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Reiseführer Rom


Nero

NeroDie Nachfolger des Princeps Augustus verspielten den guten Ruf der julisch-claudischen Dynastie. Augustus` Stiefsohn Tiberius (Kaiser in den Jahren 14 – 37) war ein düsterer Sonderling, den man „den Traurigsten unter den Menschen“ nannte mit unverkennbarem Hang zsum Größenwahn. Ihm folgte mit Caligula (37 – 41) eine psychisch angeschlagene Persönlichkeit, deren „Caesarenwahn“ sich in Machtphantasien und Verschwendungsorgien äußerste. Nach ihm trat der etwas weltfremde Claudius auf (41 – 54), ein an Lähmungen und Sprachstörungen leidender Herrscher, den die historische Forschung mal einen „halben Narren“ nennt, um ihm an anderer Stelle eine „erfolgreiche Regierung“ zu bescheinigen. Er starb möglicherweise durch Gift, das ihm sein Gemahlin Agrippina verabreichte, um ihren damals 17jährigen Sohn Nero aus erster Ehe auf den Thron zu hieven.
Nero entwickelte sich im Verlauf seiner Regierungszeit (54 – 68) zum Inbegriff des größenwahnsinnigen Tyrannen.

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Das aber wollte der italienische Autor Massimo Fini so nicht stehen lassen. In seinem 1994 bei Mondadori in Mailand erschienen Werk „Nerone: duemila anni di calunnie“ (Nero: Zweitausend Jahre Verleumdung) versucht er eine radikale Neubewertung der historischen Rolle Neros. Ihm folgt eng der Religionssoziologe Horst Herrmann, für den Nero „eine Art Kulturrevolutionär auf dem Kaiserthron war, der das starre, patriarchalische Wertesystem der römischen Adelsklasse von innen her aufbrechen wollte, der den Versuch einer Kulturwende von oben wagte“.

Ein ziemlich verwegener Ansatz zu einer Rehabilitierungdes Herrschers, wenn man sich seine unstrittigen Gräueltaten vor Augen hält. Seine Mutter Agrippina (selbst eine Mörderin) ließ er ermorden und auch seine erste Frau Octavia. Nach zeitgenössischen Quellen soll er durch einen Fußtritt auch seine zweite Frau Poppaea, die schwanger war, getötet haben. Der Historiker Tacitus und sein Kollege, der Schriftsteller Sueton, machen Nero auch für den Tod seines Stiefbruders Britannicus verantwortlich. Dass er reiche Senatoren wegen Majestätsbeleidigung verurteilen ließ (was nicht alle überlebten), um ihr Vermögen zu konfiszieren, gilt als gesichert, wie auch die (späte) Einsicht, dass der große Brand Roms im Jahre 64  n i c h t  von ihm gelegt wurde, er aber den Zorn der  Obdachlosen, die alles verloren hatten, auf die Juden und frühen Christen lenkte, von denen er mehr als 200 als Brandstifter hinrichten ließ. Im Jahr darauf zwang er den   Philosophen und Schriftsteller Seneca und dessen Neffen Lucanus zum Selbstmord. Er verdächtigte sie der Beteiligung an einer Verschwörung.
Dabei war es sein Erzieher und Berater Seneca, der die Anfangsjahre seiner Herrschaft zu einer Erfolgsgeschichte werden ließ. Die Finanzverwaltung erfuhr eine Neuordnung, das schwierige Verhältnis zum Senat besserte sich. Für das Volk gab es Spiele und eine gesicherte Getreideversorgung. Auch in der Außenpolitik konnte er einige Erfolge verzeichnen: Armenien wurde befriedet und eingegliedert, Britannien endgültig unterworfen, im nahöstlichen Judaea konnten Aufstände niedergeschlagen werden.

Nach dem ungeklärten Tod seines Beraters Burrus und dem Rückzug Senecas gewann ein gewisser Tigellinus als Praetorianerpräfekt  und neuer Günstling Neros Einfluss auf den Staatsapparat – ein Warnsignal für den konservativen Senatorenadel. Für die Senatoren hatte Neros Sündenregister eine inakzeptable Länge erreicht. Sie hätten lieber statt eines mit unumschränkter Machtfülle ausgestatteten Herrschers einen primus inter pares, der sich den mores maiorum, den Sitten der Alten, verpflichtet fühlte. Neros geradezu orientalisch anmutende Prunk- und Verschwendungssucht empörte sie, seine leidenschaftliche Vorliebe für das Griechische beleidigte sie. Seine ausufernde Selbstinszenierung als waghalsiger Wagenlenker, als Schauspieler, Sänger mit der Kithara und Dichter war ihnen zu „volksnah“. Sein Hang zu den schönen Künsten ließ ihn in den Jahren 66/67 durch Griechenland tingeln, wo er u. a. bei den Isthmischen Spielen in Korinth auftrat und sich als Sieger feiern ließ. Dem geliebten Griechenland gewährte er Autonomie und Steuerfreiheit. Das reichte aus, um die Stimmung in Rom endgültig umschlagen zu lassen.

Während die Plebs (das Volk) auf seiner Seite stand, organisierten Adel und Militär den Aufstand gegen den unwürdigen Princeps. Die mächtigen Statthalter römischer Provinzen in Gallien und Spanien drohten Nero mit einem Putsch, der Senat in Rom erklärte ihn zum Volksfeind. Nero floh, niemand gewährte ihm Unterschlupf. Er wurde gestellt und beging Selbstmord. Mit ihm erlosch die von Augustus begründete julisch-claudische Dynastie.

Um die Nachfolge konkurrierende Kandidaten stürzten das Reich ins Chaos. Dem ab Juli 69 regierenden Vespasian (er war einer der nicht sehr zahlreichen „guten“ Herrscher im Römischen Reich) gelang es schließlich, die Auseinandersetzungen im Land zu beenden.



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