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Reiseführer Rom


Ponte Rotto

Die zerbrochene Brücke

Der einsame Brückenbogen mitten im Flussbett nahe der Tiberinsel ist ein Überrest des Pons Aemilius, der ersten steinernen Brücke über den Tiber. Ihre ursprünglich sechs Pfeiler entstanden schon 179 v. Chr. Sie waren anfänglich durch starke Holzbohlen miteinander verbunden und erhielten erst 142 v. Chr. steinerne Bögen und ein Steinpflaster, nachdem römische Ingenieure erfolgreich mit der Technik der Halbkreisbogenbrücke experimentiert hatten. Die solide gebaute Steinbrücke blieb mehr als 1700 Jahre funktionsfähig, wenngleich sie auch häufiger wegen schwerer Beschädigungen gesperrt werden musste.

Ponte Rotto

Der Bau des Pons Aemilius geht auf die hohen römischen Beamten (Censores) M. Fulvius Nobilior und M. Aemilius Lepidus zurück, zu deren Aufgabenbereich die Errichtung und Instandhaltung öffentlicher Bauten gehörte. Unter Kaiser Augustus waren im ersten Jahrhundert nach Christus die ersten großen Reparaturen fällig. Offenbar hielt die Brücke in den Jahrhunderten danach dem Tiberhochwasser stand, jedenfalls ist Gegenteiliges nicht überliefert. Erst wieder im 13. Jahrhundert und dann auch gleich zweimal waren Restaurierungen vorzunehmen und erneut in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts und im Jahre 1500. Selbst der betagte Michelangelo sollte sich der zunehmend instabilen Brücke annehmen, lehnte aber wegen seines hohen Alters ab. Wie es um die Brücke bestellt war, wusste er sehr wohl, denn als er sie einmal mit einem Begleiter zu Pferde überquerte, drängte er: „Geben wir den Pferden die Sporen, sonst bricht sie zusammen, ehe wir drüben sind.“

Ein paar Jahre später passierte es dann. Während der Tiberüberschwemmung 1557 wurden zwei Brückenbogen von dem reißenden Strom weggerissen. Da sich Rom im Heiligen Jahr 1575 von seiner besten Seite zeigen sollte, beauftragte Papst Gregor XIII.  den Baumeister Matteo da Città di Castello mit der Wiederherstellung der Brücke und reichlicher Ruhmbezeugung für den päpstlichen Retter, dessen steinernes Wappen am Brückenbogen prangt und der geflügelte, krallenbewehrte Drachen aus seinem Wappen  in den Zwickeln verewigt wurde (siehe Foto).

Ponte Rotto, Rom


Zwei Jahrzehnte später, am 14. Dezember 1598, tobte erneut ein verheerendes Hochwasser durch Rom und riss die östliche Hälfte der Brücke weg. An einen Wiederaufbau wagte man sich nicht. Die noch erhaltenen und mit dem rechten Tiberufer verbundenen drei Bogen wurden 1853 mittels einer eisernen Hängebrücke an das linke Ufer angebunden. Als 1885 der noch heute genutzte schmucklose eiserne Ponte Palatino gebaut wurde, waren die Tage des Hängebrückenprovisoriums gezählt und auch zwei  Bogen der antiken Steinbrücke waren den Arbeitern im Wege und wurden abgerissen.

Nur noch ein einziger, wuchtig im Strom ausharrender Bogen des alten Pons Aemilius erinnert an die erste Steinbrücke im antiken Rom.

    

 


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