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Reiseführer Rom


Schildkrötenbrunnen


Er blieb lange Zeit unvollendet. Die vier bronzenen Jünglinge, die ihm seine Anmut verleihen, schienen ein wenig unbeschäftigt, bis der große Bernini die zündende Idee hatte und den Jünglingen vier Schildkröten hinzu gesellte.

Die enge und etwas düstere Via della Reginella, eine frühere Ghettostraße, mündet auf die beschauliche Piazza Mattei. Zwei Palazzi der einst mächtigen Adelsfamilie Mattei säumen den Platz. Allein acht Kardinäle stellten die zum römischen Establishment zählende Aristokraten und sie hatten noch eine besondere Verpflichtung übernommen, nämlich für das Öffnen und Schließen der Ghettotore Sorge zu tragen.

Schildkrötenbrunnen

Aber nicht die Palazzi der Mattei locken Besucher hierher, die wahre Sehenswürdigkeit des Platzes ist der herrliche Schildkrötenbrunnen (Fontana delle Tartarughe) mit den berühmten vier bronzenen Epheben, die sich spielerisch und schwerelos über dem plätschernden Wasser vergnügen. Ein derartiges Ensemble ist selten in Rom. Der als „Brunnenmacher Roms“ titulierte Giacomo della Porta zeichnete für das quadratische Becken mit abgerundeten Ecken verantwortlich. Auch die monumentale Brunnenskulptur aus grauem afrikanischem Marmor entstammte seiner Werkstatt. Und dann kam Taddeo Landini ins Spiel, ein Bildhauer der Spätrenaissance aus Florenz, der die bronzenen Delphine schuf, auf die sich seine vier Bronzejünglinge mit einem Fuß abstützen.
Im ursprünglichen Entwurf sollten aus den Händen der Epheben kleine Delphine in die Höhe streben, doch sie schmückten alsbald aus unerfindlichen Gründen einen anderen Brunnen und die Jünglinge griffen jahrzehntelang ins Leere.

Einer aus der Sippschaft namens Muzio Mattei hatte 1580 durchgesetzt, dass die Wasserzuführung der Acqua Vergine von der nahen Piazza Giudia bis unmittelbar vor seinen Palazzo ausgebaut wurde. Er revanchierte sich mit der Umgestaltung des Platzes, der gepflastert wurde und seinen Brunnen erhielt. 1658 war es der unermüdliche Architekt und Bildhauer Gian Lorenzo Bernini, der im Auftrag von Papst Alexander VII. die Vollendung des Brunnens in Angriff nahm. Die vorhandene Struktur wurde verstärkt und in seiner Werkstatt ließ Bernini vier bronzene Schildkröten anfertigen, die, so scheint es, von den Jünglingen hinaufgereicht, aus der oberen Brunnenschale mit herausgestreckten Hälsen Wasser trinken.

Die Delphine als Symbol der Schnelligkeit, die Schildkröten als Verkörperung der Langsamkeit – es war  ein gewollter Kontrast in Anlehnung an die lateinische Redensart „festina lente“ (eile langsam), einer Grundregel reifer Menschen.

Ob jener Muzio Mattei zur Kategorie solch` gefestigter Persönlichkeiten zählte, lässt die folgende, in Rom gern erzählte Anekdote denn doch bezweifeln. Muzio war ein Spieler  und verlor eines langen Abends Geld und Besitz und das in dem Moment, als er gerade um die Hand eines wunderschönen und obendrein sehr reichen Mädchens anhalten wollte. Deren Vater erfuhr aber von seinem Missgeschick und verweigerte die Zusage zur Eheschließung. Doch ein Mattei gibt nicht auf! Er lud den künftigen Schwiegervater nebst  Tochter zu einem Abendessen ein, das sich über Stunden hinzog. Währenddessen wurde fieberhaft an der Fertigstellung des Brunnens gearbeitet und irgendwann stieß man die Fenster auf, der Blick der versammelten Runde fiel auf das fertige Kunstwerk und Muzio tönte: „Seht, was ein „mittelloser“ Mattei in wenigen Stunden vollbringen kann!“
Natürlich wurde bald geheiratet.

Und drüben, in der Fassade des Palazzo Mattei, sieht man ein zugemauertes Fenster, aus dem damals die Abendgesellschaft zuerst den Brunnen erblickt hatte. Kein Sterblicher sollte mehr den unvergleichlichen Blick genießen und so ließ Muzio das Fenster vermauern . . .


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