tiberinsel sperren, dessen Tore nachts geschlossen wurden.

Gasse im ehemaligen Ghetto von Rom

Gasse im ehemaligen Ghetto

1559 – 1565

Papst Pius IV. setzte die Erschließung der Stadt durch gerade Straßenachsen fort und so entstand die heutige Via XX. Settembre mit einem eindrucksvollen Schlusspunkt, für den Michelangelo die Porta Pia entwarf.


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