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Reiseführer Rom


Ponte Sisto

Die nach Papst Sixtus IV. (1471 – 1484) benannte Tiberbrücke verbindet das historische Zentrum mit dem Stadtteil Trastevere auf dem rechten Tiberufer. 1473 begann der Bau auf den Fundamenten der im Jahre 791 von einem verheerenden Hochwasser weggerissenen antiken Brücke Pons Aurelius aus dem 3. Jahrhundert.  Rechtzeitig zum Heiligen Jahre 1475 wurden die Bauarbeiten am Ponte Sisto abgeschlossen. Es sollte der einzige Brückenneubau im römischen Stadtgebiet bleiben in der langen Zeitspanne zwischen Antike und 19. Jahrhundert.

Ponte Sisto


 
Sixtus IV. hatte wegen seiner skandalträchtigen Amtsführung schon zu Lebzeiten einen denkbar schlechten Ruf und die Chronisten unserer Tage lassen auch kein gutes Haar an ihm. Mag er als Pontifex Maximus der Christenheit auch schändliche Dinge getrieben haben, so findet seine Rolle als Förderer der römischen Kunst und Architektur gleichwohl weithin Anerkennung. In einer päpstlichen Bulle (1473) erhob er die Forderung: „Denn ihr vor allem, die das Haupt der Erde ist und als Sitz des Apostelfürsten vor jeder anderen Stadt den Vorrang behauptet, geziemt es, auch äußerlich die sauberste und schönste Stadt zu sein.“ Die große Zahl der von ihm initiierten Projekte brachte ihm die Ehrenbezeichnung restaurator urbis suae (Restaurator seiner Stadt) ein. Er sorgte für Begradigungen und die Pflasterung vieler Straßen, ließ ganze Straßenzüge neu anlegen und Roms ältestes Hospital nach einem Brand vollständig erneuern. Er gab den Auftrag für den Bau der Sixtinischen Kapelle.

Zurück zum Ponte Sisto. Die allein den Fußgängern vorbehaltene Brücke besticht durch ihre schlichte Eleganz, zu der ihre geschwungene Form, die Proportionierung und nicht zuletzt das Material – das für Rom so typische Travertin – beitragen. Überdies hat der Architekt, nach ungesicherten Angaben soll es Baccio Pontelli gewesen sein, das Augenmerk auf antike Vorbilder wie den Pons Fabricius / Ponte Fabricio gerichtet, wie es unter Architekten üblich war in der Zeit der Frührenaissance. Vier halbrunde Bögen zwischen drei Pfeilern tragen die Brücke. Ganz unten, in Höhe des Wasserspiegels, laufen die Pfeiler stromaufwärts als Wellenbrecher spitz zu und flussabwärts halbrund. Der mittlere Brückenpfeiler weist wie sein Vorbild, der Ponte Fabrizio, eine Öffnung auf, einen sogenannten Occhialone (von occhio = Auge), der bei Hochwasser einen Teil des Wassers durchleiten kann und auf diese Weise den Druck auf das Mauerwerk verringert. Travertinpilaster und dazwischen aufgeschichtete Ziegelplatten formen das Geländer.  

Lange Zeit gab es Gerüchte, das Geld für den Brückenbau sei von einer Steuer abgezweigt worden, die man den Prostituierten auferlegt hatte. Tatsächlich stammte es aus einer Hinterlassenschaft des kastilischen Kardinals Juan de Torquemada (er war der Onkel des berüchtigten spanischen Großinquisitors Tomás de Torquemada), die er den Dominikanern der römischen Kirche Santa Maria sopra Minerva vermacht hatte. Die Kirche, seiner Zeit Zentrum der von den Dominikanern wieder eingesetzten Inquisition, birgt das Grab des Juan de T.

In Heiligen Jahr 1475 also – es war seit seiner Einführung (1300) das siebte Jubeljahr zur Feier des Geburtsjahres Jesu Christi – war die Brücke gerade noch rechtzeitig fertig geworden, um die Pilgermassen auf den rechten Weg zu bringen. Sixtus IV. hatte sich nämlich eine Art „Einbahnstraßensystem“ ausgedacht, um ein Verkehrschaos  abzuwenden. Danach durften die Pilger die Engelsbrücke (den Ponte St. Angelo) nur in einer Richtung, nach St. Peter, passieren. Für den Rückweg mussten sie die Via della Lungara am rechten Tiberufer nehmen, um dann auf dem neuen Ponte Sisto den Tiber in Richtung Stadtzentrum zu überqueren.

Zwei Inschriften am linken Brückenkopf feiern die Verdienste des Papstes, der die Brücke  „zum Nutzen des römischen Volkes und der Pilger des Heiligen Jahres sorgfältig und kostenaufwändig wieder aufbauen ließ und wünschte, man solle ihr seinen Namen geben“ und wer die Brücke überschreite, solle „den Herren bitten, dass er uns den Pontifex Maximus lange erhalte und ihm beistehe“ und: „Lebe wohl, sobald du das erbeten hast, wer immer du bist“.        

 


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