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Goethe-Denkmal


An schönem Ort, auf dem Gelände der Villa Borghese, trafen im August 1904 illustre Persönlichkeiten der römischen Gesellschaft, darunter Italiens König Vittorio Emanuele III., zusammen, um gemeinsam die Enthüllung des prachtvollen Goethe-Denkmals zu begehen. Es war ein Geschenk des deutschen Volkes an die Stadt, die Goethe zwischen 1786 und 1788 rund fünfzehn Monate lang voller Begeisterung und Forscherdrang durchstreift hatte und über das Erleben dort viele Jahre später seinem Sekretär Eckermann anvertraute: „Ich kann sagen, dass ich nur in Rom empfunden habe, was eigentlich ein Mensch sei (…) ich bin, mit meinem Zustand in Rom verglichen, eigentlich nachher nie wieder froh geworden.“


Das Ehrenmal war ein Entwurf des Bildhauers Gustav Eberlein (1847 – 1926). Er zählte zu der von Johann Gottfried Schadow ins Leben gerufenen „Berliner Bildhauerschule“. Sie vereinte vom Ende des 18. Jahrhunderts bis zur Zeit des 1. Weltkriegs einige Hundert Bildhauer, die sich anfangs dem Klassizismus verschrieben, dann den Naturalismus favorisierten und schließlich im wilhelminischen Neobarock verharrten oder sich der Moderne zuwendeten. Ausgeführt wurde das Monument nicht von Eberlein sondern von Valentino Casal, einem gebürtigen Venezianer, der in Berlin-Friedenau ein Atelier betrieb. Es war damals nicht unüblich, wenn die Zeit drängte oder aus Kostengründen Bildhaueraufträge an italienische Werkstätten zu vergeben, die sich in Berlin niedergelassen hatten.

Eberlein war ein glühender Verehrer Goethes und spielte schon seit Jahren mit dem Gedanken an ein repräsentatives Goethe-Denkmal. Viel später gestand er ein, dass er seine römischen Denkmalspläne unaufgefordert dem Kaiser vorgelegt hatte, der ihm für die Gestaltung freie Hand ließ und auch den Modellentwurf ohne Änderungswünsche akzeptierte.

Mignon und der Harfner

Eberleins von Casal ins Werk gesetzter Entwurf zeigt den noch jungen Goethe entspannt stehend auf einem Kapitell mit ionischen und korinthischen Stilelementen. Das Kapitell steht auf einem Podest, das wiederum von einem dreistufigen Sockel getragen wird. Um das Podest versammeln sich drei Figurengruppen, die prominente Gestalten aus den Werken Goethes darstellen: Vorn links „Mignon und der Harfner“, das junge Mädchen Mignon und ihr Vater, der verwirrte Bänkelsänger mit der Harfe in „Wilhelm Meisters Lehrjahre“, vorn rechts „Iphigenie und Orest“, Iphigenie und ihr Bruder Orest, der Muttermörder, nach dem Schauspiel „Iphigenie auf Tauris“ und auf der Rückseite „Faust und Mephisto“, Faust, der mit Mephisto einen Teufelspakt eingeht, nach der Faust-Tragödie.

Faust und Mephisto

Anlässlich eines Spaziergangs durch die weitläufigen Anlagen der Villa Borghese begutachtete 1907 Siegmund Freud das in seinem weißen carrarischen Marmor strahlende Denkmal und schrieb darüber seiner Familie nach hause: Die Statue ist ganz geschickt und nichts Hervorragendes. Goethe (…) steht auf einem Säulenschaft, vielmehr einem Kapitell und das Postament ist von drei Gruppen umgeben: Mignon und der Harfner, der vielleicht das beste ist, Mignon selbst hat ein leeres Gesicht, Faust in einem Buch lesend, dem Mephisto über die Schulter schaut, Faust wieder gut, der Teufel ganz fratzenhaft, ein Judengesicht mit Hahnenkamm und Hörnern, und eine dritte Gruppe, die ich nicht verstehe, vielleicht Iphigenie und Orest, aber dann sehr unkenntlich...

Auch entdeckte Freud nahebei eine Statue des Victor Hugo und mutmaßte, dass der gute Kaiser Wilhelm aus Concurrenzneid dem Eberlein den Auftrag erteilte. Nur, umgekehrt war`s: Die Herausforderung durch den deutschen Dichterfürsten beantwortete Paris umgehend mit einem Denkmal ihres großen Homme de lettres, Victor Hugo.

(Viale Goethe)


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