DAS PORTAL DEUTSCHSPRACHIGER REISEJOURNALISTEN

Reiseführer Rom


Caracalla-Thermen

Caracalla-Thermen

© lamio - Fotolia.com

Die Römer liebkosten den Sinn des Gefühls mit Baden, wie wir ohngefähr mit Tabak unsre Nasen; sie fingen vom heißen an und gingen alsdann alle Grade der Wärme durch, teils im Wasser, teils in lauer Luft, bis zum kalten. Eine wahre Wollust, die alle verschiedne Wärme der Existenz nachahmt (…) Ihre Bäder waren eigentlich der Genuss, den sie von den Siegen ihrer Vorfahren über die Welt hatten; und die Gebäude dazu gewiss das höchste der Kunst im großen, was wir in der Geschichte der Menschen kennen. Es war da alles, was das Leben freut und angenehm macht, beisammen. Wir können uns, ohngeachtet der ungeheuren Ruinen, wenig davon vorstellen, weil uns diese Art Genuss ganz entrückt ist.

(Aus dem Tagebuch des Johann Jakob Wilhelm Heinse, der 1780-1783 die Schweiz, Südfrankreich und Italien bereiste und sich auch längere Zeit in Rom aufhielt.)

Die im Jahre 216 eröffneten Thermen des römischen Kaisers Caracalla wurden an Größe nur noch von den Diokletian-Thermen übertroffen, an Pracht aber von keiner anderen Anlage. Ihre überragende Technik und luxuriöse Ausstattung machten sie zu einer der beliebtesten öffentlichen Einrichtungen, zu einem Freizeitparadies mit zahllosen kostenfreien Dienstleistungen. Und der Dank des Volkes war dem kaiserlichen Stifter sicher.

Caracalla-Thermen

© fusolino - Fotolia.com

Thermen benötigen große Mengen Wasser und so ließ Caracalla eigens eine Abzweigung von der Aqua Marcia, die Aqua Antoniniana, bauen – die Achillesferse der Anlage, wie sich 537 zeigen sollte, als der Ostgotenkönig Witichis während der Belagerung Roms die Wasserzuleitungen zerstörte und damit den Niedergang des Bade- und Vergnügungsparks auslöste. Gut dreihundert Jahre hatte man sich hier erholen und pflegen können, trainierte in den Sportanlagen, besuchte Bibliotheken, lauschte Vorträgen, speiste und ruhte. Allen auf Caracalla folgenden Herrschern war der Erhalt des großen Komplexes eine Herzensangelegenheit. Nach dem Vandalismus der Ostgoten war der nächste Schlag das Erdbeben von 847, das Teile der Anlage zum Einsturz brachte. Dennoch blieben dank der soliden Bauweise (Gebäudekern aus opus caementicium /Gusszement, verkleidet mit Ziegeln) viele Gebäudeteile fast unbeschädigt und gerieten erst wieder während der Renaissance in Gefahr, als viele antike Bauten als Steinbruch ausgeschlachtet wurden und – wie in diesem Fall – im Neubau der Peterskirche Verwendung fanden. Auch wurde viel Dekoratives in jener Zeit bei Ausgrabungen auf dem Thermengelände zutage gefördert, so die riesigen Porphyrbecken des Frigidariums, die, zu Brunnen umfunktioniert, den Platz vor dem Palazzo Farnese schmücken. Oder die stattlichen Skulpturen Stier, Flora und Herkules, heute viel bestaunte Exponate des neapolitanischen Museo Archeologico Nazionale. Einige Säulen aus den Caracalla-Thermen wurden in der Kirche Santa Maria in Trastevere verbaut, andere bis an die Ufer des Arno entführt und auf der florentinischen Piazza di Santa Trinità wieder aufgestellt. Die meisten Skulpturen und Büsten verschwanden damals auf Nimmerwiedersehen und auch von den mindestens 1.600 marmornen Ruhesesseln für die Badegäste verlieren sich die Spuren.

Ein Blick in den Badebetrieb

Von den mit Stuckdekor, Säulen und Skulpturen, Marmorplatten an den Wänden und Fußbodenmosaiken luxuriös ausgestatteten Anlagen der Caracalla-Thermen überlebte bis in unsere Tage ein immer noch höchst eindrucksvoller Komplex monumentaler Mauer- und Gewölbereste. An ihnen lässt sich ermessen, welche Dimensionen dieser antike Badebetrieb einst hatte. Und wer mit einem detaillierten Lageplan durch das Gelände streift, wird sich ein zuverlässiges Bild von den Funktionen der einzelnen Räumlichkeiten machen können. Dabei fällt auf, dass das Reinigungsbedürfnis nicht unbedingt im Vordergrund stand, denn nach römischem Verständnis gehörten zu einem Badebetrieb zahlreiche Dienstleistungen, die das Miteinander förderten und die Thermen zu einer Begegnungsstätte des öffentlichen Lebens machten. So waren Bibliotheken ein selbstverständlicher Bestandteil großstädtischer Thermen wie auch Säle für Vorträge, dazu gesellten sich Gaststätten und ein Hotel sowie diverse Pflege- und Kosmetikstudios, Läden, Wandelgänge, Sonnenterrassen, Sportanlagen, ein Park.

Einschließlich der Umfassungsmauern erreichte das Thermengelände die enorme Breite von 337 m und eine Tiefe von 328 m. Die beiden seitlichen bogenförmigen Exedren (Nischen) steigerten die Breite sogar auf über 400 m. An der Rückseite lagen die Zisternen mit einem Fassungsvermögen von 80.000 Litern.
Der eigentliche Badebetrieb spielte sich in dem mächtigen Block (220 X 114 m) im Zentrum der Anlage ab. Rund 1.500 Besuchern bot das Badehaus gleichzeitig Platz. Nachdem sie sich umgekleidet hatten (im Apodyterium) folgten sie in der Regel der Reihung der Baderäume entlang der Mittelachse, wobei die Raumtemperatur ständig zunahm. Zunächst besuchte man einen großen Saal mit Schwimmbecken, die Natatio, mit angegliederten Räumen für Spiele und Gymnastik, stieg dann in eines der vier Kaltwasserbecken des Frigidariums, des mit 58 X 24 m größten Raums, erwärmte sich anschließend in der gemäßigten Übergangszone zwischen kalt und warm, dem vergleichsweise kleinen Tepidarium mit seinen zwei seitlichen Becken, um schließlich im Warmbad (Caldarium) im großen Rundsaal von 34 m Durchmesser in das herrlich vorgewärmte Wasser einzutauchen. Wem das noch nicht genügte, der konnte sich in den angrenzenden Heißluftbädern vergnügen. Laconicum nannte man diese Schwitzbäder, aus denen sich später auf dem Umweg über die Byzantiner und arabische Kulturen das Hamam (Türkisches Bad) entwickelte. Und zum Ausklang stiegen nicht wenige Besucher die breiten Treppen hinauf, um auf den weitläufigen Terrassen noch ein Sonnenbad zu genießen.

Wovon die Besucher nichts mitbekamen, war der immense technische Aufwand, der sich unter dem Fußbodenniveau entfaltete. Hier schufteten die Sklaven, es gab jede Menge Gänge, Werkstätten, Vorratskammern. Dort wurden die Öfen mit Holz befeuert, die das Badewasser in großen Kupferkesseln erhitzten und durch Leitungen an die einzelnen Baderäume verteilten. Zugleich aber erwärmten die Öfen auch die Räume mittels Hypokausten, Hohlräumen unter dem Fußboden, die von den heißen Rauchgasen durchzogen wurden und auch durch senkrechte Kanäle (Tubuli) in den Wänden aufstiegen und so für ein angenehmes Raumklima sorgten.

Erstmals im August 1937 machte das römische Teatro dell`Opera die imposanten Ruinen der Caracalla-Thermen zu seiner Bühne. Die Römer und die Gäste der Stadt waren begeistert. Als Premierenstück kam Gaetano Donizettis Lucia di Lammermoor mit Beniamino Gigli zur Aufführung. Bis auf Restaurierungsphasen und kriegsbedingte Unterbrechungen wurde jeden Sommer in den Ruinen gespielt, gesungen, getanzt, zunächst im Tepidarium, später dann im Caldarium vor Tausenden von hingerissenen Zuschauern. Hier hat Zubin Mehta dirigiert, die große Mezzosopranistin Giulietta Simionato und der Tenor Mario del Monaco haben ihr Publikum begeistert und die großen Drei waren auch hier: Placido Domingo, José Carreras und Luciano Pavarotti. Pietro Mascagnis Cavalleria Rusticana, Verdis Attila, Puccinis Tosca und Vincenzo Bellinis Norma waren rauschende Höhepunkte der vergangenen Saison.

(Viale delle Terme di Caracalla)

 

 


Reiseveranstalter Italien

Reiseveranstalter Rom





 

Twitter
RSS