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Reiseführer Rom


Donato Bramante

Donato Bramante

Was sich 1499 in Mailand abspielte, sollte zum Glücksfall für Rom werden. Die Franzosen stürzten damals Ludovico Maria Sforza, den Herzog von Mailand und großen Förderer der Künste. Er hatte Malern und Poeten, Musikern und Baumeistern an seinem Hof großzügige Arbeitsmöglichkeiten geboten. Mit seiner Entmachtung brachen auch für die Künstler, darunter Leonardo da Vinci und Donato Bramante, unsichere Zeiten an. Fluchtartig verließen sie Mailand. da Vinci zog über Venedig und Mantua nach Florenz. Bramante aber ging nach Rom. 

Als er in der Stadt am Tiber eintraf, war der Baumeister und Maler schon fünfundfünfzig Jahre alt und in der Kunstszene kein Unbekannter. Er hatte in Pavia, Saronno und Vigevano gearbeitet, vor allem aber in Mailand bei der Umgestaltung der Kirchen Santa Maria presso San Satiro, Santa Maria delle Grazie und Sant`Ambrogio mitgewirkt. Die Casa Visconti hatte er mit Fresken ausgeschmückt, diverse Kupferstiche und das berühmte Tafelgemälde „Cristo alla colonna“ geschaffen.


Für das Malen (gerühmt wird seine „große Eleganz und Unmittelbarkeit“) blieb ihm in Rom wegen der zahllosen päpstlichen Bauprojekte keine Zeit mehr. Aber zunächst hielt er sich bedeckt, nahm sich viel Zeit, kümmerte sich nicht um Aufträge, studierte eingehend die antiken monumentalen Bauten. Eine Abkehr vom Stil der norditalienischen Frührenaissance, in die antike Einfachheit und Monumentalität nie so recht Eingang fanden, begann sich bei ihm anzukündigen. Bramante wollte die Antike nicht nur angedeutet sehen, sie sollte in ihrer ganzen Fülle sichtbar werden. Er hatte die gravitas romana, die Schwere und Einfachheit, als zentralen Wert der antiken römischen Architektur ausgemacht. Sie wollte er in den Dienst der christlichen Baukunst stellen. Sein erstes nachweisbares Werk in Rom, der Kreuzgang der Kirche Santa Maria della Pace, zeigt, mit welcher Entschlossenheit er die Andeutungen der Frührenaissance hinter sich ließ und der Architektur den Weg in die Hochrenaissance öffnete.

Bramante, den seine Eltern „Donino“ nannten und auch Leonardo da Vinci durfte ihn so ansprechen, hieß eigentlich Donato di Angelo di Pascuccio. Von seinem Großvater bekam der 1444 Geborene als kleiner Junge den Beinamen „Bramante“ (der Sehnende), so als habe er schon damals große Ideen gewälzt. Vermutlich hat Bramante am Hof des Fürsten von Urbino, nahe seinem Geburtsort, eine fundierte Ausbildung erhalten und dort auch erste Bekanntschaft mit den Schriften des Leon Battista Alberti machen können. Alberti gilt als bedeutendster Architekt der Frührenaissance. Seine Ideen führte Bramante in großem Maßstab und nach eigenen Vorstellungen unter der Ägide des seit 1503 amtierenden Papstes Julius II. fort.


Bramante gestaltete den vatikanischen Belvedere-Hof (Cortile del Belvedere) mit einem für die Hochrenaissance bezeichnenden „großen Zugriff“ völlig neu, indem er durch lange Verbindungstrakte, Terrassen, Gärten und Treppen das schwierige Gelände gliederte. 1503 wurde sein Meisterwerk enthüllt, der Tempietto (Tempelchen) im Hof des Klosters San Pietro in Montorio, in den alle Erkenntnisse seines Antikenstudiums eingeflossen waren. Mauro Lucentini, ein ausgewiesener Kenner der römischen Architektur, bezeichnet den Tempietto als vollkommenes Kompendium des Kanons der klassischen Architektur, die auf eine Weise neu interpretiert wurde, dass sie die Wertvorstellungen und Empfindungen des modernen Menschen zum Ausdruck brachte (…) eine Quelle der Inspiration für alle Künstler der Hochrenaissance (…) eines der einflussreichsten architektonischen Werke aller Zeiten (…) wo heidnische Schönheit und christliche Geistigkeit verschmelzen.

Tempietto von Bramante

Tempietto (Tempelchen) im Hof des Klosters San Pietro in Montorio
© carlo de santis - Fotolia.com

Spätestens jetzt erkannte Papst Julius II. die Fähigkeiten des Bramante und beauftragte ihn mit dem Neubau der Peterskirche (1506). Die großartige, aber hinfällige alte Basilika musste abgerissen werden, was Bramante, ohne ihn zu beeindrucken, den Beinamen „Maestro ruinante“ einbrachte. Sein Entwurf eines Zentralbaus auf dem Grundriss eines griechischen Kreuzes mit einer gewaltigen Kuppel wurde nicht verwirklicht. Es fehlte schlicht an Geld und es gab prinzipielle Einwände. Was von seinem Entwurf blieb, sind die vier gewaltigen Pfeiler, die die Kuppel tragen. Nach ihm änderte, plante und baute an der bedeutendsten Kirche der Christenheit über die nächsten 150 Jahre alles, was Rang und Namen hatte, von Michelangelo und Raffael bis hin zu Bernini und Maderno.


Eine andere Arbeit Bramantes, wieder im Auftrag von Julius II., war der Mönchschor der Kirche Santa Maria del Popolo („ein Faszinosum der Hochrenaissance“). Zu seinem Spätwerk wurde die mehrgeschossige Loggienarchitektur am vatikanischen Cortile di San Damaso, die nach seinem Tod (1514) von Raffael zu Ende geführt wurde.

Bramantes Rückgriff auf die „in sich ruhende Kraft“ der antiken Monumentalität und ihre Übertragung auf die christliche Architektur, bedeutete, wie schon die Großen seiner Zeit feststellten, eine Neubelebung der Baukunst – im Kirchenbau wie auch bei der städtischen Palastarchitektur und ebenso in der Landschafts- und Villenarchitektur.
Der 1508 geborene Andrea Palladio, Norditaliens berühmtester Renaissance-Architekt, nahm als einziges neuzeitliches Bauwerk Bramantes „Tempietto“ in den vierten, den großen Antiken gewidmeten Band seiner Hauptschrift „I Quattro Libri Dell`Architettura“ auf. Er würdigte Bramante als denjenigen, der als erster wieder die gute und schöne Architektur ans Licht brachte, die seit der Zeit der Antiken bis auf den damaligen Tag vergessen war . . .

 

 



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