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Palazzo Spada

Palazzo Spada, Rom

Italiens Staatspräsident residiert im monumentalen Quirinalspalast, der Ende des 16. Jahrhunderts als päpstliche Sommerresidenz entstanden war und später von Italiens Königen bewohnt wurde. Amtssitz des Ministerpräsidenten der Republik ist ein aus der gleichen Zeit stammendes vornehmes Stadtpalais, der Palazzo Chigi. Gleich nebenan, im Palazzo Montecitorio, den der geniale Bernini in den 1650er Jahren zu bauen begann, tagen die Parlamentsabgeordneten. Die Vertretung der Regionen, der Senat, versammelt sich im 1642 errichteten vornehmen Palazzo Madama und der Staatsrat schließlich fand im Palazzo Spada, einer prächtigen Residenz der Spätrenaissance, eine nicht minder erlauchte Bleibe, wie sie den römischen Staatsdienern offenbar zusteht. 

Neben den Räumlichkeiten des Staatsrats (für den es in den deutschsprachigen Ländern keine rechte Entsprechung gibt) beherbergt der Palazzo Spada eine sehenswerte Gemäldegalerie und mit der „Galleria prospettica“ des Francesco Borromini einen architektonischen Augenschmaus, eine perspektivische Täuschung der Extraklasse.

Als 1544 Kardinal Girolamo Capo di Ferro zum Kardinal gewählt wurde, entstand hier in seinem Auftrag der Palast als angemessene Wohnstatt des Kirchenmannes. Der von Giulio Merigi da Caravaggio errichtete Bau mit seiner etwas befremdlich anmutenden  Fassade verweist auf eine ähnliche Fassadengestaltung durch Raffael beim Bau des später abgerissenen Palazzo dell`Aquila. Drei Stockwerke strukturieren die Straßenfront des Palazzos, wobei die Fenster nicht besonders betont werden, umso mehr aber das Dekor zwischen und über ihnen. Es sind die tiefen Nischen mit Dreiecksgiebeln darüber, die besonders in Auge fallen. Sie bieten Statuen antiker Helden und Kaiser Platz, von Trajan, Pompeius und Fabius Maximus zu Romulus und weiter mit Numa Pompilius, Marcellus, Caesar und Augustus. Und über dieser Versammlung der Großen der römischen Vergangenheit hat in verschwenderischer Fülle Giulio Mazzoni Stuckdekorationen geschaffen, Seraphime und Putten, die Girlanden und Festons halten.

Palazzo Spada, Rom

Vom ähnlich phantasiereich geschmückten Innenhof zweigt die berühmte Kolonnade Borrominis ab, ein Durchgang, flankiert von kräftigen Säulen, der eine Länge von vielleicht 35 m suggeriert und zu einem anderen, scheinbar großen Palasthof mit einer Skulptur als Blickfang führt. Die Säulengalerie in Form einer toskanischen Kolonnade mit Tonnengewölbe ist tatsächlich nur 8,58 m lang und der „Hof“, auf den sie zuführt, ist nicht mehr als ein Lichtschacht und die Skulptur gerade einmal 65 cm hoch. Aus Kleinem Großes zu machen und Länge vorzutäuschen, gelingt Borromini durch eine perspektivische Verkürzung, indem er den Fußboden ansteigen und die Säulen nach hinten kleiner werden lässt. Kommentierte ein Zeitgenosse Borrominis, der für seine perspektivischen Fresken bekannte Maler und Architekt Andrea Pozzo: „Das Auge, obgleich es der klügste Sinn ist, hat doch eine sonderliche Lust, von der Kunst der Perspektive betrogen zu werden.“

Borrominis Kolonnade

Die „Galleria“ im Palazzo beherbergt die Kunstsammlung des Kardinals Bernardino Spada. Er war ein großzügiger Gönner des Malers, Radierers und Bildhauers Guido Reni und dessen Kollegen Giovanni Francesco Barbieri, genannt Il Guercino („der Schieler“). Wie Reni den Kardinal auf der Leinwand festhielt, kann in der Galleria bewundert werden. Vom „Schieler“ stammt das ebenfalls hier ausgestellte Gemälde „Der Tod der Dido“. Vier Säle nehmen die Sammlung  auf, die größtenteils Kunstwerke des 17. Jahrhunderts umfasst, wenn auch nur wenige von den ganz Großen der Zeit wie etwa Tizian und Jan Breughel. Was den besonderen Reiz der Galleria ausmacht, ist die Bewahrung ihres authentischen Charakters. Alles blieb an seinem Ort: die Möbel und der Wandschmuck, die antiken Skulpturen und die Gemälde. Sie zeugen vom aufwändigen Lebensstil eines hochrangigen Kirchenmannes im 17. Jahrhundert.

(Piazza di Capo di Ferrro 13)

 

 



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